Europäische Universität

Basels vier Partner-Universitäten gehen fremd – Uni Basel schaut in die Röhre

Im Gegensatz zu Basel darf sich die Adam-Mickiewicz Universität in Posen jetzt europäisch nennen.

Im Gegensatz zu Basel darf sich die Adam-Mickiewicz Universität in Posen jetzt europäisch nennen.

Die Partner-Universitäten der Uni Basel schliessen sich mit anderen europäischen Unis zusammen, um als Europäische Universität anerkannt zu werden und an EU-Fördermittel zu kommen. Die Uni Basel bleibt da aussen vor.

Sie haben es tatsächlich geschafft. Basels vier Partner-Universitäten Strassburg, Karlsruhe, Freiburg und Mulhouse gehen fremd und schliessen sich mit den Unis von Thessaloniki, Amsterdam, Posen und Wien zusammen. So schaffen sie die Voraussetzungen, um als Europäische Universität anerkannt zu werden und an EU-Fördermittel im Rahmen der Lehre zu kommen.

Basel schaut dabei in die Röhre. Das aber liegt nicht an der vermeintlichen Untreue der Partner, sondern an der Schweiz und am Bund. Voraussetzung, um eine von 20 Europäischen Universitäten zu werden, die bis 2024 angestrebt werden, ist die Mitgliedschaft von mindestens drei Universitäten aus der EU oder der Mitgliedschaft im Förderprogramm Erasmus+.

Beides hat die Schweiz derzeit nicht zu bieten. So kommt es zur paradoxen Situation, dass die Uni Basel als Gründungsmitglied des European Campus, in dem die fünf Universitäten vom Oberrhein seit gut drei Jahren intensiv zusammenarbeiten, am Projekt Europäische Universitäten nicht beteiligt ist.

Das ist bitter, zumal die Partnerunis teils renommierte Universitäten mit ins Oberrhein-Boot geholt haben. So geniesst die Universität von Amsterdam, gegründet 1632, in Forschung und Lehre hohe internationale Reputation. In aktuellen Rankings nimmt die Volluniversität einen Platz unter den 20 führenden europäischen Universitäten ein.

Grösste griechische Universität

Die Adam-Mickiewicz Universität Posen gehört zu den drei führenden polnischen Universitäten und die Aristoteles Universität Thessaloniki ist mit ihren 74'000 Studierenden die grösste griechische Universität. Die Universität für Bodenkultur Wien versteht sich als Lehr- und Forschungsstätte für erneuere Ressourcen und Nachhaltigkeit.

Unter dem Namen EPICUR für «European Partnership for an Innovative Campus Unifying Regions» haben die acht Partner ihre gemeinsame Bewerbung in der European Universities Initiative bei der Europäischen Kommission eingereicht. Im Zentrum der Kooperation stünden die digitale Transformation der Lehrformen sowie der Ausbau der Mobilität, heisst es in einer Medienmitteilung der Universität Freiburg.

Hans-Jochen Schiewer, Rektor der Universität Freiburg, drückt das so aus: «Mit EPICUR bringen wir Universitäten aus ganz Europa zusammen, die in ihren jeweiligen Regionen lange Traditionen der grenzüberschreitenden und interkulturellen Kooperation haben. Neue Lernformate im europäischen Dialog zu entwickeln, ist für alle Beteiligten ein grosser Gewinn und eröffnet unseren Studierenden einzigartige Möglichkeiten, im europäischen Bildungsraum zu studieren und Abschlüsse zu erwerben.»

Dass die Universität Basel in der European Universities Initiative nicht antragsberechtigt ist, wird in der Medienmitteilung der Uni Freiburg ausdrücklich erwähnt. «Das regionale Modell des trinationalen Universitätsverbundes Eucor – The European Campus – bleibt unverändert bestehen und wird konsequent weiterentwickelt.» Dabei mag die Oberrhein-Struktur zwar «ein Vorreiter in der grenzüberschreitenden, regionalen Hochschulkooperation» bleiben, wie es heisst, aber zumindest die europäische Musik spielt in Zukunft woanders.

Von Basel ist nicht die Rede

Das zeigt auch die englischsprachige Medienmitteilung der Universität Strassburg zur Gründung von EPICUR. Eine neue Generation kreativer Europäer soll da ebenso hervorgebracht werden wie die «Qualität, internationale Wettbewerbsfähigkeit und die Attraktivität Europäischer Hochschulbildung» gesteigert werden.

Die Initiative zu EPICUR ging von der Universität Strassburg aus. In ihrer Medienmitteilung ist von Basel nicht mehr die Rede. Mediensprecherin Christine Guillot verweist darauf, dass zentrale Projekte wie Quantentechnologie und Personalisierte Medizin weiterhin im Zentrum der Uni-Kooperation am Oberrhein stehen. Erst kürzlich sei der neue Strategieplan 2023 für den European Campus verabschiedet worden.

Matthias Geering, Mediensprecher der Universität Basel, sieht die Entwicklung derweil gelassen. «Die wirkliche Zusammenarbeit betrifft die Forschung und läuft heute auf der Ebene von Eucor am Oberrhein ausgezeichnet. Wir haben in der Quantentechnologie grosse Fortschritte erzielt, die wir in Kürze kommunizieren werden.» Dort würden schon Drittmittel in Millionenhöhe fliessen. «In der Forschung geht es schnell,» so Geering weiter.

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Autor

Peter Schenk

Peter Schenk

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