Masseneinwanderung
Basel Tourismus stört sich an SVP-Plakaten

Die SVP-Plakate im Basler Bahnhof sind Basel Tourismus ein Dorn im Auge. Die Basler Touristiker fürchten ums Image der Stadt wegen der vielen SVP-Aushänger. Am Zürcher Hauptbahnhof haben die SBB auf Klagen inzwischen reagiert.

Moritz Kaufmann
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bz Basellandschaftliche Zeitung

Am Bahnhof SBB kommen täglich Touristen aus Paris, Berlin oder Kopenhagen an - und sehen als Erstes ein Wahlplakat der SVP. Das kommt bei Basel Tourismus nicht gut an. So sagt Christoph Bosshardt, Vizedirektor von Basel Tourismus: «Die SVP-Plakate in den Bahnhöfen sind nicht die Willkommensbotschaft, die wir uns wünschen würden.»

Er sei selber vor zwei Tagen am Basler Bahnhof ausgestiegen und wegen eines solchen Plakats erschrocken. Dagegen vorgehen könne Basel Tourismus allerdings nicht: «Letztlich haben die SBB die Hoheit über die Plakatfläche.» Dass Präsenz der SVP an den Bahnhöfen stört auch Georg Kreis, Präsident der Antirassismus-Kommission: «Ich bekunde Mühe damit, dass die SBB die Masseneinwanderungsplakate der SVP gross in den Bahnhöfen aufhängen lassen», sagte er jüngst in einem Interview mit der bz.

SBB haben in Zürich reagiert

Nun schränken die SBB die Werbepräsenz der SVP tatsächlich ein. Allerdings nicht wegen der Masseneinwanderungssujets und vorerst auch nur in Zürich. Der Grund: «In Zürich hatten wir extrem viele Reklamationen von Bahnkunden wegen der hohen SVP-Präsenz», erklärt SBB-Kommunikationschef Stefan Nünlist.

In Basel habe es deswegen viel weniger Reklamationen gegeben. Die SBB haben die Impacta AG, welche die Werbeflächen in den Bahnhöfen vertreibt, dazu aufgefordert, in Zukunft nicht mehr als 50 Prozent der Werbefläche in einem Bahnhof einer einzigen Partei zu überlassen.

Diese Limitierung gilt für alle SBB-Bahnhöfe - notabene auch für denjenigen in Basel. «Wir wollen nicht, dass ein Passagier das Gefühl hat, er sei an einer Parteiveranstaltung,» so Nünlist, «er muss auch noch andere Botschaften sehen.» Gezielt die SVP-Plakate zu reduzieren, wie sie das in Zürich veranlasst haben, wollen die SBB in Basel indes nicht.

«Sind an allen Bahnhöfen präsent»

Das Interessante an der Angelegenheit ist, dass die SVP in Basel keine andere Werbestrategie fährt als in Zürich . Das bestätigt Kampagnenleiterin Silvia Bär vom SVP-Generalsekretariat in Bern: «Wir sind überall an den Bahnhöfen sehr gut präsent.» Weshalb der Ärger über die SVP-Plakate nur in Zürich so gross ist, kann sie sich auch nicht erklären. Sie könne nur mutmassen, dass der Bahnhof in Zürich übersichtlicher sei und deshalb auch die Werbepräsenz besser wahrgenommen werde. Aber: «Es ist inakzeptabel, dass die SBB eine laufende Kampagne auf diese Weise zensurieren.»

Dass die Basler generell SVP-freundlicher seien als die Zürcher und sich weniger über die Plakate beschweren, glaubt SVP-Nationalrat Sebastian Frehner nicht. «Vielleicht sind die SBB in Basel SVP-freundlicher,» sagt er im Scherz. Es sei ein grosses Problem, dass die SVP-Plakate regelmässig abgerissen und verschmiert werden. «Wir machen regelmässig Kontrollgänge und informieren die APG.»