Tram 8
Basel und Weil sind über die Grenze hinweg verschweisst

Der Verlängerung des Basler 8er-Trams nach Weil am Rhein steht zumindest schienentechnisch nichts mehr im Weg. Die letzte Gleislücke wurde im Beisein von Baudirektor Hans-Peter Wessels und Weil-Oberbürgermeister Wolfgang Dietz geschlossen.

Pascale Hofmeier
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Rede des BVB-Direktor Jürg Baumgartner
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Rede von Wolfgang Dietz, Oberbürgermeister von Weil am Rhein
Rede des Basler Regierungsrats Hans-Peter Wessels
Tramlinie 8: Zusammenschluss der Schienen in Weil-Friedlingen
Die neue Tramlinie und der neue Grenzübergang Basel-Hiltalingerstrasse/Weil-Friedlingen

Rede des BVB-Direktor Jürg Baumgartner

Kenneth Nars

Flammen zischen aus der Gussform, die die letzte Lücke in der grenzübergreifenden Tramlinie 8 umfasst. Acht Minuten lang, bis das Eisen auf 1200 Grad erhitzt ist. Dann folgt ein sehr fotogener Effekt, der den historischen Moment gestern perfekt in Szene setzte: Ein Funkenregen schiesst aus dem Eimer, den ein Gleisarbeiter auf die Naht gestellt und dessen Inhalt er entzündet hat.

Sobald die Mischung heiss genug ist, löst sich ein Zapfen im Kesselboden, die glühende Masse fliesst in den rund zwei Zentimeter grossen Abstand zwischen den Schienenstücken der Tramlinie 8 am Grenzübergang Basel-Weil am Rhein-Friedlingen und verschweisst die Abschnitte beider Länder.

Alle anderen Gleisstücke der 2,8 Kilometer langen Tramverlängerung wurden und werden, weit weniger präsentabel, elektrisch verschweisst. Bis Ende 2014 soll die Linie ihren Betrieb aufnehmen. Ursprünglich war 2012 angestrebt.

Symbolische Verbindung

Die historische Dimension der Tramverlängerung nach Deutschland betonte Jürg Baumgartner, Direktor der Basler Verkehrsbetriebe: «Grenzverkehr gab es schon immer.» Früher hätten Pferdefuhrwerke die Grenze passiert, heute seien es Autos. Die Kolonne, die sich täglich über die Grenze wälzt, soll durch die verlängerte Tramlinie 8 kürzer werden.

Diesen Aspekt betonte Wolfgang Dietz, Oberbürgermeister von Weil am Rhein. Die «Strassenbahn» werde praktisches, zukunftsfähiges und ökologisches Transportmittel. Er brachte die Symbolik des Verschweissens auf den Punkt – zuletzt mit einem Augenzwinkern: Die Verbindung entstehe «am Berührungspunkt zweier Städte, an der Nahtstelle zweier Länder, am Grenzübergang zwischen «der Europäischen Union und dem Ausland – also der Schweiz.»

Brücke wird ab Juni betoniert

Der Bau der Friedensbrücke, die die Gleise der Deutschen Bahn beim Weiler Bahnhof überquert und zu Verzögerungen geführt hat, gehe voran, sagte Dietz weiter. «Ab Juni wird betoniert.»

Der Basler Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels zeigte sich erfreut, dass die Verbindung der Städte Basel und Weil am Rhein einen «adäquaten Ausdruck» bekomme: «Es geht nicht darum, den Einkaufstourismus nach Weil am Rhein zu erleichtern. Es geht darum, den gemeinsamen Lebensraum mit einem leistungsfähigen öffentlichen Verkehr zu verbinden.»

«Normalität» wieder hergestellt

Mit dem Zusammenschluss entstehe die erste grenzüberschreitende Tramlinie Europas seit dem Ersten Weltkrieg, sagte Wessels. Vorher gab es drei solcher Linien: eine nach St. Louis, eine nach Huningue und eine nach Lörrach.

In einer historischen Perspektive, so Wessels, müsse man sich bewusst sein, dass nun ein Zustand wieder hergestellt werde, der zuvor Normalität war.