Basel wächst
Zuwachs vor allem im Kleinbasel erwartet: Basel rechnet mit Bevölkerungsanstieg um elf Prozent bis 2045

Das Bevölkerungswachstum im Kanton Basel-Stadt setzt sich gemäss dem aktuellen Mittleren Bevölkerungsszenario in den nächsten Jahren fort, wie das Statistische Amt mitteilt. Bis ins Jahr 2045 werde mit rund 224'000 Einwohnern gerechnet.

bz
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Die Basler Bevölkerung wird weiter wachsen.

Die Basler Bevölkerung wird weiter wachsen.

Roland Schmid / BLZ

Im Rahmen der kantonalen Bevölkerungsszenarien hat das Statistische Amt Basel-Stadt drei Szenarien gerechnet, die einen plausiblen Bereich der möglichen zukünftigen Bevölkerungsentwicklung abdecken. Die zugrundeliegenden Hypothesen würden jeweils mit Fachleuten aus allen sieben Departementen des Kantons Basel-Stadt erarbeitet, wie das Amt am Mittwoch schreibt. Die aktualisierten Szenarien 2021 blicken erstmals bis ins Jahr 2045. Das Mittlere Szenario stelle dabei das Referenzszenario dar, welches für Planungen im Stadtkanton aus heutiger Sicht am geeignetsten erscheine.

Die Bevölkerungsentwicklung im Kanton Basel-Stadt: Mittleres Szenario

Gemäss dem Mittleren Szenario werde der Kanton Basel-Stadt in den nächsten 25 Jahren stetig an Einwohnern zunehmen. Bis ins Jahr 2045 betrage der Bevölkerungsanstieg elf Prozent oder 22'000 Einwohner. «Dieser Entwicklung liegt die Annahme zugrunde, dass Basel-Stadt als Wohn- und Arbeitskanton weiterhin attraktiv bleibt und somit eine entsprechende Nachfrage nach Wohnraum besteht», teilt das Statistische Amt mit. Die Bautätigkeit sei vor allem im Wahlkreis Kleinbasel erheblich. Mit ungefähr knapp 12'000 zusätzlichen Einwohnern zieht das Kleinbasel rund die Hälfte der zusätzlichen Bevölkerung bis 2045 an. Die Bevölkerung von Grossbasel-Ost und Grossbasel-West wächst im Mittleren Szenario um rund zehn Prozent bzw. fünf Prozent bis 2045. In Riehen und Bettingen werde bis 2045 mit einem Wachstum der Bevölkerung von rund 10 Prozent gerechnet.

Die demografische Alterung schreitet aufgrund der steigenden Lebenserwartung und des Eintritts von geburtenstarken Jahrgängen ins Rentenalter weiter voran. Die Bevölkerung ab 80 Jahren wächst bis ins Jahr 2045 deutlich von heute 13'000 auf rund 18'000 Personen. Auch in der Gruppe ab 65 Jahren ist ein klarer Anstieg von 39'000 auf rund 46'000 Personen zu erwarten. Die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter zwischen 20 und 64 Jahren wächst von heute 128'000 auf 139'000 im Jahr 2045. Damit erhöht sich der Altersquotient, also das Verhältnis der Personen im Alter von 65 und mehr Jahren pro 100 Personen im erwerbsfähigen Alter, von 30 im Jahr 2020 auf 33 im Jahr 2045.

Alternative Szenarien

Neben dem Mittleren Szenario werden zwei weitere Szenarien berechnet, ein Hohes sowie ein Tiefes Szenario.

Im Tiefen Szenario wird mit einer geringen Wohnbautätigkeit und einer abnehmenden internationalen Zuwanderung gerechnet.

Im Hohen Szenario wird hingegen von einer hohen Bautätigkeit und hohen internationalen Wanderungsgewinnen ausgegangen.

Im Tiefen Szenario sinkt gemäss Statistischem Amt die Bevölkerung bis 2045 auf rund 191'000 Personen – ein Minus von etwa fünf Prozent im Vergleich zu 2020. Im Hohen Szenario wächst die Bevölkerung bis 2045 um 29 Prozent oder 58'000 Personen auf rund 260'000 Personen.

Einfluss von COVID-19 auf die Bevölkerungsszenarien

COVID-19 kann einen Einfluss auf die zur Berechnung der Szenarien benötigten Parameter haben, und damit sowohl Grösse als auch Zusammensetzung der künftigen Bevölkerung beeinflussen. Auch ein Jahr nach Pandemiebeginn sind die mittel- und langfristigen Folgen der Pandemie schwer abschätzbar. Zumindest die kurzfristigen Folgen der Pandemie können in der Zwischenzeit etwas besser eingeschätzt werden.

Bei vielen für die Szenarien wichtigen Grössen wie den Geburten, den Migrationsströmen, der Bautätigkeit, dem Wohnungsleerstand und dem Wohnflächenverbrauch sei bisher noch keine derart grosse Abweichung zu beobachten, dass die Hypothesen der Bevölkerungsszenarien in Frage gestellt werden müssten. Bei den Sterbefällen seien in den beiden bisherigen Corona-Wellen Perioden mit deutlich erhöhter Sterblichkeit auszumachen; auf das ganze Jahr 2020 betrachtet sei die Sterblichkeit im Vergleich zu den letzten Jahren allerdings nur geringfügig gestiegen.

Durch die Pandemie möglicherweise ausgelöste Veränderungen der Bevölkerungszahl oder der Bevölkerungsstruktur würden auch ohne explizite Berücksichtigung von COVID-19 durch die drei verschiedenen Szenarien abgebildet, bspw. mit je nach Szenario unterschiedlichen Sterbe- oder Geburtenraten. Weiter bildet gemäss Statistischem Amt das Tiefe Szenario einen Entwicklungspfad ab, in welchem aufgrund der vermehrten Heimarbeit die Attraktivität von Kernstädten als Wohnort abnimmt, da grössere Pendlerstrecken in Kauf genommen werden. «Das Statistische Amt und die begleitende Gruppe von Fachleuten ordnen dem Tiefen Szenario mittel- und langfristig im Vergleich zum Mittleren Szenario allerdings eine tiefe Eintrittswahrscheinlichkeit zu», wie sie mitteilen. Zum jetzigen Zeitpunkt gebe es keine klaren Hinweise darauf, dass sich Basel-Stadt durch die Pandemie in Richtung dieses Szenarios bewege.