Öffentlich ist nicht gleich öffentlich. Mit diesem kurzen Satz könnte man die Diskussion zusammenfassen, die am Freitag im Basler Rathaus am ersten «Open Innovation Day» stattgefunden hat. Denn das Veröffentlichen von Daten in gedruckter Form oder in nicht maschinenlesbaren PDF-Dateien kommt im Jahr 2015 praktisch einer Nichtveröffentlichung gleich, sagten mehrere Teilnehmer der Veranstaltung übereinstimmend.

Doch genau das ist in Basel heute noch oft der Fall. Abstimmungsresultate beispielsweise werden als PDF-Dateien veröffentlicht, die zwar gut ausgedruckt, von einem Computer zur automatischen Weiterverarbeitung aber kaum verwendet werden kann. Auch das Amt für Umwelt und Energie veröffentlicht viele Daten, beispielsweise zu den Schadstoffen in der Luft oder zur Temperatur des Rheinwassers. Teilweise werden diese Daten sogar grafisch schön aufbereitet und auf der Website des Kantons dargestellt, ein anderer Dienstleister, der beispielsweise die Wetter- oder Pollendaten für eine Allergiker-App verwenden will, kann darauf aber nicht automatisch zugreifen.

Weniger Stau dank Open Data

Die Basler Staatsschreiberin Barbara Schüpbach versprach Besserung. «Wir haben die Bedeutung von Open Data erfasst und wir sind auf dem richtigen Weg», sagte sie im Eröffnungs-Referat. Eine soeben veröffentlichte EU-Studie zeige deutlich, dass Daten die Rohstoffe der digitalisierten Welt seien. «Der gezielte Einsatz von öffentlichen Daten kann auf Europas Strasse jährlich über 600 Millionen Stunden Stau verhindern und den Energieverbrauch um
16 Prozent senken», zitierte sie aus der Studie.

Basel wolle daran teilhaben, wenn die Privatwirtschaft aus öffentlichen Daten in den nächsten fünf Jahren 325 Milliarden Euro Umsatz generiert und 25 000 neue Jobs schafft, wie die Studie prophezeie.

Zürich als Vorbild

Einen Schritt weiter als Basel-Stadt bezüglich offener Daten ist die Stadt Zürich. Bereits im Juni 2012 haben die Behörden das Team «Open Data Zürich» gegründet, das aktuell zwei Mitarbeiter hat. Seither wurden rund 250 Datensätze veröffentlicht.

«Daraus wurden bereits über 50 Anwendungen entwickelt, von denen die Bevölkerung wie auch die Behörden profitieren können», sagt Reto Wick. Als Beispiel nennt er eine Entsorgungs-App, die von Privaten entwickelt wurde und den nächsten Termin für Abfall- und Wertstoffentsorgung am jeweiligen Standort anzeigt.

«Auch die Universitäten und Fachhochschulen nutzen unsere Daten und erstellten daraus beispielsweise Studien zum Veloverkehr, von denen die Stadt dann ebenfalls profitieren kann.» Konkrete Pläne konnte die Basler Verwaltung am Innovationstag noch nicht präsentieren, jedoch sagte Schüpbach klar, dass die Regierung die Bedeutung von Open Data erfasst und in der E-Government-Strategie 2014-18 verabschiedet habe. Der Kanton beabsichtige, die kantonalen Daten via des Bundesportals für Open Data zugänglich zu machen, sobald dieses dafür frei gegeben werde.