Pauken und Trompeten würden gut zu einem Militärmusikfestival passen, doch die Debatte um das Basler Tattoo des Jahres 2012 hatte am Dienstag vor dem Basler Appellationsgericht eher den Beigeschmack von kaltem Kaffee: Die Kasernen-Anwohner erhielten zusammen mit der Baurekurskommission nachträglich Recht, und dem Tattoo kam man bei den Kosten ein wenig entgegen - denn Schuld an der verfahrenen Situation war hauptsächlich der Kanton wegen der unklaren Zuständigkeiten. Da inzwischen das gesamte Bewilligungsverfahren angepasst worden ist, ging es nur noch um eine Bereinigung von Altlasten sowie ums Geld.

Konkret stützte das Gericht die Baurekurskommission: Gerichtspräsident Stephan Wullschleger betonte, es gehe nicht nur darum, welche Tribünen gebaut und wo die Toilettenhäuschen hingestellt werden, sondern die Behörden müssten die gesamten räumlichen Auswirkungen der Veranstaltung wie etwa auch die Besucherströme überprüfen. Das sei vom Bundesrecht so vorgegeben. «Deshalb ist klar, dass gerade eine jährlich wiederkehrende Veranstaltung wie das Tattoo in diesem Umfang eine Baubewilligung braucht. Es geht auch darum, die Anliegen der Nachbarn zu überprüfen.»

Das Gericht betonte auch, dass die Anwohner zur Beschwerde legitimiert seien: «Eine Sichtverbindung zur Veranstaltung ist nicht notwendig, es reicht, wenn man aufgrund der Nähe des Wohnortes täglich betroffen ist. Dies ist hier bei allen Rekurrenten der Fall», so Wullschleger.

Der Anwohner-Verein war bereits früher aus dem Verfahren ausgeschieden, weil er nicht beschwerdeberechtigt war. Da die Einsprecher alle direkt an der Kasernenstrasse oder am Klingentalgraben wohnen, wurde aus dem Entscheid nicht klar, wie weit der Kreis der Einspracheberechtigten künftig zu ziehen sein wird.

60 Prozent der Gerichtskosten

Bei den Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens hingegen kam das Gericht dem Tattoo entgegen: Tatsächlich hätten nicht die Veranstalter darauf gepocht, dass sie die Bewilligung faktisch von einer nicht zuständigen Behörde wollten, sondern das Verfahren habe der jahrelangen Praxis des Kantons entsprochen. Das Tattoo muss rund 60 Prozent der Gerichtskosten übernehmen, der Rest geht zu Lasten des Staates. Dabei handelt es sich allerdings um wenige tausend Franken.

Tattoo-Produzent Erik Juillard wollte sich nach dem Richterspruch nicht zum Thema äussern. Vertreten wurde er vor Gericht durch seinen Vater Thierry Juillard: Dieser warf den Einsprechern vor, sie hätten nie genau gesagt, was sie am Tattoo störe, daher sei ihre besondere Betroffenheit und damit auch ihre Legitimation zur Einsprache nicht belegt. «Hätte das Tattoo die Lautstärke oder die Anzahl der Zuschauer reduzieren sollen?», fragte er. Die Geschichte mit dem Rasen sei erst vor der Baurekurskommission vorgebracht worden. Seiner Meinung nach sei die Nutzungsbewilligung per 2012 zu Recht erteilt worden. «Es handelt sich um eine 11-seitige Bewilligung nach der Prüfung durch zehn Fachstellen. Das ist gleichwertig mit einer Baubewilligung», argumentierte Juillerat.

Mit dem aktuell vorgesehenen Verfahren und damit mit dem Tattoo 2014 befasste sich das Gericht nicht. Ob der Streit in die nächste Runde geht, wird sich daher noch zeigen.