Strafgericht

Basels allerschlechteste Alchemisten werden verurteilt

Die von den Tätern gefälschten Goldbarren waren wegen ihres Gewichts einfach als Fälschungen zu erkennen. (Symbolbild)

Die von den Tätern gefälschten Goldbarren waren wegen ihres Gewichts einfach als Fälschungen zu erkennen. (Symbolbild)

Eine Gruppe von Männern versuchte, vergoldete Bleiklumpen zu versilbern und einer Bank anzudrehen. Die Fälschung war allerdings so schlecht, dass der Richter einem der Angeklagten die für Betrug nötige Arglist absprach.

Es ist eine illustre Truppe, die in den nächsten Monaten wegen gefälschter Goldbarren im Basler Strafgericht ein- und ausgehen wird: Ein selbst ernannter Promi-Coiffeur, ein ehemaliger Partner einer Privatbank, ein Clubbetreiber sowie ein konkursiter Betreiber eines Limousinenservices. Letzterer, ein 50-jährige Chauffeur, war am Dienstag als erster an der Reihe: In einem abgekürzten Verfahren hat er alle Vorwürfe zugegeben und mit der Staatsanwaltschaft eine bedingte Geldstrafe von 330 Tagessätzen zu 30 Franken ausgehandelt.

Der hoch verschuldete Mann hatte ab Ende 2013 bis zum März 2014 kiloweise gefälschte Goldbarren aus Serbien und Ungarn nach Frankreich, Deutschland, Österreich und in die Schweiz transportiert. Im März 2014 ging er zum Numismatikschalter der UBS und wollte einen 250-Gramm-Barren einlösen. Dazu legte er beim Einlösen ein echtes Zertifikat von einem früheren Kauf eines echten Barrens vor.

Das Gold war Blei

Der Bankmitarbeiter spürte allerdings schon, als er den Barren in die Hand nahm, dass da etwas nicht stimmen konnte: Die Waage zeigte bloss 143 Gramm an, woraufhin der 50-Jährige flüchtete. Rechnet man das spezifische Gewicht um, bestand der Barren wohl grösstenteils aus Blei.

Gerichtspräsident Marc Oser ersparte dem Mann eine peinliche Befragung zu seinen Beweggründen und genehmigte das ausgehandelte Strafmass. Eine Verurteilung wegen Betrug gab es indes nicht, der Vorwurf gegen den Mann lautet bloss Warenfälschung: Bei derart schlechten Fälschungen ging die Staatsanwaltschaft offenbar davon aus, die für eine Verurteilung wegen Betrug notwendige Arglist sowieso nicht nachweisen zu können.

Der Verurteilte hat knapp hundert offene Betreibungen über rund 480'000 Franken, dazu kommen Verlustscheine in ähnlicher Höhe. Für die Transporte erhielt er jeweils rund 10'000 Franken bar auf die Hand, meistens von dem mit ihm befreundeten Coiffeur. Die Staatsanwaltschaft hat bei der Gruppe insgesamt 49 Kilogramm des nicht so edlen Metalles beschlagnahmt, darunter auch Kilo- und 500-Gramm-Barren. Einige davon schmiss der Coiffeur offenbar in Panik in den Rhein, als die Sache aufgeflogen war. Die weiteren Beschuldigten sind regulär angeklagt worden und müssen sich demnächst vor Gericht verantworten. Einer aus der Gruppe beteuert allerdings, er habe die Goldbarren gutgläubig von einem Freund gekauft und nicht gewusst, dass es sich dabei um Fälschungen handelte. Kurios ist, dass andere Banken die Goldbarren offenbar entgegengenommen haben. Teilweise geschah dies in Süddeutschland, auch diese Strafverfahren werden nun in Basel geführt.

Wirklich gute Barren-Fälschungen sind im übrigen selten: Aufwendig gefälschte Goldbarren mit Wolframkern haben eine ähnliche Dichte wie echtes Gold, Fälschungen lassen sich hier nur schwer nachweisen. Gold- oder stahlüberzogenes Blei hingegen besitzt eine andere Dichte, was bei einfachsten Tests sofort auffällt.

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