Fotografie
Basels Fotostiftung wird wieder sichtbar

Die Fondation Herzog eröffnet heute ihre neuen Räumlichkeiten in Basel mit einer Ausstellung mit Fotografien aus ihrer Sammlung, die zu einer der bedeutendsten der Welt gehört.

Mathias Balzer
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Ein unbekannter Fotograf schoss dieses Bild des Dinosaurierskeletts, das in einer Kohlengrube in Belgien gefunden wurde.

Ein unbekannter Fotograf schoss dieses Bild des Dinosaurierskeletts, das in einer Kohlengrube in Belgien gefunden wurde.

Peter und Ruth Herzog sind am Ende einer veritablen Odyssee angelangt. Sie zeigten sich gestern am neuen Sitz ihrer Fotostiftung sichtlich erleichtert darüber. Heute Abend werden sie die neuen Räumlichkeiten mit einer sehenswerten Ausstellung eröffnen.

Das Ehepaar sammelt seit bald 50 Jahren Fotografien. Ihre Sammlung ist mit 300 000 Fotos aus der Zeit von 1839 bis 1970 eine der bedeutendsten weltweit. Bis 2011 war das Archiv an der Osloerstrasse in Basel beheimatet. Seit die Stiftung der Herzogs den Ort 2011 wegen der unklaren Zukunft dort verlassen musste, wurde eine neue Bleibe gesucht. Einige Zeit sah es schlecht aus. Peter Herzog sprach bereits davon, dass er das riesige Konvolut werde verkleinern müssen. Doch nun ist eine Lösung gefunden, die der Qualität der Sammlung gerecht wird.

Bereits im Sommer 2015 wurde kommuniziert, dass die Fotosammlung Herzog Teil des Kabinetts der beiden Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron wird. Ersterer ist ein Bruder des passionierten Sammlers. Im Kabinett werden nun, so erklärte Architekt de Meuron gestern, 100 000 Fotografien katalogisiert und digitalisiert. Eine Mammutaufgabe, die mithilfe von Stiftungen geschultert wird. Ab 2019 wird die Sammlung nach und nach über eine Website der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Im Zusammenspiel mit den neuen Räumlichkeiten ist nun gewährleistet, dass das Lebenswerk der Herzogs Basel in angemessener Form erhalten bleibt.

1895 fotografierte Eduard Spelterini Basel von einem Heissluftballon aus.

1895 fotografierte Eduard Spelterini Basel von einem Heissluftballon aus.

Fondation Herzog

Der Blick auf die Geschichte

Die erste Ausstellung der Fondation am neuen Ort ist programmatisch für deren Bestrebungen. Unter dem Titel «Die Sammlung Herzog und die Basler Museen» werden 40 Bilder gezeigt, die in Bezug zu den Basler Institutionen stehen. In Zukunft soll, so Herzog, die Kooperation mit den Häusern am Platz Basel verstärkt werden. Ziel des passionierten Fotoexperten ist es, der Fotohistorie in Basel zu mehr Gewicht zu verhelfen. Er sieht diese derzeit noch stiefmütterlich behandelt. Für ihn ist klar: Wollen wir wirklich begreifen, wie wir die gegenwärtige Bilderflut verarbeiten können, müssen wir den Blick auf deren Geschichte lenken.

Bei der Betrachtung der aktuell ausgestellten Trouvaillen, wird verständlich, dass die Beschäftigung mit historischer Fotografie leicht zur Leidenschaft werden kann. Es ist das unwiederbringlich Vergangene, das uns aus diesen Bildern entgegentritt.

Poetisch beispielsweise, in Vorwegnahme der abstrakten Kunst, die «Durchschossene Fensterscheibe» von Emmanuelle de la Villon aus den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts. Rätselhaft verschlüsselt die «Kamera auf der Place de la Concorde» von Gustav Le Gray aus dem Jahr 1852. Oder als Dokumente der Sozialgeschichte: schuftende Arbeiterinnen in einer Kohlemine oder müde Menschen im Pariser Nachtasyl.

Während die genannten Werke einen Querschnitt durch den Reichtum der Sammlung zeigen, treten die weiteren Bildgruppen in Dialog mit den Basler Museen. Verblüffend die Bilder zum Naturhistorischen: Das Bild des in Belgien gefundenen Dinosaurierskeletts hängt da neben der mikroskopischen Aufnahme eines Fliegenflügels, neben Aufnahmen von Schneeflocken.

1890 versuchte ein Fotograf namens Mousette «Elektrizität» fotografisch zu bannen. 1903 machte Henri Becquerel dasselbe mit «Radioaktivität». Das ist experimentelle Fotografie, lange bevor dieser Begriff erst geprägt wurde.

Basel, Ägypten, China

Bezug nehmend zum Historischen Museum und zum Kirschgarten Museum zeigt die Ausstellung historische Bilder aus Basel, allesamt aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Etwa die Luftaufnahme von Basel, der offene Birsiglauf an der heutigen Sattelgasse oder die Barfüsserkirche als «Ankenmarkt». Fotografien von Kunstwerken und Künstlern stellen den Bezug zu den entsprechenden Museen her, etwa Arnold Böcklins «Grotesken» oder Holbeins liegender Leichnam Christi.

Bilder ägyptischer und griechischer Artefakte zeigen, dass die Sammlung auch das Potenzial zur Kooperation mit dem Antikenmuseum oder der Sammlung Ludwig hätte. Und schliesslich grüssen Felice Beatos Fotografien aus dem China im Jahr 1860 die heutige Sammlung im Museum der Kulturen.