Basel ist erneut krimineller geworden. 27 052 Delikte wurden letztes Jahr registriert, das entspricht einer Zunahme von 23 Prozent. Nachdem am Montag das Bundesamt für Statistik bereits die ersten ernüchternden Zahlen veröffentlich hatte, präsentierte gestern die Basler Staatsanwaltschaft die Kriminalstatistik für den Stadtkanton im Detail.

Dabei zeigt sich: Basel ist zwar krimineller, aber im Vergleich zum Vorjahr nicht unbedingt gewalttätiger geworden. Der starke Anstieg der Gesamtdelikte ist nämlich zu einem grossen Teil einem dramatischen Anstieg bei den Vermögensdelikten geschuldet. Will heissen: Einbrüche, Raub, Diebstähle. Diese machen den Löwenanteil der Statistik aus.

Aufklärungsquote: 18 Prozent

2048 Mal wurde letztes Jahr in Basel eingebrochen, das sind 64 Prozent mehr als 2011. Frustrierend: Diese Taten gehen zu einem Grossteil auf das Konto von hochprofessionellen ausländischen Banden, wie Beat Voser, Chef der Basler Kriminalpolizei, sagt (siehe Interview unten). Diese verschwinden nach einem Delikt sofort wieder über die Grenze und sind entsprechend schwer zu fassen. «Unsere Aufklärungsquote liegt bei 18 Prozent – und das ist noch gut», bemerkt er. Auch die Zahl der Raube (238 Fälle, plus 23 Prozent), Taschendiebstähle (1471 Fälle, plus 36 Prozent) und Betrugsfälle (894 Fälle, plus 37 Prozent) sind im letzten Jahr stark gestiegen.

Polizisten geraten ins Visier

Bei den Gewaltdelikten steht dafür «eine rote Null», wie es Voser ausdrückt. 2536 Fälle wurden 2012 gezählt, 9 weniger als im Vorjahr. Ins Gewicht fällt hier vor allem die Abnahme der Körperverletzungen um 8 Prozent (593 Fälle). Trotzdem gibt es bei der Gewalt zwei Wermutstropfen: Zunehmend geraten die Polizisten in den Fokus der Schläger. Der Sachverhalt «Gewalt gegen Beamte» stieg innert eines Jahres um zwölf Prozent auf 162 Fälle. Und: Im langjährigen Vergleich ist eine Steigerung festzustellen. Im Jahr 2008, als die Kriminalstatistik erstmals in der heutigen Form erfasst wurde, zählte die Staatsanwaltschaft noch 2200 Fälle von Gewalt.

Positiv dagegen ist die Richtung bei den Sexualdelikten. Diese nahmen um zwölf Prozent ab (insgesamt 275 Fälle). Vergewaltigungen gab es letztes Jahr 37, 2011 wurden noch 35 gezählt.

Zwei Drittel sind Ausländer

Fakt ist auch, dass für den Anstieg der Kriminalität in erster Linie Ausländer verantwortlich sind. Allerdings nicht unbedingt jene, die hier wohnen, sondern solche, die gezielt die Schweiz für Diebstähle und Einbrüche ins Visier nehmen. 25 Prozent der Delinquenten in Basel sind Ausländer ohne Wohnsitz in der Schweiz, weitere zwölf Prozent sind Asylanten.

Hinzu kommen 26 Prozent Kriminelle mit einem ausländischen Pass, die in der Schweiz zuhause sind. Aber: «Man kann nicht davon ausgehen, dass diese Ausländer in Basel wohnen», sagt Voser. Basel nehme eine Zentrumfunktion ein und ziehe Kriminelle von überall her an. Eine humoristische Bemerkung konnte sich Voser gestern deshalb nicht verkneifen: «Wir haben Leute aus Rumänien, Georgien und der Mongolei festgenommen – und sogar ein paar aus Liestal und Pratteln.»