Welch eine Hitze: Die einen freuts, die anderen kippen um. Bei über 35 Grad am Rheinufer einen Aperol Spritz oder ein Bier zu trinken, ist erfrischend. In der Tattoo-Arena auf dem Kasernenareal dagegen kann nicht jeder die Show von A bis Z geniessen. Unter der extremen Hitze leiden jeden Tag viele Zuschauer, und zwar bis zum Umfallen: Bis zu 30 Einsätze pro Vorstellungstag müssen die Sanitäter leisten. Findet das Tattoo zwei Mal statt – an einzelnen Tagen gibt es bereits um 17.30 Uhr eine Show –, sind es je nach dem mehr.

Ein Herzinfarkt und ein epileptischer Anfall sind zwei der schlimmeren Vorkommnisse der letzten Tage. Meistens kollabieren die Zuschauer, werden von den Sanitätern hinter den Kulissen versorgt und können die Vorstellung später zu Ende schauen, sagt Operation-Manager Daniel Uhlmann. Viele von den Kollabierenden sind ältere Menschen. «Die Jüngeren haben einen Schwächeanfall, weil sie schlecht vorbereitet sind, zu enge Kleidung oder keine Kopfbedeckung tragen.»

Bouillon für die Motorradbuben

Wer sich seine Kleidung jedoch nicht selber aussuchen kann, sind die Mitwirkenden an der Show. Die «Pipes and Drums» zum Beispiel tragen neben ihren schweren Kilts aus Wolle, den kniehohen Socken und den Bärenfellmützen noch ihren Dudelsack. Doch Uhlmann weiss, von den Teilnehmern habe bisher niemand Hitzeprobleme gehabt: «Zum Einen sind sich viele die Situation aufgrund ihrer Erfahrung und auch ihres Herkunftslandes gewohnt, unter anderem aus dem Oman. Zum anderen bekommen sie bis vor ihrem Auftritt genug zu trinken.» Und den Kleinsten der Motorfahrergruppe aus Schottland – die Jungs sind zwischen 6 und 16 Jahre alt – wird vor ihrem Einsatz zur Stärkung eine Bouillon-Suppe serviert.

Uhlmann und sein Sanitäterteam erleben diese hohen Temperaturen während der Tattoo-Woche nicht das erste Mal. 2013 stieg das Thermometer ebenfalls tagelang über 30 Grad. Sie sind also gewappnet. Früher spielten die Bands und Tänzer aus aller Welt sogar am Sonntag um 14 Uhr noch einmal. Diese Vorstellung fällt dieses Jahr weg.

Neuer Bodenbelag dämpft besser

Dass der neue Teer-Boden, über den die Musiker und Tänzer dieses Jahr zum ersten Mal marschieren und springen, die Arena noch mehr zum Kochen bringt, stimme nicht, stellt Daniel Uhlmann klar. Wurde bisher nämlich eine schwarze flüssige Schicht auf dem Kasernenbelag verteilt, damit dieser ein besseres Bild abgibt, hat man für die 10-Jahr-Jubiläums-Ausgabe Flies über den Boden gelegt und darauf geteert.

Für diese Methode haben sich die Verantwortlichen in erster Linie wegen der Motorradfahrer entschieden, führt Daniel Uhlmann aus. «Wir hatten Angst, dass der bisherige Boden nicht hält, wenn die Jungs Gas geben, oder der eine von ihnen gar über die Rampe springt.»

Eigentlich sei die Flies-Methode nur für dieses Jahr vorgesehen gewesen. Aber: «Die Bands geben uns ein positives Feedback. Der Boden dämpft gut. Es ist angenehmer, über ihn zu laufen. Und wenn es heiss wird, klebt er nicht so, wie der bisherige.» Es wird nun geprüft, ob der Flies-Belag für die kommenden Jahre eingeführt wird. Um ihn vom Kasernenplatz zu lösen, kann man ihn einfach abtragen.