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Basels bester Standort: Das Historische Museum am Barfüsserplatz

Das Historische Museum am Basler Barfüsserplatz.

Der in Liestal aufgewachsene und in Basel lebende Daniel Wiener ist Journalist, Kulturmanager, Unternehmer und Berater.

Basel ist laut Credit Suisse der beste Standort der Schweiz. Und der beste Standort Basels ist der Barfüsserplatz. Er sieht den FCB im Siegestaumel, erlebt die Höhepunkte der Fasnacht, feiert das Jugendkulturfestival und beherbergt demnächst die Herbstmesse und den Weihnachtsmarkt. An diesem allerbesten Standort befindet sich das Historische Museum – und das serbelt. Es klagt über Finanznöte, während sich seine wunderbare, neu konzipierte stadtgeschichtliche Dauerausstellung weit unter ihrem Wert verkauft.

Gehen Sie mal an einem Donnerstagnachmittag vorbei. Gleich hinter dem Windfang lenkt Sie freundliches Personal zur Kasse, wo 15 Franken fällig sind. Dafür sind Sie dann fast allein mit all den schönen Artefakten, Bildern und Informationen. Kein Gedränge, kein Gewusel, kaum Leben ausser der Aufsicht. Nur die letzte Stunde vor 17 Uhr ist der Eintritt frei. Sie haben richtig gelesen: Ab 17 Uhr ist das Museum zu, wenn anderswo die Freizeit beginnt.

Solche «Willkommenskultur» ist ein Rückschritt im Vergleich zu früher, als wenigstens ein Café Offenheit signalisierte. Bei gutem Wetter stellte es ein paar Stühle und Tische auf den Vorplatz, der über dem «Barfi» thront. Just diese Kanzel mutiert demnächst endgültig zum städtebaulichen Hotspot. Denn mit der Fertigstellung des Casinos wird auch die geniale Gasse geöffnet, die neu den Steinenberg mit dem «Seibi» verbindet. Und diese Gasse zielt direkt auf den Eingang des Historischen Museums. Chancen tun sich auf.

Für den Fussverkehr ist der Barfüsserplatz schon heute das Herz von Grossbasel, die Drehscheibe zwischen der Kulturmeile am Steinenberg, der Vergnügungsachse in der Steinenvorstadt, der feingliedrigen Handwerkerstadt am Leonhardsberg und dem umsatzstärksten Basler Einkaufsviertel rund um die Freie Strasse. Das Historische Museum ist die ideale «Indoor»-Erweiterung dieses Platzes. Der Raum eignet sich perfekt als Stadtlounge.

Als kleine Basler Schwester der Londoner Tate Modern Gallery wäre auch der hiesige Stadtplatz, unter dem hohen Dach der Barfüsserkirche, samt Ausstellungsgut gratis zugänglich. Die wegfallenden Eintrittsgelder würden mit einem guten Shop und hoch frequentierter Gastronomie mehr als kompensiert. Innovative Basler Gestalterinnen und Kuratoren hätten 1000 Ideen, um hier mit kleinen Eingriffen einen Treffpunkt, Veranstaltungsort und eine Schlechtwetter-Ergänzung zum umgebenden Stadtraum zu kreieren – und dabei die fantastischen Ausstellungen noch mehr zur Geltung zu bringen. Wir Baslerinnen und Basler würden ganz unverkrampft in unserer Geschichte ein- und ausgehen. Diese würde Teil unseres Alltags.

Und die Öffnungszeiten? Ich stelle mir vor, dass Sonntag bis Donnerstag ganztags, von 8 bis 18 Uhr, ein bunter Mix von Gästen vorbeischaute. Am Wochenende fühlten sich hier, dank späterer Polizeistunde, zum Beispiel auch Apéro-Geniesserinnen oder Rückkehrer aus den umliegenden Theater- und Konzerthäusern so richtig wohl.

Was könnte der Basler Geschichte Besseres passieren, als auf diese Weise dem heutigen Leben zu dienen?

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