Tattoos sind traditionsbewusste Veranstaltungen. Seit jeher, so heisst es, unterstützen die massentauglichen Zapfenstreiche karitative Einrichtungen. So auch das Basel Tattoo, das zu diesem Zweck im Juni 2010 die Stiftung Basel Tattoo Charity ins Leben gerufen hat. Bereits 297000 Franken habe die Stiftung mittlerweile ihrem Zweck zugeführt, sagt Dominik Nyffenegger, Marketingleiter des Tattoo auf Anfrage des «Sonntags».

Prominent überreichte Erik Julliard etwa anlässlich der letztjährigen Hauptprobe dem Alt-Wehrminister Adolf Ogi einen Check über 22500 Franken zugunsten der Stiftung Swisscor, die sich um Kinder aus Krisen- und Konfliktregionen kümmert. Ogi gilt als der grosse Förderer der Schweizer Militärmusik. Im Stiftungsrat der Basel Tattoo Charity sitzt Alt-Oberst Robert Grob, bis 2009 oberster Militärmusiker der Schweizer Armee. Man kennt sich.

Förderung des Militärmusikwesens

Einen Rechenschaftsbericht, wohin das Stiftungsgeld gesamthaft fliesst, gibt es keinen. Denn das Basel Tattoo ist eine private Veranstaltung. Öffentlich ist nur der Raum, in dem sie stattfindet.

Zweck der Stiftung ist primär die «Unterstützung von gemeinnützigen Organisationen oder gemeinnütziger Projekte zur Förderung des Militärmusikwesens». Sie kann aber auch «in der Jugendförderung und Ausbildung tätige Institutionen» unterstützen. Dieser Nebenzweck deckt statutarisch ab, dass die Basel Tattoo Charity unbürokratisch auch Kaserne-Anrainer mit Beiträgen beglücken kann. Dem «Sonntag» sind drei Organisationen bekannt, die Gelder erhalten haben – ohne zuvor ein Gesuch gestellt zu haben. Dies ist insofern pikant, als dass die Kaserne-Anrainer in der Regel ein distanziertes Verhältnis zur friedlichen Military-Veranstaltung pflegen.

Die Stiftung wird massgeblich mit Mitteln gespeist, die als «formelle» Abgeltung von Leistungen der Armee für das Basel Tattoo bezeichnet werden. Die Armee verzichtet darauf, für ihre personelle und logistische Unterstützung Rechnung zu stellen. Im Gegenzug hat sich das Basel Tattoo verpflichtet, einen fünfstelligen Betrag für karitative Zwecke bereitzustellen. In der ersten Vereinbarung zwischen VBS und Basel Tattoo lag der Betrag bei jährlich 50000 Franken. In der Anfang Mai bis Ende 2017 erneuerten Vereinbarung ist der Betrag auf 80000 Franken erhöht worden, wie das VBS auf Anfrage erklärt.

Hochranginge Militärmusikformationen

Produzent Erik Julliard bestätigt die Beträge. Das Basel Tattoo habe jedoch immer mehr als nur den Mindestbetrag in die steuerbefreite Stiftung eingebracht. Auch die Erhöhung des Beitrags sei auf seine Initiative in die Vereinbarung aufgenommen worden. Julliard begründet die Zahlung auch als vorsorgliche Massnahme: Wenn Parlamentarier eines Tages die Armee-Leistungen für den privaten Anlass infrage stellen würden, so sei diese Form der Abgeltung ein gutes Argument. Denn: Bei der Lauberhorn-Abfahrt erbringe die Armee etwa eine viel grössere Leistung, ohne dass in irgendeiner Form Geld zurückfliesse.

Die Militär-Allianz ist für das Basel Tattoo von entscheidender Bedeutung. Nicht wegen dem Frondienst der Soldaten etwa beim Aufbau der Tribünen. Diese Arbeitsleistung könnte gemäss Julliard auf dem freien Markt für geschätzte 120000 Franken eingekauft werden. Wichtiger ist die mit der Vereinbarung verbundene «Schirmherrschaft» des Militärdepartments.

Dank dem offiziösen Status öffnen sich dem Basel Tattoo Türen. Das VBS-Patronat ermögliche den Zugang zu hochrangigen Militärmusikformationen, die als offizielle Repräsentationsorchester etwa bei Staatsbesuchen auf Flughäfen am Rand der roten Teppiche die Landeshymnen blasen. Der Nutzen ist durchaus gegenseitig: Die Partnerschaft leiste einen Beitrag zur «guten Beziehung zwischen Armee, Politik, Wirtschaft und Bevölkerung.»

Umsatz wächst

Organisiert ist die Mammutveranstaltung auf dem Kasernenareal von der Basel Tattoo Productions, einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung und einem Kapital von 40000 Franken. Das Gesellschaftskapital stammt zu 70 Prozent vom Tattoo-Initianten Erik Julliard, den Rest tragen hälftig seine Partner Christoph Hagenbach und Thomas Stauffer bei. Revidiert wird die GmbH in Stans.

2007 hat Julliard im steuergünstigen Feusisberg eine SUT AG gegründet. Ein Jahr später holte er Hagenbach und Stauffer ins Boot und zügelte die Firma nach Reinach. Seit 2011 heisst die SUT nun Basel Tattoo AG mit Sitz in Basel. Julliard sagt, die AG gehöre ihm zu hundert Prozent und sei als Holdinggesellschaft gedacht. Dies etwa für die in Lörrach domizilierte Berlin Tattoo Productions GmbH. Dessen Berlin Tattoo hatte im vergangenen Jahr 22000 Besucher gelockt. Im November soll es zur Zweitauflage kommen – allerdings findet gleichzeitig ein weiteres «Berlin Tattoo» eines anderen Veranstalters statt.

Über den Geschäftserfolg macht Julliard keine Angaben. Weder zum Berlin Tattoo noch zu Basel Tattoo. Nur zum Umsatz. Und da wächst das Basel Tattoo. Lag das Budget 2010 bei 8,5 und im Vorjahr bei 10,5 Millionen, so liegt es 2012 gemäss Marketingchef Nyffenegger bereits bei 15,5 Millionen Franken.