Vergleich

Baselland bezieht schweizweit die grössten kulturellen Leistungen

Basel-Stadt hat die höchsten Kulturausgaben, obwohl Baselland schweizweit am meisten Kultur «einkauft».

Basel-Stadt hat die höchsten Kulturausgaben, obwohl Baselland schweizweit am meisten Kultur «einkauft».

Beide Basel sind Schweizer Meister: Die Stadt im Anbieten, das Land im Einkaufen von kulturellen Leistungen. Die Kultursubventionierung des Stadtkantons mit 10 Millionen Franken sollte daher für das Land mehr als gerechtfertigt sein.

Das Baselbiet kann sich als «armer» Landkanton das riesige Luxus-Kulturangebot der Stadt nicht (mehr) leisten, auch wenn seine Bevölkerung dieses zugegebenermassen stark in Anspruch nimmt. Das heisst es, auf den Punkt gebracht, immer wieder in der Debatte um die angemessene Beteiligung des Landkantons an den kulturellen Zentrumslasten der Stadt – gerade auch jetzt, wo die Baselbieter Regierung die 1997 eingeführte Kulturvertrags-Pauschale an die Stadt halbieren will.

Doch ist diese Einschätzung korrekt? Lebt das Baselbiet kulturell wirklich über seine Verhältnisse? Die beiden Basel sind zu verschieden, um sie sinnvollerweise miteinander zu vergleichen. Mit den anderen Kantonen hingegen ist ein Vergleich sehr wohl möglich, und ein solcher fördert Erstaunliches zutage. Bemisst man die Ausgaben der öffentlichen Hand, also des Kantons und seiner Gemeinden, für Kultur, so sticht sofort heraus: Basel-Stadt leistet sich in der Tat sehr viel «Kultur» (Definition siehe Kasten). Baselland hingegen landet im hinteren Mittelfeld der Kantone – die Ausgleichszahlungen an Basel miteingerechnet. Die jüngsten Zahlen des Bundesamts für Statistik stammen zwar aus dem Jahr 2012, seither haben sich aber kaum bedeutende Verschiebungen gegeben.

Auch Wallis in den Top-Ten

Ein Blick in die Rangliste schwächt auch die These, dass es nur Stadt- oder Kantone mit einem grossen Zentrum wären, die stark in Kultur investieren würden. Zwar liegt der Stadtkanton Genf auf Rang zwei, doch schon auf dem vierten Rang folgt einer der ländlichsten Kantone der Schweiz: Jura. Ebenfalls in den Top-Ten rangiert das Wallis. Bei den Baselbieter Nachbarkantonen Aargau und Solothurn fällt auf, dass diese beide noch hinter Baselland zu liegen kommen, auch wenn deren Ausgaben, zumindest im Fall Aargau, im Steigen begriffen sind. Der Kanton ist 2010 dem Kulturlasten-Ausgleich Zürich-Zentralschweiz beigetreten – im vergangenen Jahr überwies er in dessen Rahmen stolze sechs Millionen Franken an die Kantone Zürich und Luzern.

Basel-Stadt ist bei den Kulturausgaben spitze. Doch auch Baselland hat einen Spitzenplatz: Beim Kulturlastenausgleich pro Kopf. Mit der Kulturvertrags-Pauschale lag dieser 2014 bei rund 35 Franken pro Einwohner. Auf dem zweiten Rang liegt der Kanton Appenzell Innerrhoden, der beim Kulturlasten-Ausgleich für St. Gallen teilnimmt. Auf Rang drei folgt Nidwalden (Ausgleich Zürich-Zentralschweiz).

Wie stark Baselland Kultur einkauft, wird ersichtlich, wenn die Rechnungsmodelle der anderen Ausgleichsverbünde zur Anwendung kämen. Auch wenn der Betrag nur geschätzt werden kann: Baselland müsste in jedem Fall mindestens jene 10 Millionen Franken leisten, die es derzeit mit dem Kulturprozent der Pauschale an die Stadt leistet (siehe auch bz vom 25. September).

Starres Ostschweizer Modell

Der Nachteil der Modelle Ostschweiz und Zürich-Luzern: Sie sind starr. Der Geber erhält Ende Jahr eine Rechnung – Mitsprache bei der Kulturpolitik ist kaum mehr möglich. Es würde also gerade das zunichtegemacht, was den heutigen Kulturvertrag beider Basel auszeichnet. Der frühere Baselbieter Kulturchef Niggi Ullrich bezeichnete die erwähnten Ausgleichsmodelle Ostschweiz und Zürich-Luzern in der bz Ende 2014 als «kalt». «Baselland würde dann einfach zahlen, aber mitzureden hätten wir nichts.» Zur Folge hätte dies, befürchtete Ullrich, eine «völlige Entfremdung».

Spannend ist die Frage, wo ein wiedervereinigter Kanton Basel zu liegen käme. Mit 521 Franken pro Kopf pro Jahr würde es wieder aufs Treppchen reichen: auf Rang zwei hinter Genf. Auch hier folgt jedoch ein «Aber»: Der Kanton Genf zählt 45 Gemeinden. Ein noch besserer Vergleich würde sich bieten, Basel-Stadt inklusive des Bezirks Arlesheim dem Kanton Genf gegenüberzustellen. Dies ist jedoch mit den Daten des BFS nicht möglich.

Als Fazit bleibt: Die Kultur bildet in Basel-Stadt einen stolzen Ausgabenposten. Baselland bleibt deutlich unter dem Durchschnitt, konsumiert jedoch viel Kultur in der Stadt – das zeigen die aufgeschlüsselten Besucherdaten städtischer Institutionen – und kauft sich diese Leistungen folgerichtig auch zu einem grossen Teil ein.

Somit sollte in der laufenden Spardebatte im Kanton Baselland nicht nur ein Thema sein, wie viel Kultur man sich leisten kann, sondern auch, wie viel Kultur man sich leisten will.

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