Pferdemist liegt auf dem roten Teppich beim Hintereingang der Rundhofhalle der Messe Basel. Eine merkwürdige Mischung aus majestätischer Noblesse und ländlicher Idylle herrscht in den Räumen der englischen Tattoo-Garde. Schwarze Pferde nehmen einen letzten Happen Heu zu sich, während ihnen ein Mann gemächlich den Schweif bürstet.

Dass in eineinhalb Stunden die grosse Show beginnt, ist hier niemandem anzumerken. Einzige Ausnahme bildet Hans-Ueli Früh, der für die englische Garde zuständig ist. Voller Vorfreude blickt er zu den Pferden und sagt: «Es ist schon beeindruckend, wozu diese Tiere fähig sind.» Vollständig gesehen hat Früh die Show aber noch nie. Er sei zu aufgeregt dafür, gibt er lächelnd zu.

Rheinschwimmen zur Erholung

In der Halle nebenan beginnen währenddessen die ersten Vorbereitungen. Irgendwo spielt jemand die Tonleiter auf der Trompete: langsam beginnt die Aufwärmphase. Neben der Garderobe mit den schweren, roten Uniformen sitzen ein paar junge Engländer beisammen. Sie wirken entspannt. «Das ist die Routine», erklärt Früh, «und weil wir heute nur eine Vorstellung geben, konnten sie sich heute etwas erholen. Einige gingen sogar im Rhein schwimmen.»

Dann geht plötzlich alles ganz schnell. Um Viertel vor neun schreit jemand etwas in die Runde, die Leute beginnen durch die Halle zu wuseln und ihre Uniformen anzuziehen. Auch die Pferde sind mittlerweile bereit: frisch gesattelt stehen sie vor den Toren der Messehalle. «Jetzt geht es langsam los», freut sich Früh. Im Hintergrund stapfen die Musiker in ihren riesigen Stiefeln zu den Pferden, einige singen und klatschen vorfreudig in die Hände.

Das Spektakel vor der Show

Zehn Minuten später sitzen die über zwanzig Beteiligten, unter ihnen auch vier Frauen, auf ihren Pferden. In der einen Hand die Zügel, in der anderen die Instrumente, schreiten die Life Guards durch die Kleibasler Strassen bis zum Kasernenareal.

Zahlreiche Schaulustige beobachten das Spektakel und knipsen auf den Trottoirs und Balkonen Fotos. Mitten im Rotlichtviertel heisst es für die Briten dann nur noch warten. «Six minutes 'til the firework», gibt der Kommandant durch. Es knallt, alle Pferde zucken vor Schreck zusammen, beruhigen sich dann aber bald wieder.

Eine stille Anspannung liegt in der Luft, bis es dann endlich so weit ist und die Pferde erhaben in Richtung Arena schreiten. Und auch wenn der offizielle Auftritt erst jetzt beginnt: die wenigen Minuten vor der Show sind mindestens so aufregend wie das eigentliche Spektakel.