Schweizweit und in Bettingen wurde die Hornkuh-Initiative im vergangenen November abgelehnt. In Riehen und im ganzen Kanton Basel-Stadt wurde sie klar angenommen. Dies bewog Regina Rahmen (SP) dazu, an der kommenden Einwohnerratssitzung vom 23. Januar per Vorstoss die Umsetzung der Initiative in Riehen und womöglich auch im ganzen Kanton Basel-Stadt zu fordern. Dass es nicht Usus ist, nach einer verlorenen Abstimmung bei genehmen Resultaten eine Umsetzung auf lokaler Ebene einzufordern, sei ihr bewusst, sagt Rahmen. «Dass mehrere Kantone, unter anderem Genf und Basel-Stadt, die Initiative angenommen haben, zeigt doch, dass sich viele Menschen in der Landwirtschaft mehr Tierwohl wünschen.» Die Hornkuh-Initiative sei gemässigt, weil sie nicht auf Verbote, sondern auf Anreize setze. Es spreche nichts dagegen, als Steuerzahler über die Subventionen Einfluss auf die Landwirtschaft zu nehmen.

Elf Einwohnerräte – vor allem von Mitte-links – haben den Vorstoss mitunterzeichnet. Der bekennende Naturfreund Peter A. Vogt (SVP) hat zwar selber nicht unterschrieben, unterstützt das Begehren aber vehement. Bereits vor der nationalen Abstimmung im vergangenen November schrieb er eifrig Leserbriefe. «Kühe kommen mit Hörnern auf die Welt. Die Natur sollten wir respektieren.» Er werde in der eigenen Fraktion für den Vorstoss werben, kündigt der SVP-Einwohnerrat an. «Die Tiere leiden während der Enthornung, die einer Verstümmelung gleichkommt.»

Falsches Idyll?

Dem widerspricht Hermann Arni Karle vom Hof Maienbühl in Riehen. «Die Kälber werden sediert und unempfindlich gemacht und spüren daher nichts.» Der Hornansatz wird in der fünften Woche abgetötet. Andere Faktoren seien für das Tierwohl entscheidender als die Hörner. Hermann Arni Karle kann aber nachvollziehen, dass das Thema die Menschen bewegt. Er sei vor der Abstimmung auch viel darauf angesprochen worden. Er habe versucht, den Menschen feinfühlig zu erklären, wieso seine Kühe keine oder nur vereinzelt kurze Hörner haben. Der Aufwand der Haltung von Kühen mit Hörnern sei grösser als ohne. «Wir müssten bei uns auf dem Hof Maienbühl unter anderem die Fressachse ersetzen und den Platz im Liege- und Laufstall vergrössern. Das kostet.» Zudem müssten die vielen Kinder, die immer wieder unseren Hof besuchen, auf Abstand zu den Kühen gehalten werden. Den Vorstoss von Regina Rahmen findet Hermann Arni Karle schlichtweg «unnötig». Kuhhörner hätten nichts auf Gesetzes- oder Verordnungsebene verloren.

Dies findet auch Patrick Gerber vom Betrieb im Dorfkern von Bettingen. Er stellte vor zehn Jahren von Milchkühen mit Hörnern im Anbindestall auf Mutterkuhhaltung ohne Hörner im Freilaufstall um. Langfristig sei das Ziel, den ganzen Bestand ohne Hörner zu züchten. Dafür gibt ein hornloser Stier seine Gene weiter und nur die Kühe ohne Hörner, bei denen also das Genmaterial des Vaters dominant war, werden zur Fortpflanzung eingesetzt. Gerber ist überzeugt, dass sich die Herde in einem Freilaufstall ohne Hörner wohler fühlt.

Die Hornkuh-Initiative verspreche ein Idyll, das nicht mehr der Realität und der Entwicklung in der Landwirtschaft entspreche, entgegnet Gerber den Initianten. Dass städtische Regionen die Initiative angenommen haben, währenddem ländliche Gebiete sie ablehnten, zeige, dass jene, die Ahnung von der Landwirtschaft haben, gegen die Initiative stimmten. Von diesem «Stadt-Land-Graben», den es selbst im Kanton Basel-Stadt gab, spricht auch Markus Graber vom Spittelmatthof in Riehen. Bei dessen schottischer Rinderrasse «Angus» wurden bereits vor 200 Jahren die Hörner weggezüchtet. Graber spricht von einem «Idealzustand». Bei Kühen mit Hörnern müsse man bei der täglichen Arbeit weitaus mehr aufpassen. Die Enthornung würde ihm selber gewiss schwerfallen, gibt Markus Graber zu. «Ich müsste mir das überlegen, wie ich das handhaben würde.»