Bau 2

Basel wächst weiter: Der zweite Roche-Turm hat die Hälfte erreicht, doch Ruhe gibts auch nach Fertigstellung nicht

Anfang Februar 104 Meter hoch: Die Baustelle von Roche-Bau 2.

Anfang Februar 104 Meter hoch: Die Baustelle von Roche-Bau 2.

Die erste Hälfte ist bereits geschafft. Der Roche-Turm namens Bau 2 wird das höchste Gebäude der Schweiz. Ruhe kehrt nach Fertigstellung nicht ein.

Diese Baustelle setzt neue Massstäbe. Am Roche-Hauptsitz an der Grenzacherstrasse entsteht das mit 205 Metern Gesamthöhe grösste Hochhaus der Schweiz mit dem bescheidenen Namen Bau 2. Eine stadtweite Sensation ist das im Vergleich zum zurzeit noch prominenteren Bau 1 aber nicht mehr. Roche hat das Stadtbild mit seinem ersten, 178 Meter hohen Turm, bereits nachhaltig verändert. So nachhaltig, dass der in der Erscheinung sogar etwas schlankere Bau 2 den Anblick zwar ergänzen, aber nur bedingt verändern wird. Dennoch werden die meisten Postkarten ab Fertigstellung Ende 2022 überarbeitet werden müssen. Erst dann ist das Ensemble der Basler Architekten Herzog & de Meuron komplett.

Wie das aussieht, lässt sich langsam auch ohne Fantasie erahnen. Bau 2 hat Ende 2019 bereits eine Höhe von 100 Metern erreicht. Anfang Februar werden vier Meter dazugekommen sein, womit die Hälfte des rund 550 Millionen Franken teuren Neubaus geschafft ist. Insgesamt entstehen im Bau 2 rund 3000 Arbeitsplätze. Im dannzumal etwas niedrigeren Bau 1 befinden sich 2000 Arbeitsplätze.

Das eigentliche Juwel befindet sich am Fuss des Turms

Trotz Höhe und Volumen muss der Bau allerdings mit der Nummer 2 auskommen. Das eigentliche Juwel des Areals nördlich der Grenzacherstrasse ist das Forschungs- und Entwicklungszentrum, das sich ebenfalls in Bau befindet. Dieses soll weitere 1750 Arbeitsplätze fassen.

Dessen Kosten fallen mit rund 1,2 Milliarden Franken mehr als doppelt so teuer aus als der Bau des grössten Schweizer Hochhauses. Auch fürs Zentrum sind allerdings hohe Gebäude vorgesehen. So entstehen zwei weitere Hochhäuser. Das höchste der zwei wird mit einer Höhe von 114 Metern allerdings nur die Hälfte von Bau 2 erreichen und im Anblick der zwei Giganten geradezu verschwinden.

Mit den insgesamt 6750 neuen Arbeitsplätzen, die allein mit den Bauten 1 und 2 sowie dem Forschungs- und Entwicklungszentrum entstehen, baut sich Roche einen Campus der Superlative. Und es geht noch weiter: Im November hat Roche die Bebauungspläne für das Areal südlich der Grenzacherstrasse bekannt gegeben. Die alten weissen Bauten und das Hochhaus aus den 1950er-Jahren sollen verschwinden und durch neue Hochhäuser und einen Park ersetzt werden.

Roche löste allein 2019 drei Stadt-Liegenschaften auf

Das hat weitere Folgen für die Stadt. Wo Roche bislang quer über Basel verteilt Arbeitsplätze zugemietet hatte, stehen nun Flächen leer. Bereits 2019 löste Roche drei Liegenschaften in der Stadt auf, um die Mitarbeiter in den Büros an der Grenzacherstrasse unterzubringen, wie Unternehmenssprecher Karsten Kleine bestätigt. Mit der Eröffnung der zurzeit in Bau befindlichen Bauten 8 und 11 sollen ab 2021 weitere Mitarbeiter aufs Areal geholt werden können. Standortleiter Jürg Erismann gab anlässlich der Pläne für die Erneuerung des Südareals bekannt, dass Roche nur noch an den Bürogebäuden entlang der Viaduktstrasse beim Bahnhof SBB interessiert sei. Alle weiteren Liegenschaften werden zugunsten des sich im Bau befindlichen Campus im Kleinbasel geräumt.

Ruhe wird im Quartier über längere Zeit also kaum einkehren. Den Abriss und Neubau des Südareals setzt Roche bereits auf die Jahre 2024/25 an. Wie viel der Konzern dafür zu investieren gedenkt, ist noch offen. Klar ist allerdings, dass allein für den Rückbau und die Entsorgung 100 Millionen Franken veranschlagt werden. Sofern überhaupt alles abgerissen werden darf: Zurzeit befindet sich ein Antrag des Denkmalrats zur Unterschutzstellung dreier Gebäude bei der Basler Regierung in Prüfung. Roche allerdings machte bereits deutlich, dass kein Interesse am Erhalt der alten Infrastruktur besteht.

In der Bevölkerung ist das Interesse an der grössten Baustelle des Kantons gross. Wie Konzernsprecher Kleine sagt, befinde man sich «ständig in intensivem Austausch mit der Nachbarschaft». Allein die Serie von Info-Veranstaltungen zum Umbau des Südareals von Anfang Dezember hätten rund 500 Personen aus der direkten Nachbarschaft besucht.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1