Kaum zu glauben: In einigen Basler Gärten blühen bereits die ersten Kirschbäume. Dabei handelt es sich zwar um früh blühende, exotische Sorten, aber trotzdem: Normal wäre eine Blütezeit im März. «Das habe ich so noch nie erlebt», sagt Emanuel Trueb, der langjährige Leiter der Basler Stadtgärtnerei.

Auch Krokusse, Haselstauden und Erlen blühen schon an geschützten Lagen. MeteoSchweiz gibt den Blühbeginn von Hasel in Basel aktuell mit dem 3. Januar an – rund einen Monat früher als normal.

«Die Vegetation ist in diesem Jahr generell sehr stark vorangeschritten», beobachtet Trueb. Matten und Wiesen verlieren bereits ihre winterlich-bräunliche Farbe und färben sich grün. «Das ist ein eigentliches Spektakel. Einen solch frühen Vegetationsbeginn erlebt man nicht jedes Jahr», hält Trueb fest.

Schlechte News für Allergiker

Für Pollen-Allergiker sind das keine guten Nachrichten. Sie müssen sich darauf einstellen, dass die pollenfreie Phase immer kürzer wird. Doch auch die Basler Stadtgärtnerei sieht sich vor grosse Herausforderungen gestellt.

«Die Umweltbedingungen für die Vegetation in der Stadt haben sich verändert», registriert Trueb. Lange Trockenheitsphasen, zerstörerischer Starkregen, warme Winter: «Wir erleben zunehmend Wetterphänomene, die für unsere Breitengrade ausserordentlich sind.»

Zu den Wetterkapriolen gehören auch die Stürme wie Andrea oder Joachim. Als er vor 18 Jahren bei der Stadtgärtnerei angefangen habe, seien solche Orkane noch nicht vorgekommen – oder sicher nicht in dieser Häufigkeit, meint Trueb.

Jeder Orkan ist ein Gradmesser für die Arbeit der Stadtgärtnerei, ganz besonders für die Baumpflege; eine Art Stresstest für die Bäume. Joachim, Andrea und Co. haben darum Einfluss auf die Auswahl der künftig gesetzten Bäume. Mit wenig elastischen und rasch wachsenden Gehölzen sei Vorsicht geboten, mahnt Trueb. Ebenso wichtig sei bei den Bäumen ein stabiler Kronenbau.

Klima-Reise in den Süden

Klimatechnisch stellt der 50-Jährige eine geografische Verschiebung fest: «Wir nähern uns dem Klima von beispielsweise Südfrankreich oder Mittelitalien an.» Möglicherweise sei das, was heute noch für Schlagzeilen sorge – Orkane, Wintergewitter, Vegetationsstart im Januar – in ein paar Jahren auch in unseren Breitengraden normal. Umgekehrt dürfe man aber schneereiche Winter und Kälteperioden nicht ausschliessen.

Solange das Wetter wechselhaft bleibt und es gelegentlich regnet, können immerhin die Pollenallergiker durchschnaufen. «Die Gesamtkonzentration ist noch zu schwach», sagt Marianne Amstutz von der Infoline Aha Allergiezentrum Schweiz.

Detaillierte Prognosen zur Pollensituation erhalten Sie unter: www.meteoschweiz.ch ; www.meteonews.ch ; www.pollenundallergie.ch .