Die Eisenbahn war für Basel ein Tor hinaus in die Welt. Was nach einer Metapher klingt, ist für einmal wortwörtlich gemeint. 1845 entstand in Basel der erste Schweizer Bahnhof. Dieser verband Basel nicht mit dem Rest der Schweiz, sondern war der Anschluss an das elsässische Bahnnetz.

Um dies möglich zu machen, mussten aber zuerst Steine aus dem Weg geräumt werden. Eigens für den neuen französischen Bahnhof im St. Johann wurde die Stadtmauer aufgebrochen und ein Tor gebaut, durch das die Züge 15 Jahre lang in die Stadt fuhren. «Mit Volldampf nach Basel. Der erste Schweizer Bahnhof verändert die Schweiz», so heisst die neueste Ausstellung des Museums Kleines Klingental am unteren Rheinweg. Die Ausstellung bringt dem Besucher die Eisenbahngeschichte näher, gespickt mit Anekdoten.

Das Eisenbahntor öffnete Basel. Der Schutz vor Feinden wollte die Stadt dennoch nicht aufgeben. So verriegelte man nachts das Tor mit einem Eisengitter und baute die Eisenbahnbrücke, die über den Rhein führte, aus Holz. Bei Kriegsfall hätte man sie niedergebrannt, um den Zugang zur Stadt zu erschweren. Zuerst war auch eine symbolische Abschreckung geplant. Die Statue eines Eidgenossen sollte die Spitze des Tores zieren und die Grenze zur Schweiz unterstreichen. Diese Idee wurde schliesslich nicht umgesetzt.

Ausstellung für Pufferküsser

Die Ausstellung im Kleines Klingental beleuchtet vor allem die Zeit zwischen 1845 bis 1860. In Bahnhöfen ausgedrückt: Vom alten französischen Bahnhofs, bis zur Fertigstellung des ersten Basler Centralbahnhofs. Ausgestellt sind geschichtliche Dokumente, wie Souvenirs von damals, aber vor allem Karten, Illustrationen und Modelle. Sie sollen den Besuchern die Eisenbahnwelt des 19. Jahrhunderts bildlich vor Augen führen. «Die Ausstellung öffnet das Museum auch für eine neue Zielgruppe», sagt der Kurator der Ausstellung Eduard Belser. «Die sogenannten Pufferküsser, Liebhaber von Dampflokomotiven», sagt er scherzhaft. Der ehemalige Kurator des Basler Kutschenmuseums ist selber ein grosser Fan und Experte von allem mit vier Rädern.

Für Pufferküsser ist das Lokrennen bei Rainhill ein Begriff. 1829 wollten englische Eisenbahngesellschaften im sportlichen Wettkampf testen, welche Lokomotive die Schnellste ist. Fünf meldeten sich für den Wettstreit an, den die Lokomotive «Rocket» letztendlich haushoch gewann. Dies lag aber auch an seinen Konkurrenten. Die erste fiel beim Transport zum Start von der Kutsche, die zweite war zu schwer und verbrauchte zu viel Kohle, bei der dritten explodierte der Kessel, die vierte wurde disqualifiziert. Grund: Im Inneren war ein Pferd auf einem Laufband versteckt.

Das Highlight der Ausstellung ist ein Modell des ersten Basler Centralbahnhofs. Er war von 1860 bis 1903 in Betrieb und stand am gleichen Ort wie der heutige Bahnhof. Liebevoll baute ein Schweizer Juristen Paar den damaligen Centralbahnhof im Miniaturformat nach. Samt kleinen Figürchen, Blitzableitern und funktionierenden Strassenlampen. «Die beiden haben jahrelang daran gebastelt, erst eine Woche vor dem Transport ins Museum wurden sie fertig», sagt der Kurator. Belser wurde im Internet auf das Projekt der beiden aufmerksam. Als er sie für die Ausstellung gewinnen konnte, war seine Freude grenzenlos. «Wir hatten nur ein kleines Budget für die Ausstellung», sagt er. «Aber wir haben das Beste herausgeholt.»