Basler zu werden, ist offenbar nicht mehr attraktiv: Immer weniger Migranten lassen sich einbürgern. Das Migrationsamt mit den drei Bürgergemeinden Basel, Riehen und Bettingen ist über diesen Trend nicht erfreut, denn schliesslich leben im ganzen Kanton 25000 Personen, die die Wohnsitzvoraussetzung in der Gemeinde – sprich zwei Jahre – erfüllen würden.

Die Regierung fragt sich nun, ob diese Tendenz an mangelndem Wissen um die Bedingungen oder an Hemmungen vor den Hürden liegt. Für Janitha Reetz sind die Anforderungen, die an die ausländischen Staatsangehörigen gestellt werden, tatsächlich zu hoch.

Berge, Seen und Bräuche

Die Vizepräsidentin des Café Secondas, einer Basler Organisation, die sich für Chancengleichheit einsetzt, lässt sich derzeit selber einbürgern und war überrascht über das viele Wissen, das sie über die Schweiz mitbringen muss.

Sie zählt Berge, Seen und Bräuche auf. «Man weiss einfach nicht alles und lernt die Antworten auswendig.» Ihr Mann, der selber Schweizer ist, habe dies nicht alles gewusst. Reetz kommt aus Sri Lanka, ist aber in Basel geboren und aufgewachsen.

Schweizweite Tendenz

Lukas Huber, Leiter der Bevölkerungsdienste und Migration im Justiz- und Sicherheitsdepartement, ist überzeugt, dass die rückläufigen Zahlen in Sachen Einbürgerungen nichts mit zu hohen Anforderungen zu tun haben. Das Bundesamt für Statistik zeigt auf, dass das Interesse an Einbürgerungen gesamtschweizerisch zurückgeht.

Genau könne der Grund nicht eruiert werden. Aber: «Das Freizügigkeitsabkommen erlaubt Ausländerinnen und Ausländern heute viele Rechte in der Schweiz, im Vergleich zu anderen Ländern», sagt Huber. Sie können hier wohnen, wenn sie einer Arbeit nachgehen. Zudem habe der sprunghafte Anstieg von Einbürgerungen ab 2006 mit der Welle von Einbürgerungen von Personen aus Ex-Jugoslawien zu tun gehabt.

Für Reetz lohnt sich der Aufwand, um Baslerin werden zu können. Sie möchte sich politisch engagieren können. «Ich bin in Basel aufgewachsen, zahle hier Steuern und fühle mich zu Hause. Ich möchte hier wählen und abstimmen können.»

Kostenlose Infoveranstaltung

Für Huber ist Reetz’ Einstellung der Grund, warum die Regierung den Migranten Einbürgerungen schmackhaft macht. «Einbürgerungen sind der letzte Schritt zur Integration.» Die Menschen sollen mitbestimmen können. «Es darf nicht sein, dass der Teil, der sich in Basel nicht engagieren kann, immer grösser wird.»

Um den Trend ins Gegenteil kehren zu können, veranstaltet die Regierung nun kostenlose Informationsveranstaltungen. Fachpersonen des Migrationsamtes und der drei Bürgergemeinden geben Auskunft über das Verfahren. Ein solcher Abend fand gestern im Rathaus statt. Das Interesse an diesem Anlass sei gross gewesen, sagt Lukas Huber.