Wirtschaftsförderung

Basels Kreativschaffende sehen Kunst als Widerspruch zum Kommerz

Der Basler Technologiepark ist lediglich zu 60 Prozent der Büroflächen gefüllt.

Der Basler Technologiepark ist lediglich zu 60 Prozent der Büroflächen gefüllt.

Basels Kreativszene tut sich schwer damit, nach den Rezepten von Wirtschaftsförderern zu funktionieren. Andere Projekte, die Gelder aus demselben Topf beziehen, laufen besser.

Am Ende der Stadt, fern von den Blicken der breiten Öffentlichkeit, steht das Stücki Businesscenter. Der schwarze, wuchtige Bau neben dem gleichnamigen Einkaufszentrum an der Hochbergerstrasse ist nicht gerade ein Erfolgsprojekt. Die Swiss Prime Site AG hat das Gebäude Ende 2009 erworben und fertiggestellt – und noch immer stehen vierzig Prozent der Fläche leer. SPS-Sprecherin Nicole Stamm sagt, man sei sich beim Kauf bewusst gewesen, dass es nicht ganz einfach werden würde, das Gebäude zu vermieten. Grund sei die Marktsituation in Basel. Es gebe zu viele Büroflächen.

Kanton bietet Büros und Labors an

Büros in der Stadt können sich aber nicht alle leisten. Insbesondere Jungunternehmer sind während der Startphase ihrer Firma nicht in der Lage, grosse Summen in Räumlichkeiten zu investieren. Für sie bietet der Kanton im Stücki Business Park Büros und Labors an. Mit den Projekten «Technologiepark» und «Inkubator» ist Basel-Stadt der zweitgrösste Mieter im halbleeren Park. Inkubator und Technologiepark gehören zu jenen 13 Vorhaben, die von Geldern aus dem Standortförderungsfonds des Kantons profitieren, den es seit 2006 gibt. Aus dem selben Fonds speist sich die Initiative Kreativwirtschaft (IKB). Für den Inkubator wurden für die Jahre 2009 bis 2014 985 000 Franken gesprochen, für den Technologiepark 6,6 Millionen für einen Zeitraum von zehn Jahren.

Eine Million Franken für IKB

Während vom Inkubator und vom Technologiepark kaum je gesprochen wird, steht die IKB im Fokus der Aufmerksamkeit. Sie erhielt für die Jahre 2010 bis 2013 eine knappe Million Franken zugesprochen. Doch kreativ und kommerziell, das will irgendwie nicht so recht zusammenpassen. Im Herbst 2012 musste die IKB eine mediale Kritik-Lawine über sich ergehen lassen. Die skeptischen Stimmen kamen aus der Politik, aus der Kreativ-Szene und von der Ombudsstelle Basel-Stadt, welche die Vergabepraxis als fragwürdig bezeichnete.

Die IKB hat es ungleich schwerer als andere Projekte, die Gelder aus dem Standortförderungsfonds beziehen. Das mag damit zusammenhängen, dass die Initiative Neuland betreten hat und ihre Angebote entweder schon vorhanden waren oder nicht zur Zielgruppe passen. Offensichtlich ist aber auch, dass klassische Wirtschaftsförderung in anderen Bereichen ganz einfach besser etabliert ist und mit grösserer Selbstverständlichkeit in Anspruch genommen wird.

Inkubator stösst auf positives Echo

Der Inkubator, ein Angebot für Spin Offs der Universität und der Fachhochschule, stösst mehrheitlich auf positives Echo. Als Betreiber treten neben dem Kanton die Uni, die Fachhochschule und die Start-up-Agentur Eva auf. 13 Firmen sind derzeit eingemietet. Leiter Peter Burckhardt spricht von einem Erfolg. Die Firmen würden von Coaching und gegenseitigem Austausch profitieren. Das Angebot komme sehr gut an.

Gleich neben dem Inkubator findet sich der Technologiepark, der von acht Unternehmen genutzt wird. Er richtet sich an Start-ups aus der Life-Sciences-Branche und der chemischen Industrie sowie aus der Umwelt-, Informations- und Kommunikationstechnologie. Das Wirtschafts-Departement kündigte Ende Jahr eine «substanzielle Erweiterung» des Technologieparks an. Nun steht fest: 2014 wird die Fläche von heute 1400 Quadratmeter auf 3000 Quadratmeter mehr als verdoppelt. Der Grund: Das Projekt war bereits ein Jahr nach seinem Start Ende 2011 zu 85 Prozent ausgelastet. Der Ausbau kostet rund fünf Millionen Franken. Massnahmen, um neue Firmen anzuwerben, seien nicht geplant, erklärt Nina Ryser, Geschäftsführerin des Technologieparks.

Rechtfertigen muss sich Ryser kaum. Der Erfolg des Technologieparks misst sich nach der Auslastung. Die Medienberichterstattung ist wohlwollend. Eine externe Evaluation ist, im Gegensatz zur IKB, nicht vorgesehen. Inkubator-«CEO» Peter Burckhardt beurteilt allein, ob das Projekt ein Erfolg ist oder nicht. Einen öffentlichen Geschäftsbericht gibt es nicht. Zahlen zu den Mietkonditionen werden ebenso wenig veröffentlicht.

IKB geht es um finanziellen Erfolg

Kreativwirtschafts-Chef Martin Heller und IKB-Geschäftsführer Raphael Rossel hingegen konnten mittlerweile Erfahrung darin sammeln, kritische Fragen zu beantworten. Dem Projekt fehlt der Rückhalt in der Kreativ-Szene. Heller und Rossel wiederholen gebetsmühlenartig, dass es nicht um Kultur-, sondern um Wirtschaftsförderung gehe.

Heller und sein Team haben die Förderstrukturen der IKB mittlerweile überarbeitet. Heller betont gegenüber der «Schweiz am Sonntag» nochmals, dass sich Designer keine Projektförderung erhoffen können. Der IKB geht es insbesondere um Coaching, um das Erstellen von Businessplänen oder die Kontaktpflege mit Medien.

Der Basler Wirtschaftsförderer Samuel Hess sieht den Grund, warum die IKB so harzig angelaufen ist, darin, dass viele Kreativschaffende Kunst und Kommerz als Widerspruch sehen und mit dieser Form von Förderung nicht vertraut seien. «Mit der Schärfung des Profils der IKB sollen nur noch Kreative angesprochen werden, die zur Zielgruppe gehören», sagt Hess. Bei der IKB gehe es nicht um Selbstverwirklichung, auch wenn diese für den Einzelnen wichtig sein könne, sondern um finanziellen Erfolg.

So soll sich die IKB bald bei jenen Projekten einreihen, die seit 2006 stattfinden. Unauffällig genug, um keine Kritik zu provozieren. Aber präsent genug, um dem Label Standortförderung zu genügen.

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