Klimaerwärmung

Basel verzeichnet sechstwärmsten Dezember seit 1864

Auf dem Feldberg im Schwarzwald, dem am nächsten gelegenen Skigebiet, ist Skifahren zurzeit total unmöglich.

Auf dem Feldberg im Schwarzwald, dem am nächsten gelegenen Skigebiet, ist Skifahren zurzeit total unmöglich.

Kommt der Klimavertrag von Paris zu spät? Der Dezember 2015 ist in Basel der sechstwärmste von insgesamt 151 gemessenen Dezembern seit 1864. Schuld ist die Klimaerwärmung. Auch der Feldberg im Schwarzwald spürt das: Skifahren ist unmöglich.

Weiss wie im Klischee wird Weihnachten dieses Jahr sicher nicht. Dafür ist es zu warm. Vor allem in Basel, das im Gegensatz zum Mittelland wie gewohnt von der kalten Nebelbrühe verschont bleibt. Nur schon letzten Samstag war es in Basel 10,1 Grad warm und in Rünenberg im Oberbaselbiet sogar 12,3 Grad – im Schatten. An der Sonne fühlt sich die Luft in der Region Basel an, als wäre noch immer Altweibersommer. Das freut die erklärten Feinde der kalten Jahreszeit, hat aber handfeste Auswirkungen auf Umwelt und Wirtschaft.

Ins Auge stechen aktuelle Luftaufnahmen vom Feldberg im Schwarzwald: Weil der Schnee fehlt, ist dort Wandern statt Skifahren angesagt.

Die Stadtgärtnerei des Kantons Basel-Stadt macht sich wegen des ausbleibenden Niederschlags Sorgen: «Die Bäume haben schon seit Sommer mit der grossen Trockenheit zu kämpfen», sagt Yvonne Aellen, Leiterin Grünflächenunterhalt bei der Stadtgärtnerei. «Um für die Bäume den fehlenden Niederschlag auszugleichen, müsste es etwa zwei Wochen lang regnen.» Besonders betroffen sind Nadelhölzer.

Die Folgen werde man aber erst in den nächsten Jahren sehen. «Höchstwahrscheinlich werden Pilzbefall und Totholzanteil zunehmen. Und als direkte Folge werden die Bäume 2016 wohl kleinere Blätter austreiben», sagt Yvonne Aellen von der Stadtgärtnerei.

Im grossen Stil alle Basler Bäume zu bewässern, wäre ein zu grosser Aufwand und bei den meisten Bäumen unmöglich: Jeder einzelne Baum würde mehrere hundert Liter benötigen. Stattdessen setzt die Stadtgärtnerei bei Neubepflanzungen auf Arten, die weniger Wasser brauchen: So zum Beispiel Steineichen an der Münchensteiner-strasse oder Hopfenbuchen am Luzernerring. Diese Pflanzen kommen auf der Alpennordseite eigentlich nicht vor, ertragen aber unser Klima und sind sich lange Trockenperioden gewohnt.

Regen ist besser als Schnee

Insgeheim hofft die Stadtgärtnerei auf Regen statt Schnee: «Schneit es, wird Salz gestreut, was den Stress der Bäume zusätzlich erhöhen würde. Denn das Salz im Boden wirkt für Bäume giftig und verschlechtert ihre Wasseraufnahmefähigkeit», sagt Aellen. Für die Stadtgärtnerei habe der warme Winter nur einen Vorteil: «Unsere Mitarbeiter können im T-Shirt arbeiten.»

Auch die Landwirte haben mit der Trockenheit und der Wärme zu kämpfen: «Der Ertrag aus dem Futterbau war dieses Jahr sehr klein. Der Graswuchs fehlte, viele Bauern mussten sich mit zugekauftem Futter nachhelfen», sagt Stefan Weber vom Landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain in Sissach.

Einige Landwirte hätten zudem bereits jetzt statt im Frühling ihre Viehbestände verkleinert. «Die Schlachtpreise sind zurzeit ziemlich gut, und so müssen die Landwirte weniger Tiere überwintern», sagt Stefan Weber.

Die Bauern sorgen sich vor allem um Bäume mit tiefen Wurzeln, zum Beispiel Kirschen- und Zwetschgenbäume. Immerhin lohnt sich die künstliche Bewässerung bei Obstbaumkulturen und Gemüsefeldern noch – bei Ackerkulturen wie Mais und Getreide ist Bewässerung hingegen unwirtschaftlich. «Um einen richtigen Niederschlag von 30 Millimetern zu simulieren, bräuchte man 300 Kubikmeter Wasser pro Hektare», sagt der Landwirtschaftsexperte Stefan Weber. Die Bauern müssen umdenken: Sie legen Wasserspeicherteiche und zusätzliche Leitungen an – vor allem jene Bauern, die bisher auf Quellwasser setzten. Denn die Erträge von Wasserquellen nehmen im Baselbiet ab. Auch Schädlinge sind ein Thema: Kirschessigfliegen und Mäuse mögen warme Winter und könnten sich stärker vermehren als in früheren Jahren.

Trend seit den 80ern feststellbar

Die Trockenheit und Wärme gehören mittlerweile zur Normalität. «Die Klimaveränderung hat stattgefunden, das sieht man unter anderem an den warmen Wintern. Man darf die jetzige Wärme nicht als Einzelereignis abtun», sagt der Klimatologe Stephan Bader von Meteo Schweiz. Die viel wärmeren Winter seien seit Ende der 1980er-Jahre regelmässig festzustellen.

Die Stromproduktion des Laufwasserkraftwerks Birsfelden liegt immer noch 30 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt, wie die Industriellen Werke Basel auf Anfrage bestätigen. Und die Öltanker bringen weiterhin weniger als die Hälfte der normalen Ölmenge pro Tanker nach Basel, da der Rheinpegel immer noch sehr tief ist – halb so tief wie im Durchschnitt.

Die Schifffahrt hofft auf Niederschlag: «Regnet es, erhöht sich der Rheinpegel sofort. Für die Ölverkäufe wäre hingegen Schnee besser, weil die Leute dann mehr heizen», sagt André Auderset, Geschäftsführer der Schweizer Vereinigung für Schifffahrt und Hafenwirtschaft. Und Ueli Bamert, Geschäftsführer von Swissoil, bestätigt auf Anfrage, dass der Heizölabsatz im Herbst leicht unter Vorjahresniveau lag – weil die Kunden ihre Tanks bereits vor dem Herbst füllten.

Weil das Wasser weniger verdünnt ist, nimmt im Rhein die Schadstoffkonzentration pro Liter Wasser zu. Das Amt für Umwelt Basel-Stadt gibt aber Entwarnung: Vom Fischgift Ammonium habe es derzeit 0,04 Milligramm pro Liter im Wasser – das ist ein Zehntel des erlaubten Maximums.

Stimmen die Prognosen, resultiert im Dezember eine durchschnittliche Monatstemperatur von 5,5 Grad. Gemäss den Messwerten von Meteo Schweiz wäre das der sechstwärmste Dezember in Basel seit Messbeginn im Jahr 1864. Eine Abkühlung ist zurzeit nicht in Sicht.

An Weihnachten wird es 13 Grad

Denn am 24. Dezember gibts laut Meteo Schweiz mildes Wetter: Am Nachmittag werden bis 13 Grad erreicht, in der Nacht mindestens sechs Grad.

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