Die ältere Bevölkerung Basel-Stadt stellte dem Kanton ein schlechtes Zeugnis aus. Als Basel-Stadt im Rahmen einer Studie des Statistischen Amts seine Bewohner fragte, wo sich diese über für sie relevante Angebote informiere, nannte nur jeder siebte den Staat selbst. Die Fachstellen und Ämter kamen weit hinter Freunden, Familie, auch Nachbarn und sogar der Kirchgemeinde.

Die Ergebnisse der Befragung von über 1400 Personen im Kanton liegen bereits seit etwas mehr als einem Jahr vor, nun geht es an die Umsetzung von Massnahmen, die dieses Bild korrigieren sollen. Zumal die Verwaltung in einer ähnlichen Befragung vier Jahre zuvor noch besser abgeschnitten hatte.

Dabei sei der Service der Stadt nicht schlecht: «Im Kanton Basel-Stadt besteht ein sehr umfangreiches Angebot an Dienstleistungen für ältere Menschen», sagt Anne Tschudin, Sprecherin des Gesundheitsdepartements (GD). Diese müssen gemäss Tschudin einerseits bekannter gemacht werden, andererseits muss Interessierten die Information über das Angebot und der Zugang zu den unterschiedlichen Anbietern erleichtert werden.

Ämterwirrwarr für Betagte

Erreichen will dies das GD mit einer zentralen Anlaufstelle für die Bedürfnisse der Alten. Bislang teilt sich das Departement von Lukas Engelberger (CVP) den grössten Teil der Arbeit mit dem Präsidial- und dem Erziehungsdepartement. Die Website aelterbasel.ch listet die jeweiligen Ansprechpersonen und mögliche Themenfelder auf.

Dem Ämterwirrwarr soll nun offenbar Abhilfe geschaffen werden, wie unlängst auch Regierungsrat Engelberger an einem Podium ankündigte. Tschudin wollte dies gegenüber der bz gestern noch nicht bestätigen. Von offizieller Seite heisst es lediglich: «Derzeit sind wir im Gesundheitsdepartement gemeinsam mit Partnerorganisationen daran, dafür eine Lösung auszuarbeiten, die wir zum gegebenen Zeitpunkt gerne vorstellen werden.»

Eine dieser Organisationen ist der Verein Interessensgemeinschaft 60+. Deren Präsidentin heisst Renate Köhler. Sie ist bestens über die Bewegungen in der Alterspolitik unterrichtet. Eine zentrale Anlaufstelle fordert sie schon lange. Und sie hat genaue Anforderungen: «Die Telefonnummer muss so bekannt werden wie jene der Polizei oder der Feuerwehr.» Auch reiche es nicht, wenn diese nur während rund zwei oder drei Stunden am Tag besetzt sei. «Mindestens fünf bis sechs Stunden» sollen es sein.

Eine Möglichkeit besteht offenbar darin, dass diese Fachstelle an die Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige (GGG) ausgelagert wird, ist aus gut unterrichteten Kreisen zu vernehmen. Eine ähnliche Kompetenzstelle betreibt die Stiftung etwa schon im Bereich Migration – mit Anerkennung der Staatskanzlei.

Für Köhler steht fest: Der Probleme gäbe es derzeit viele für die ältere Bevölkerung im Stadtkanton. «Zuvorderst ist die Knappheit von bezahlbarem Wohnraum für ältere Menschen», sagt Köhler. Ihren Informationen dauere die Wartezeit für eine Alterswohnung vier Jahre. «Das ist ein grosses Manko», sagt Köhler.

Hauptproblem ist der Wohnraum

Dass Basel-Stadt diesbezüglich auch einem Vergleich mit anderen Schweizer Städten nicht standhält, darüber berichtete unlängst das «Regionaljournal» des SRF. Unter Berufung auf den Vergleichs-Dienst Comparis wurde publik, dass im vergangenen Jahr nur rund 1,6 Prozent der ausgeschriebenen Wohnungen rollstuhlgängig sind. Dies bestätige auch die Erfahrungen des Basler Behindertenforums.

«In der Preisklasse von 4000 Franken ist es leichter, eine Wohnung zu finden», sagt Köhler. Deutlich mehr Schwierigkeiten erwarten jene, die sich das nicht leisten können. «Ein Bekannter von mir ist vor kurzem gar in sein Büro gezogen, weil er nirgendwo fündig wurde.» Der Grund dafür ist, dass Alterswohnungen oft in Neubauten entstehen. Das treibt den Preis für die schwellenlosen Räume in die Höhe.

Als weitere Herausforderung identifizierte die Studie das stark gesunkene Sicherheitsgefühl. Dennoch gab mit 95 Prozent die überwiegende Mehrheit der Befragten an, gerne im Kanton Basel-Stadt zu wohnen.