Die Stadt Zürich macht vorwärts mit der Frauenförderung: 35 Prozent der Kaderpositionen der städtischen Verwaltung sollen von Frauen besetzt sein. Das will eine Motion von SP und GLP, die das Zürcher Stadtparlament am Mittwoch überwiesen hat. Der Frauenanteil nehme mit dem Anstieg der Funktionsstufen stark ab, heisst es in der Begründung. Bei den höchsten Ämtern in der Stadtzürcher Verwaltung beträgt die Quote heute bloss 17 Prozent.

In Basel ist das Thema Frauenquote zwar immer wieder Thema. Den letzten konkreten Vorstoss für eine gesetzliche Regelung startete Grossrätin Brigitta Gerber (Grünes Bündnis) 2009. Das Basler Parlament hat damals eine Motion überwiesen, die die Einführung einer Geschlechterquote von 30 Prozent in den Aufsichtsorganen der öffentlich-rechtlichen Anstalten verlangt - sprich: bei den Verwaltungsräten von BVB, IWB und anderen staatsnahen Unternehmen. Die Regierung wird Gerbers Motion in den nächsten Wochen beantworten, bestätigt Markus Ritter, stellvertretender Generalsekretär des Präsidialdepartements.

Dass auch bei Kaderstellen in der Verwaltung eine Frauenquote eingeführt werden soll, wurde in Basel hingegen noch nie thematisiert. «Darüber können wir in den nächsten Sitzungen sprechen», sagt Gerber. Die Chance, eine solche Motion bei Regierung und Grossrat durchzubringen, stehen eher schlecht, meint sie, liege der Frauenanteil im soeben neu gewählten Basler Parlament doch nur bei 31 Prozent.

Um die Notwendigkeit einer Frauenquote bei den Verwaltungsräten aufzuzeigen, bringt Gerber die Wirtschaftskrise ins Spiel. In Norwegen habe sich gezeigt, dass während der Krise Firmen mit einem hohen Verwaltungsrätinnen-Anteil umsichtiger gewirtschaftet haben. «Es muss in Basel etwas unternommen werden. Es regelt sich nicht alleine, dass mehr Frauen Führungspositionen erhalten.»

Staat muss als gutes Beispiel dienen

In Polit-Kreisen erhält Brigitta Gerber grundsätzlich Zustimmung. Eine gesetzliche Verankerung der Frauenquote wird jedoch weniger gutgeheissen. Gerbers Parteikollegin Mirjam Ballmer findet es wichtig, «dass man beim Staat in Sachen Anteil Mitarbeiterinnen als gutes Beispiel vorangeht». Es sei aber nicht zwingend, bei privatwirtschaftlichen Unternehmen auf einer Quote zu beharren. Aber: «Man muss die Wirtschaft auf dieses Thema sensibilisieren und klar festhalten, dass diese eine grosse Verantwortung trägt.» Wenn in den nächsten Jahren nichts passiere, müsse man sich möglicherweise eine Quote überlegen.

Die Basler Ständerätin Anita Fetz sieht das ähnlich: «Eine vernünftige Zielquote, die innerhalb einer bestimmten Frist erreicht werden kann, finde ich sinnvoll.» Eine starre Quote hingegen sei nicht realistisch, nicht erreichbar und so nicht nützlich. Der neuen Muba-Leiterin Kay Schmid ist es «eigentlich egal, ob eine Frau oder ein Mann die Führungsposition übernimmt.» Das Know-how müsse da sein. Für Wiedereinsteigerinnen sei es aber heute sehr schwer, die Leitung in einem Unternehmen zu bekommen.

Bernasconi: Liberal aber für Quote

Unterstützung bekommt Gerber von GLP-Grossrätin Martina Bernasconi. «Ich bin politisch sehr liberal. Aber den Anspruch auf eine Frauenquote in Kaderstellungen würde ich unterschreiben.» Sie sei zudem für eine Gender-Quote, fügt sie an. Und: «Ich halte 35 Prozent Frauenanteil für realistisch. Ohne Quote geht es nicht.»

Brigitta Gerber hat vor zwei Jahren zudem einen Anzug eingereicht, in dem sie sich für Fördermassnahmen einsetzt. «Allen Bevölkerungsteilen muss eine gleiche Teilhabechance gesichert sein», heisst es. Kurz: Es geht ihr im Anzug nicht nur um das Geschlecht, sondern um Alter, Behinderungen und Personen mit Migrationshintergrund.