Kampagne
Basel zeigt Haltung gegen grassierenden Fremdenhass - als bisher erster Kanton

Unter dem Motto «Wehret den Anfängen!» lanciert eine breite private Allianz zusammen mit der Abteilung Kantons- und Stadtentwicklung im Präsidialdepartement die Kampagne «Basel zeigt Haltung – für Offenheit und Fairness, gegen Fremdenfeindlichkeit.»

Martina Rutschmann
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Gegen Rassismus (Symbolbild)

Gegen Rassismus (Symbolbild)

Keystone

«Scheissneger», «Judensau», «Kameltreiber»: Solche Beschimpfungen werden derzeit ständig in sozialen Medien gepostet. Die Stimmung ist aufgeheizt. Hetzten früher Glatzen in Bomberjacken gegen Fremde, sind es jetzt Menschen aus allen Kreisen.

Gewiss, es gibt auch andere; Leute, die differenziert denken, gar Petitionen lancieren für eine «sofortige massive Erhöhung des Flüchtlingskontingentes», wie es gestern geschah – und nicht in jedem Moslem einen Terroristen sehen. Doch die Gefahr, dass diese anderen weniger werden, besteht.

Darum: «Wehret den Anfängen!» Unter diesem Motto lanciert eine breite private Allianz mit Unterstützung der Abteilung Kantons- und Stadtentwicklung im Präsidialdepartement die Plakat-Kampagne «Basel zeigt Haltung – für Offenheit und Fairness, gegen Fremdenfeindlichkeit.» Die Botschaft: Basel ist gastfreundlich und fair. «Es ist dringend nötig, dass die Zivilgesellschaft diese Haltung nach aussen trägt», sagt Stadtentwickler Thomas Kessler. «Jetzt ist es zu still im Land.»

Es ist nicht die erste Kampagne dieser Art, auch in Zürich hingen schon vergleichbare Plakate. Derzeit ist dort aber nichts im Tun. Und das, obwohl in Zürich neulich eine aggressive Demonstration gegen Juden stattfand. Im sozialen Basel aber ging wegen der aktuellen Kriege bisher niemand gegen ein «Feindbild» auf die Strasse. Kessler hält es dennoch für wichtig, dass das «Tor zur Welt» ein Signal setzt und für den Rest des Landes «als gutes Beispiel voraus geht». Und er sagt: «Auch hier sind fremdenfeindliche Tendenzen spürbar.» So protestierten linksautonome Kreise im kleinen Rahmen gegen Expats, weil diese den Wohnungsmarkt austrockneten, den günstigen zumal.

Diejenigen, die es wissen müssen, sind anderer Meinung: In der Allianz sind auch der Immobilien-Treuhänder-Verband und der Mieterverband vertreten. Ihre Botschaft: Das Wohnungsangebot müsse fair mit kluger Politik und dem Markt geschaffen werden – und nicht mit Fremdenfeindlichkeit.

Appell an humanitäre Tradition

Das Zusammengehen dieser beiden oft zerstrittenen Institutionen zeige, dass fairer politischer Wettbewerb möglich sei, sagt Kessler. Wichtig sei es, mit dem eigenen Namen hinzustehen und Haltung zu zeigen. «Im Gegensatz zu den Leuten, die anonym fremdenfeindliche Parolen ins Internet stellen.»

Das Wohnungsargument als xenophobe Äusserung ist nur eines von vielen Beispielen. Mit der bevorstehenden Ecopop-Initiative kämpfen Öko-Kreise mit entsprechenden Argumenten für weniger Zuwanderung – und die SVP hat gleich zwei Initiativen im Köcher, die letztlich dasselbe Ziel verfolgen.

Kessler betont aber, mit der Kampagne keine politischen Gruppen angreifen zu wollen. Vielmehr wolle man erreichen, dass die humanitäre Tradition des Landes in Bezug auf die Aufnahme von Kriegsflüchtlingen weitergeführt werde. «Wir müssen den Bund bei seinen Bemühungen, syrische Flüchtlinge unterzubringen, unterstützen.» Das Bundesamt für Migration stehe der Kampagne entsprechend positiv gegenüber. Und selbst SVP-Grossrat Patrick Hafner ist Teil der Allianz, wenn auch nicht als Parteipolitiker, sondern als Vertreter der Bürgergemeinde.

Bisher ist Basel-Stadt der erste Kanton, in dem sich unter anderem Wirtschaftsverbände, Gewerkschaften und Religionsgemeinschaften zu diesem Zweck zusammen tun. Kessler glaubt daran, dass das Signal auch jene Kantone erreicht, in denen die fremdenfeindlichen Tendenzen weit grösser sind.

Die Kampagne startet Ende Monat.