Es hat lange gedauert, bis die Basler Juden ihre Toten endlich auf Dauer auf einem Friedhof in Basel bestatten konnten. «Basel war nicht glücklich, dass es dort Juden gab, und es war schwierig, ihn zu bekommen», kommentiert Edouard Selig, Bibliothekar der Israelitischen Gemeinde Basel. Heute besteht sie aus 950 erwachsenen Mitgliedern.

Seit 1903 befindet sich der Israelitische Friedhof in der Theodor Herzl-Strasse im Iselin-Quartier, ein lang gestrecktes, schmales Grundstück, das direkt an die Familiengärten in Frankreich grenzt. Vorher gab es zwar schon zweimal jüdische Friedhöfe in Basel, aber beide waren nicht von Dauer: Der erste wurde 1264 in einer Verkaufsurkunde des Stifts St. Peter erwähnt, aber bei den Judenpogromen 1348 zerstört. Der zweite entstand 1394 beim Hirschgässlein – aber schon 1397 verliessen die Basler Juden die Stadt wieder.

Ab 1673 mussten sie ihre Toten im elsässischen Hégenheim bestatten. Das Grundstück hatte Hannibal von Bärenfels, der Grundherr des Dorfes, der jüdischen Gemeinde verkauft. Der Friedhof wurde beständig erweitert, umfasst heute zwei Hektaren und soll zwischen 7000 und 8000 Gräber beherbergen.

Er ist Eigentum des Consistoire Israelite du Haut-Rhin in Colmar, wird aber von der israelitischen Gemeinde Saint-Louis betreut. Er befindet sich am Ortsausgang von Hégenheim und hat einen eigentümlichen Charme. Viele Grabsteine sind im Laufe der Jahrhunderte umgestürzt. Insbesondere der älteste Teil neben dem Flüsslein Lertzbach hat unter häufigen Überschwemmungen, aber auch unter Diebstählen und vorsätzlichen Zerstörungen gelitten.

Grabsteine als Kellerfundament

«Dort sind kaum mehr Grabsteine. Wir haben aber Grabungen gemacht und sind auf Gebeine gestossen», erzählt der langjährige, heute pensionierte Rabbi von Saint-Louis, Marc Meyer. Einmal habe er sogar einen Anruf von einer Dame erhalten, die jüdische Grabsteine in ihrem Keller als Fundament gefunden habe. Der Friedhof ist durch eine Mauer von der Strasse abgetrennt, der Zugang erfolgt über eine neue Tür und Pforte. Direkt dahinter befindet sich ein Haus, in dem früher der Friedhofswärter wohnte, das auch renoviert werden müsste. Nur fehlt der kleinen Gemeinde von Saint-Louis mit ihren 200 bis 250 Mitgliedern das Geld dafür.

«Am liebsten würden wir wieder jemanden finden, der das Gebäude bezieht und sich um den Friedhof kümmert, aber das ist schwierig», sagt Meyer. Dass Hannibal von Bärenfels der Gemeinde 1673 ein schlechtes, unebenes Grundstück verkauft hat, hat sich im Nachhinein als Glücksfall erwiesen. Als die Nazis im Zweiten Weltkrieg das Elsass besetzten, wollten sie daraus einen Fussballplatz machen, verzichteten aber schliesslich darauf.

Ein Drittel der Einwohner Juden

Der Friedhof wurde von 50 jüdischen Gemeinden aus dem Elsass und der Nordwestschweiz genutzt, ja sogar Gräber von Verstorbenen aus Bern finden sich dort. Heute gibt es in Hégenheim keine Israelitische Gemeinde mehr – Mitte des 19. Jahrhunderts stellte sie mehr als ein Drittel der 2151 Einwohner. Heute finden noch zwei bis drei Bestattungen im Jahr auf dem Friedhof statt.

Der jüdische Friedhof im elsässischen Hégenheim wurde 1673 gegründet. Hier wurden nicht nur Verstorbene aus der Region Basel bestattet, sondern sogar aus Bern. 7000 bis 8000 Gräber soll es dort geben.

Der jüdische Friedhof im elsässischen Hégenheim wurde 1673 gegründet. Hier wurden nicht nur Verstorbene aus der Region Basel bestattet, sondern sogar aus Bern. 7000 bis 8000 Gräber soll es dort geben.

Die Nähe zum Bach wurde gewählt, da für die Waschung des Toten viel Wasser benötigt wird. Diese, die Totenzeremonie und auch das Beschneiden der Nägel wird für Männer von einer Männergruppe und für Frauen von Frauen vorgenommen. Die Gräber sind in der Regel Richtung Osten nach Jerusalem ausgerichtet. Während die Grabsteine lange Jahrhunderte nur auf Hebräisch beschrieben waren, kam mit der zunehmenden Integration der Juden Deutsch und Französisch dazu.

Zur Erinnerung an die Toten legen die Angehörigen kleine Steine auf das Grab. Dies soll auch damit zusammenhängen, dass die Verstorbenen in Israel in der Wüste ohne Sarg bestattet wurden und man Steine auf die Gräber legte, damit die Toten nicht von wilden Tieren ausgegraben wurden. Bewusst wird bei der Bestattung auf Prunk verzichtet. Edouard Selig findet das richtig: «Das Geld soll man für die Lebenden ausgeben», sagt er. Der Sarg ist einfach und schlicht und für alle Verstorbenen gleich. Sie werden zudem in ein weisses Leinengewand gekleidet.

Jüdische Friedhöfe und Gräber werden nie aufgehoben und bleiben ewig bestehen – daher auch die Notwendigkeit, sie beständig zu vergrössern. «Wir warten auf den Messias und glauben an die Wiederauferstehung», gibt Selig die religiöse Begründung. Auf dem Friedhof im Iselin-Quartier hat es noch Platz. Von 4800 Gräbern sind erst 3700 belegt.