Landesausstellung

Basel tanzt auf zwei Expo-Hochzeiten

Die Köpfe hinter «Svizra27»: Jost Huwyler, Präsident Kurt Schmid (M.) und Elisabeth Schneider-Schneider.

Die Köpfe hinter «Svizra27»: Jost Huwyler, Präsident Kurt Schmid (M.) und Elisabeth Schneider-Schneider.

Nach dem Städteprojekt Nexpo erhält auch das Wirtschaftsprojekt Svizra27 Geld aus Basel. Nur das Projekt X27 will keines – vorerst.

Elisabeth Schneider-Schneiter, Präsidentin der Handelskammer beider Basel und Baselbieter Nationalrätin mit Schwerpunkt Aussenhandel, spricht von einer «sensationellen Sache»: Die versammelten Wirtschaftsverbände der fünf Nordwestschweizer Kantone entwickeln gemeinsam das Konzept Svizra27 für eine Landesausstellung, die frühestens in sieben Jahren stattfinden soll.

Auch die fünf Regierungen stünden hinter dem Projekt, schwärmt Schneider-Schneiter. Die Kantone Aargau, Solothurn, Jura und beide Basel haben Swisslos-Gelder zugesichert. Für die nächsten Planungsphasen braucht Svizra27 1,5 Millionen Franken. Die Hälfte wird aus den parastaatlichen Swisslos-Kassen bestritten. Die andere Hälfte bringen die Wirtschaftsverbände und rund dreissig, vorwiegend Aargauer Firmen auf. Im Nachbarkanton zündete auch der Funke für eine von der Wirtschaft initiierten Landesausstellung. Daraus wuchs ein regionales Projekt; eines, «das unserer Region guttut», wie Schneider-Schneiter meint. Sie sitzt wie der Basler Gewerbedirektor Gabriel Barell im Ausschuss der Organisation.

Die Wirtschaft setzt auf das Thema Arbeit

Die Expo der Wirtschaft soll unter dem Slogan «Mensch, Arbeit, Zusammenhalt» stattfinden. Was darunter zu verstehen sein soll, muss allerdings erst ein Wettbewerb ergeben, der im Juni an den Start geschickt wird. Schneider-Schneiter sagt: «Nichts passt mehr zur Schweiz als ‹Arbeit›». Doch «Arbeit» sei nicht einfach ein Thema der Wirtschaft, sondern präge das ganze Leben. Svizra27 soll deshalb nicht eine ausgebaute Gewerbeschau, sondern eine Landesausstellung für alle sein.

Eine breite Akzeptanz wird spätestens vonnöten, wenn die Wirtschaft staatliche Gelder in grossem Stil anfordert. Rund eine Milliarde Franken soll ihre Leistungsschau kosten, die Hälfte davon hat in unverbindlicher Weise der Bund in Aussicht gestellt. Eine viertel Milliarde hätten Sponsoren aufzubringen, die restlichen 250 Millionen Franken werden von den Kantonen und aus den Erlösen erwartet.

Basel-Stadt unterstützt nicht nur Svizra27, sondern aktiv auch Nexpo, ein konkurrenzierendes Projekt. Angestossen wurde es von der Zürcher Stadtpräsidentin Ursula Mauch, nachdem ein Expo-Projekt am Bodensee Schiffbruch erlitten hatte. Zehn Städte hat Mauch für ihr Projekt gewonnen. Für Basel-Stadt hat Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann bereits vor zwei Jahren ein Commitment abgegeben und zu Lasten des Kompetenzkontos des Regierungsrates 120084 Franken reserviert.

Dass Basel-Stadt bei zwei Projekten mitmacht, erklärt Sabine Horvath, Leiterin Aussenbeziehungen und Standortmarketing, als normalste Sache der Welt: «Basel-Stadt ist als eine der grössten Schweizer Städte und als Zentrum der Nordwestschweiz naturgemäss an beiden Expo-Projekten beteiligt». Sie empfiehlt allerdings: «Aus Sicht von Basel-Stadt wäre es erstrebenswert, zeitnah eine Annäherung der verschiedenen Initiativen herbeizuführen.»

Dezentrale oder eine zentrale Expo?

Während Svizra27 noch keine Haltung entwickelt hat, wie zentral oder dezentral ihre Expo sein soll, gehört die verstreute Organisation zum Kernelementen von Nexpo. Sie werde keine klassische Expo auf einem eingezäunten Gelände, sondern «verbinde schweizweit kulturelle Initiativen». Gesamthaft soll die Nexpo mit rund 600 Millionen Franken günstiger kommen, wobei ebenfalls die Hälfte des Geldes vom Bund erwartet wird. Der Anteil der Privatwirtschaft hat weniger als zwanzig Prozent zu betragen.

Vor zwei Wochen hat sich in Basel auch eine Zelle für das dritte Projekt für eine Landesausstellung gebildet. Das schon länger von Zürich aus portierte Unterfangen heisst X27 und wird konzeptionell wie Nexpo von Personen getragen, die Erfahrungen bei der Expo.02 gesammelt hatten.

Anders als wirtschaftsgesteuerte Svizra27 oder das städtepolitisch getriebene Nexpo versucht X27 einen zivilgesellschaftlichen Ansatz und will sich bis zur Realisierungsreife über Crowdfunding finanzieren. X27 soll zwar an einem Ort stattfinden, wobei der Flughafen Dübendorf favorisiert wird. Die Organisation wird jedoch dezentral gehalten. Initiant des Basler Hub ist Thomas Keller, Geschäftsführer der Kaserne. Zum Kern gehört auch Matthias Böhm, Geschäftsführer der Pro Innenstadt. Die X27 kalkuliert mit 800 Millionen Franken, die nach den Erfahrungen mit der Expo.02 der Staat aufbringen soll.

Die Wettbewerber haben noch gut 18 Monate, um ihre Vorarbeiten voranzutreiben. Dann ist es am Bund, zu sagen, was er von welchem Projekt hält.

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Autor

Christian Mensch

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