Alina Thommen hat sich in Schale geworfen und für die Präsentation extra ihren Arbeitskittel angezogen. Sie hat zwanzig Minuten Zeit, um ihren Beruf Automobil-Mechatronikerin für Nutzfahrzeuge vorzustellen. «In meinem Arbeitsgebiet gibt es nur wenige Frauen, aber ich habe kein Problem damit», sagt sie und hievt zur Anschauung Motorteile aus einem Karton. Zwei Experten lauschen dem Vortrag und machen sich Notizen in ihrem Bewertungsraster. Denn Alina ist eine von zehn Finalisten, die um den Titel «Lehrling des Jahres» 2017 kämpfen.

Seit 2009 gibt es diesen Wettbewerb, der vom Gewerbeverband Basel-Stadt organisiert wird. Am gestrigen Contest-Tag trafen die zehn jungen Berufstalente, die aus 55 Bewerbern ausgewählt wurden, im Ausbildungszentrum des Malermeisterverbandes Basel-Stadt zum ersten Mal aufeinander. An acht Posten stellen sich ihnen Aufgaben, die unterschiedlicher nicht sein könnten. «Wir haben ganz verschiedene Charaktere, doch alle sind Feuer und Flamme für ihren Beruf. Das zu sehen, macht Freude», sagt die Projektleiterin des Wettbewerbs, Aline Freier.

Kaum ist der Vortrag vorbei, muss Alina gleich zum nächsten Posten. Dort entwirft sie mit Filzstift und Wasserfarbe ein neues Design für eine Migros-Tragtasche. Einen Stock weiter oben jongliert unterdessen Kinderbetreuerin Mira Muheim mit einem Pingpongball. Die Aufgabe wird durch eine Brille erschwert, welche die Sicht bei einem Blutalkoholgehalt von 0.8 Promille simuliert. Im Nebenraum sortiert Kauffrau Aysun Secilmis Müll. «Manche Wettkämpfe liegen mir, andere weniger. Fest steht nur, dass in jedem Raum eine neue Überraschung wartet», sagt sie. Wie bei den meisten Finalisten hat auch bei Aysun der Lehrbetrieb die Teilnahme am Wettbewerb vorgeschlagen. Dass es dann für den Final gereicht hat, war nicht nur für die junge Kauffrau eine grosse Überraschung.

Die Freundin musste überreden

«Eigentlich wollte ich nicht mitmachen. Ich hatte ein wenig Angst vor der grossen Bühne. Doch meine Freundin hat mich überredet», sagt Pascal Gfeller und fügt hinzu: «Dafür musste sie mir dann bei der Bewerbung helfen.»

Auch Sten Jeppesen, der zweite von nur drei Männern unter den Finalisten, glaubte ursprünglich nicht daran, ausgewählt zu werden: «Wir haben uns aus Witz und Jux angemeldet», sagt Sten. «Nun ist aus Spass Ernst geworden. Wenn ich schon unter den Top 10 bin, will ich auch gewinnen.» Gemeinsam mit Pascal und drei weiteren Konkurrentinnen muss Sten am Vormittag zunächst eine grosse Gruppenaufgabe erledigen. Um 12 Uhr soll das Mittagessen für rund 20 Personen auf dem Tisch stehen. 200 Franken stehen als Budget zur Verfügung, knapp drei Stunden hat die Gruppe Zeit. Planen, Einkaufen, Zubereiten: Keine einfache Ausgabe für die fünf Teenager, die zu Hause nur selten am Herd stehen. Beobachtet wird die Gruppe, die aus einer Fachfrau Gesundheit, einer Schneiderin, einer Elektroinstallateurin, einem Hörsystemakustiker und einem Velomechaniker besteht, von zwei Experten. In dieser speziellen Aufgabe wird das soziale Verhalten der Finalisten, Kreativität und Leadership bewertet. Weil die fünf Kontrahenten trotz der Konkurrenzsituation gut zusammen arbeiten, sind sie am Ende sogar zehn Minuten früher fertig. Es gibt Salat, belegte Sandwiches und Kuchen.

Am gestrigen Wettkampftag absolvierten die zehn Finalisten lediglich acht von zehn Aufgaben. Die neunte ist nun ein Online-Voting, bei dem es darum geht, möglichst viele Fans zu mobilisieren. Die definitive Entscheidung fällt jedoch erst an der Preisverleihungs-Show am 5. Dezember. Dann müssen die Kandidaten auf der Bühne im Kongresszentrum vor rund 500 geladenen Gästen eine Art Montagsmaler spielen. Wer am besten zeichnet und rät, bekommt dann wichtige Punkte, die am Ende den Ausschlag geben, wer Lehrling des Jahres 2017 wird.