Christian Obenauf ist Wirt der Basler Traditionsbeiz Altes Warteck. Das Lokal beim Messeplatz muss einem Turm weichen und Obenauf sich neu orientieren. In Muttenz hat er dazu die Firma Wienerwald Schweiz GmbH gegründet. Der gebürtige Österreicher Obenauf wird Franchise-Partner der deutschen Chicken-Fast-Food-Kette Wienerwald. Diese eröffnet noch in diesem Jahr ein Lokal in Lörrach und will im kommenden Jahr über Basel aggressiv in die Schweiz expandieren. Obenauf ist auf Anfrage des «Sonntags» ebenso kurz angebunden wie der Münchner Sprecher der Wienerwald-Gruppe Christoph Casprowitz. Es seien keine Verträge unterzeichnet, deshalb könne nicht kommuniziert werden, lassen beide wissen. Es hätte wohl eine geheime Hühnerinvasion werden sollen.

Hoher Flug, tiefer Fall

Der Name «Wienerwald» ist mit dem rasanten Aufstieg und tiefen Fall des Hühnervaters Jahn verbunden. Der deutsche Gastrounternehmer Friedrich Jahn errichtete ab den 1970er-Jahren mit gebratenen Hühnchen ein Milliardenunternehmen. In Hochzeiten zählte es 1600 Lokale, eines davon brutzelte erfolgreich im Kleinbasel. Jahn zügelte steueroptimierend in die Schweiz. Doch er flog zu hoch, 1982 musste der Konzern wegen Überschuldung Konkurs anmelden. Auch die Nachfolgefirmen in Österreich (2002) und Deutschland (2007) gingen pleite. Erledigt war der zähe Vogel damit jedoch nicht: Seit 2010 bauen Nachkommen des Friedrich Jahn mit frischem Konzept eine neue Kette auf. Wie es richtig geht, zeigt seit Jahrzehnten die US-amerikanische Kette Kentucky Fried Chicken (KFC) mit weltweit 16 000 Lokalen in 110 Ländern.

In der Schweiz sind es bisher vor allem die fahrbaren Rotisserien, die ihre fetttriefenden Hühnerbraten an zahlreichen Standorten auch in der Region anbieten. Im vergangenen Jahr versuchte der Thurgauer Geflügelproduzent Frifag, der die Brater beliefert, sesshaft zu werden. Basel hat er sich dazu als Versuchsort auserkoren. Das «Huhniversum», wie das zweifelhaft wortschöpferische Gastroprodukt der Frifag heisst, öffnete 2011 im Basler Kirschgarten und versorgte die anspruchslosen Geschäftsleute mit einer schnellen Mittagsverpflegung. «Wir sind sehr zufrieden», erklärte im vergangenen Mai die Geschäftsleitung gegenüber dem «Sonntag», was der Wahrheit so nahe kam wie ein Kalbsfilet dem Hühnerbein. Denn kurze Zeit später wurde das Lokal geschlossen. «Es hatte nach 14 Uhr einfach keine Gäste mehr», sagt Geschäftsleitungsmitglied Louis Fässler nun ehrlicher.

Lage ist entscheidend

Der Basler CatererHans Berchtold, der sich vor einigen Jahren mit dem Konzept Chicken Chaotikum versucht hatte, hätte es voraussagen können: Poulets seien als Rohstoff nicht günstig und ohne Hochfrequenzlage rechne sich ein solches Lokal nie. Aufgeben ist aber nicht Sache der Huhnverkäufer. Fässler sucht nun in der Stadt nach einer neuen Lokalität für ein «Huhniversum». Zentraler soll sie liegen, kleiner soll sie sein. Wie ein Kebab-Lokal, zwei Mitarbeiter, einige Stühle und viel Publikumsverkehr. Nur der Food bleibt: Chicken.

«Wienerwald», so erzählen sich Gastrokreise, habe in Basel ebenfalls an einem zentralen Ort starten wollen. Das Projekt habe sich jedoch zerschlagen. Das Konzernkonzept setzt ohnehin auf Einfall- und Ausfallstrassen. Drive-in-mässig gelegene Tankstationen für Chicken-Food. Auf dieser Basis startete im Oktober auch die Migros in der Ostschweiz einen Versuch. Der Detailhändler eröffnete zwei Lokale mit dem ähnlich wenig überzeugenden Namen Pouletc (gesprochen: Poulet etcetera). Sollte dieses Experiment am gebratenen Huhn gelingen, werde die Schweiz mit diesem Konzept geflutet, so die latente Drohung der Migros.

Maurus Ebneter, Geschäftsführer des Basler Wirteverbands, hat Kenntnis und Verständnis für den Hühnerboom. Schliesslich sei der Pouletkonsum steigend und Hühner seien multiethnisch auch für Muslime und Hindus geniessbar. Dem Wirt des «Alten Warteck» wünsch Ebneter viel Erfolg in der neuen Hühnerwelt.