Als wir Tanja Soland erreichen, ist sie gerade dabei, ihre Interpellation fertig zu schreiben. Die SP-Grossrätin will wissen, wann die regulierte Cannabisabgabe in Basel-Stadt endlich umgesetzt wird. Oder zumindest ein Forschungsprojekt dazu durchgeführt wird. Schliesslich gehören Fachpersonen aus Basel-Stadt seit 2012 einer Arbeitsgruppe an, die die regulierte Abgabe von Cannabis beabsichtigt. Doch seither ist nichts mehr passiert – obwohl in den letzten vier Jahren zwei politische Vorstösse mit diesem Ziel überwiesen wurden (das letzte Mal im März 2015).

Am Montag nun verkündete das Gesundheitsdepartement in einer Medienmitteilung, dass der Kanton Basel-Stadt beabsichtige, ein Forschungsprojekt zur regulierten Hanfabgabe durchzuführen. Diese Idee sei von der Arbeitsgruppe, zu der neben Basel-Stadt auch die Städte Bern, Thun, Winterthur und Zürich sowie der Kanton Genf gehören, im Februar angeregt worden. Somit gibt es vier Jahre, nachdem Basel-Stadt dieser Arbeitsgruppe beigetreten ist, ein erstes Mal spruchreife Neuigkeiten.

Für die lange Dauer gäbe es gute Gründe, so Eveline Bohnenblust, Leiterin Abteilung Sucht beim Gesundheitsdepartement des Kantons-Basel-Stadt: «Es handelt sich um eine komplexe Thematik, und laufend sind auch neue Städte der Arbeitsgruppe beigetreten.» Ausserdem brauche es jeweils auch politische Prozesse und Entscheidungen in den einzelnen Städten und Kantonen für die weitere Planung, wie Bohnenblust weiter sagt.

Zurückhaltende Euphorie

«Es ist interessant, dass endlich etwas passiert, weil es einfach sehr lange gegangen ist. Es ist Zeit geworden», kommentiert Soland und fügt an: «Dann hat sich meine Interpellation ja erübrigt.» Aber wirklich begeistert klingt die Grossrätin nicht. Denn: «Das Projekt, für das sich Basel-Stadt entschieden hat, ist nicht besonders fortschrittlich und auch nicht das massgebliche für die kontrollierte Cannabisabgabe», so Soland. Die Forschungsprojekte, die sie kritisiert, sehen vor, mit unterschiedlichen Zielgruppen wissenschaftliche Studien durchzuführen. Das Hauptaugenmerk soll aber in Basel auf den Erwachsenen liegen, die Cannabis aus medizinischen Gründen zur Selbstmedikation inhalieren. Sie lindern damit Krankheitssymptome.

Diese legale Cannabisabgabe an Menschen, die nachweisen können, dass sie den Hanf-Wirkstoff THC aus medizinischen Gründen benötigen, ist in den USA seit Jahren gang und gäbe. Das Gras kann in Apotheken gegen Vorweisen eines Rezeptes bezogen werden.
Und auch wenn Soland dieses Projekt wenig innovativ findet, hoffe sie natürlich, dass es beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) durchkommt. Denn wenn das BAG für die regulierte Cannabisabgabe keine Ausnahmebewilligung erteilt, die zwingend nötig ist, dann kann das Forschungsprojekt gar nicht erst umgesetzt werden. Die Bewilligung soll in diesem Spätherbst beantragt werden, sobald eine detaillierte Forschungsskizze vorliegt. Zuerst müssen aber noch die Gremien aus Basel-Stadt zustimmen und das Budget bewilligen.

Sollte alles klappen, dann ist vorgesehen, dass sowohl das Forschungsdesign als auch die Gesamtevaluation in Absprache mit den anderen beteiligten Städten und dem Kanton Genf erarbeitet werden sollen. «Das ist für mich der wichtigste Punkt, dass die verschiedenen Städte zusammenarbeiten und alles gemeinsam koordiniert wird.» Wird dies nicht der Fall sein, dann werde es schwierig, dass das Projekt erfolgreich sein wird, so eine zurückhaltend optimistische Soland.