Samstag kommt es in Basel zur schweizweit wohl grössten Demonstration gegen die mittelalterlich-islamstischen IS-Kämpfer, seit diese in Syrien und Irak wüten. Jeden Abend gab es diese Woche kleinere und grössere Kundgebungen: auf dem Marktplatz, am Flughafen, am Donnerstagnachmittag beim Bahnhof SBB und am Abend beim Claraplatz. Diese Demonstrationen hatten keine Bewilligung. «Für die vergangenen kleineren Kundgebungen wurden keine Bewilligungen beantragt. Aufgrund der Aktualität wurden diese jeweils unter Einhaltung gewisser Auflagen toleriert», sagt der Basler Polizeisprecher Andreas Knuchel.

Morgen gehts wieder in die Innenstadt. Für diese Kundgebung gegen den IS und gegen die türkische Politik sei eine Bewilligung erteilt worden, versichert Knuchel. Getragen wird der Protest von der persönlichen Betroffenheit der Kurden. «Wir können gar nicht anders als auf die Strasse zu gehen und zu protestieren», sagt Atilla Toptas, SP-Grossrat und Vorstandsmitglied der Schweiz-Kurdischen Gemeinschaft. Täglich kämen Nachrichten von Verwandten und Freunden, die vertrieben wurden oder sonst irgendwie betroffen sind. Morgen werde die kurdische Gemeinschaft im ganzen Land wieder auf das Leid ihrer Leute im Nahen Osten aufmerksam machen, «Basel wird ein Zentrum sein», sagt Toptas.

Aufgeheizte Atmosphäre

Bis jetzt verlief alles friedlich. Das hat seinen Hintergrund auch in der problemlosen Kommunikation zwischen der Polizei und den gut organisierten kurdischen Verbänden in Basel. Diese hat ihren Ursprung in den Kurden-Demonstrationen der 80er- und 90er-Jahren. Damals etablierte die Polizei einen Dialog, der dazu führte, dass in den letzten zwanzig Jahren die allermeisten Demonstrationen der kurdischen Gemeinde ohne nennenswerte Zwischenfälle blieben.

Doch dass die Stimmung immer so friedlich bleibt, daran haben einige mittlerweile Zweifel. Auch die kleinen, unbewilligten Demonstrationen der letzten Tage wurden stets mit einem Zug von Einsatzpolizisten vor Ort begleitet. «Um nötigenfalls, aus welchem Grund auch immer, einschreiten zu können, ist es unerlässlich, dass die Polizei bereit steht», begründet Polizeisprecher Knuchel. «Die Atmosphäre ist derzeit leider aufgeheizt», findet beispielsweise SVP-Grossrat Joël Thüring. In der deutschen Stadt Hamburg sind in den letzten Nächten Kurden und Sympathisanten von Salafisten, Anhänger einer ultrakonservativen Islam-Auslegung, aufeinander los gegangen. Die deutsche Polizeigewerkschaft spricht bereits von einem Stellvertreterkrieg.

Auch in Basel gibt es Salafisten. Am besten sichtbar sind sie, wenn sie am Claraplatz im Namen des Islamischen Zentralrats der Schweiz (IZRS) Koran-Exemplare verteilen. Via die Plattform Twitter ruft Qaasim Illi, Sprecher des IZRS, dazu auf, die Kurden-Proteste zu stoppen. Dass IZRS-Leute und kurdische Demonstranten am Samstag aneinandergeraten, ist jedoch eher unwahrscheinlich, da der IZRS an dem Tag in Freiburg seinen Jahrestag durchführt. Polizeisprecher Andreas Knuchel sagt zur Sicherheitslage nur: «Die Kantonspolizei bereitet sich aufgrund von Erfahrungen und aktuellen Erkenntnissen bei jeder Kundgebung auf alle Eventualitäten vor.»

«Es braucht jetzt Empathie»

Atilla Toptas sagt zur aufgeheizten Stimmung: «Die Ratlosigkeit und die Betroffenheit lösen auch Wut aus.» Er gehe aber davon aus, dass die Kurdenproteste in der Schweiz friedlich bleiben. Joël Thüring sagt derweil: «Ich erwarte, dass die Polizei die Demonstration absagt, wenn es eine Bedrohungslage gibt.» Er betont aber, dass die Demonstrationen legitim seien. Er selbst stehe in dieser Sache voll und ganz hinter den Kurden.

Grossrat Toptas sagt, dass er durchaus die Sympathie der Schweizer bei diesen Protesten spüre. Es benötige jetzt aber mehr, um den Kurden zu helfen. «Jetzt braucht es Empathie und Solidarität.»