Parlamentarierinnen
Baselland überholt die Stadt beim Frauenanteil

Die Schweiz büsst Plätze ein, was den Frauenanteil im Parlament angeht. Und auch an der Spitze im Kantonsvergleich gibt es einen Wechsel.

Nicolas Drechsler
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Der Frauenanteil im Baselbieter Landrat ist höher als im Basler Grossen Rat.

Der Frauenanteil im Baselbieter Landrat ist höher als im Basler Grossen Rat.

Kenneth Nars

Basel-Stadt feiert in diesem Jahr 50 Jahre Frauenstimmrecht. Und ausgerechnet jetzt muss der Pionierkanton seinen Spitzenplatz in einem frauenpolitisch wichtigen Vergleich räumen. Basel-Stadt hat nicht mehr das Parlament mit dem höchsten Frauenanteil, dieser Pokal ist über die Birs gewandert.

Im Grossen Rat sitzen 34 Prozent Frauen, im Landrat kommt man auf 37 Prozent. Damit liegen die beiden Basel weit über dem nationalen Durchschnitt der Kantonsparlamente, die im Schnitt auf eine Frauenvertretung von gut einem Viertel (25,8 Prozent) kommen.

Bund ist ausgeglichener

Die Zahlen des Bundesamtes für Statistik belegen damit vor allem eines: Die kantonalen Parlamente haben eine deutlich schlechtere Frauenvertretung aufzuweisen als der Nationalrat. Hier liegt der Anteil der weiblichen Abgeordneten bei 32 Prozent – also fast so hoch wie in Basel-Stadt.

Die Wahl von 64 Politikerinnen in den Nationalrat im letzten Jahr ist eine neue Höchstmarke in der Schweizer Parlamentsgeschichte. Um so auffälliger, dass die Schweiz im Ranking der Interparlamentarischen Union, des Dachverbandes der Parlamente der Welt, trotzdem Plätze eingebüsst hat: Sie fällt um zwei Plätze auf den 34. Rang (von 191) zurück.

Damit liegt die Schweiz vor Frankreich (58), Österreich (44) und Italien (42). Von den Nachbarländern ist einzig Deutschland mit dem 22. Rang deutlich fortschrittlicher als die Eidgenossenschaft. Liechtenstein dagegen reiht sich weit hinten ein: Dem Fürstentum reicht es gerade mal auf Rang 88.

Die Linke schwächelt

Der Blick in die Reihen des Basler Grossen Rates zeigt: Es kommt nicht besser, sondern eher schlechter für die Frauen in der Politik. Ausgerechnet beim Grünen Bündnis, wo die Genderaspekte ansonsten besonders viel Beachtung finden, sinkt die Frauenquote. Mit den letzte Woche kommunizierten Rücktritten und Nachfolgen gehen den Frauen der Stadt zwei Sitze verloren.

Bei links-grün akzeptiert man den Vorwurf so nicht – man solle doch mal bei den Bürgerlichen genauer hinschauen, so der Tenor. Und in der Tat, hier steht es mit der Frauenvertretung alles andere als gut. Zwar hat die SVP seit dem Nachrücken von Daniela Stumpf eine Dame in ihren Reihen sitzen, aber für die FDP-Fraktion würde nach wie vor eine Herrentoilette im Rathaus problemlos reichen. Zwar gab es auch hier Verschiebungen im Lauf der Legislatur, aber auf einen zurücktretenden Mann folgte stets ein anderer Mann.

Auch die LDP ist nicht gerade ein Hort der Gleichberechtigung: Von den zehn liberalen Grossratsmitgliedern sind gerade einmal zwei Frauen. Die GLP dagegen liegt mit zwei Frauen bei fünf Fraktionsmitgliedern über dem Schnitt.

Gar nicht gefallen lassen muss sich die CVP/EVP-Fraktion die Schelte: Hier sitzen fünf Frauen und vier Männer an den Fraktionssitzungen.