Fussball
Basels Wunderkind trifft dreifach – die Black Stars verdienen riesigen Respekt

Youngster Embolo trifft im Cupspiel in Winterthur dreimal für den favorisierten FCB. Erstligist Black Stars hält nach der regulären Spielzeit ein 1:1 gegen den FC Zürich. In der Verlängerung schiesst Chermiti nach wenigen Minuten den Siegtreffer.

Patrik Bieli, Von François Schmid-Bechtel und Sebastian Wendel
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FC Winterthur - FC Basel
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Basler Jubel vor der Bierkurve in Winterthur.
Kakitani spielt an Hajrovic vorbei.
Getümmel im Winterthurer Strafraum

FC Winterthur - FC Basel

Keystone

Für einmal hat FCB-Trainer Paulo Sousa in seiner Nachbetrachtung das Wort «Prozess» vermieden. Dabei hätte es nach dem 4:0 gegen Winterthur prima gepasst. Schliesslich hat Sousa mit seinem FC Basel eine schwierige Woche hinter sich.

Erst das 1:3 gegen GC. Danach das 1:5 gegen Real Madrid. Und wie das so ist bei einem grossen Klub wie dem FC Basel, kommt zwangsläufig Kritik auf, wenn die Resultate ernüchternd sind.

«Die Erwartungshaltung rund um den FC Basel ist sehr, sehr gross. Das haben wir in der letzten Woche erfahren», sagte Sousa. Also auch ein Prozess für ihn selbst. Aber nicht nur. «Der Druck war sehr gross. Ich bin glücklich, wie meine Spieler damit umgegangen sind.»

Klammern wir mal die ersten 15 Minuten aus – was man dem FCB nach der Demontage in Madrid durchaus zugestehen soll –, haben wir gestern einen fokussierten und einen seriösen FCB gesehen. Einen FCB, der nicht wie die Young Boys (0:1 gegen Buochs) den unterklassigen Gegner unterschätzt hat.

Oder um es mit den Worten von Winterthur-Trainer Jürgen Seeberger zu formulieren: «YB hat ein falsches Signal ausgesendet. Beim FCB hingegen lautete das Motto: Ausscheiden verboten. Das hat man gleich gespürt.» Sein Antipode Sousa sagt dazu: «Es ist unsere Pflicht, dass wir jeden Gegner ernst nehmen und uns auf jedes Spiel seriös vorbereiten. Das sind wir allein schon unseren Fans schuldig.»

Zwar bedauerte Seeberger, dass der FCB ohne zwingende Möglichkeit zum ersten Treffer gekommen ist – Elneny erzielte mit einem Aufsetzer sein zweites Tor im 81. Spiel für den FCB. Aber was Seeberger danach gesehen hat, war phasenweise grosse Klasse.

Insbesondere, was der erst 17-jährige Breel Donald Embolo auf den Rasen zauberte. Allein mit seinen drei Treffern zwischen der 36. und 67. Minute avancierte Embolo so etwas wie zum Brandlöscher beim zuletzt durchgeschüttelten FC Basel.

Grösser als Kubi und Chappi?

Es wäre falsch, Embolo nach seinem Gala-Auftritt als Neuentdeckung zu feiern. Schliesslich benötigte er bei seinem Super-League-Debüt am 26. März (5:0 gegen Aarau) nur vier Minuten für sein erstes Tor. Und beim FCB schwärmen sie schon lange von den Qualitäten des in Kamerun geborenen Stürmers. Aber Embolo hat unterdessen bewiesen, dass er die wohl grösste Schweizer Stürmerhoffnung ist seit Stéphane Chapuisat und Kubilay Türkyilmaz.

Das mag jetzt vielleicht etwas gar euphorisch tönen. Schliesslich gibt es etliche Fussball-Wunderkinder, die gescheitert sind. Denken wir nur an Johan Vonlanthen, den jüngsten EM-Torschützen aller Zeiten. Oder den Amerikaner Freddy Adu, der schon mit 14 einen Millionenvertrag mit Nike unterschrieb. Talent allein ist also noch keine VIP-Eintrittskarte. Aber Embolo ist so was von begabt und demütig, dass ein Scheitern schlicht undenkbar scheint.

Der Schweizer Fussball hat in der Neuzeit keinen 17-jährigen Stürmer gesehen, der so komplett ist wie Embolo. Es sind nicht allein seine Füsse, die faszinieren. Sondern auch seine Beweglichkeit, seine physische Präsenz, seine Schnelligkeit, sein Durchsetzungsvermögen, seine Härte im Zweikampf – und sein Kopf.

Denn das Gespür für die richtigen Laufwege entwickelt sich bei einem Stürmer in der Regel erst ab 20 oder noch später. Embolo indes hat diesbezüglich in den letzten Monaten erstaunliche Fortschritte erzielt. Kurz: Er bewegt sich auf dem Platz, als habe der Beamte beim Ausstellen von Embolos Geburtsurkunde zu tief ins Glas geschaut und aus einer 0 eine 7 gemacht: 1997 statt 1990.

Und was sagt der Hochgelobte selbst? Sein dritter Treffer, ein Schuss aus spitzem Winkel, sei nicht beabsichtigt gewesen. «Ich wollte eigentlich flanken.» Und auf die Frage eines unbedarften Videojournalisten, ob er wütend ins Spiel gegangen sei, weil er in Madrid nicht gespielt habe, sagte Embolo: «Ich habe in Madrid doch gespielt. Und ich bin nie wütend.» Sein Trainer wollte sich gesern nicht speziell über ihn äussern.

Das hat er schon nach dem ersten Saisonspiel (2:1 in Aarau) gemacht: «Embolo hat eine unglaubliche Kraft und ein grosses Spielverständnis – ich liebe alles an ihm. Er ist unsere Gegenwart und unsere Zukunft.»

Black Stars nahe an der Sensation

Während für Black-Stars-Trainer Samir Tabakovic als Trainer eines 1.-Liga-Classic-Vereins Pressekonferenzen an sich eine aussergewöhnliche Situation darstellen, war für den Zürcher Übungsleiter Urs Meier einzig das improvisierte Zelt gewöhnungsbedürftig, in welchem er einer Handvoll Journalisten Red und Antwort zu stehen hatte. Das Ganze nach der knappen 1:2-Niederlage der Gastgeber nach Verlängerung.

Doch so gross der Unterschied in Bezug auf die Professionalität zwischen dem Quartierverein und dem aktuellen Super-League-Spitzenreiter auch ist, auf dem Rasen war nicht viel davon zu sehen. Den besseren Start erwischten sogar die Gastgeber.

Valon Muslija hätte bereits nach drei Minuten die Führung erzielen können, scheiterte aber alleine vor FCZ-Hüter David Da Costa. Wenig später wusste sich der Zürcher Verteidiger Nico Elvedi gegen Valentino Fazio nur noch mit einem Handspiel zu helfen.

Den fälligen Elfmeter verwandelte Stiven Petrovic souverän. In der Folge kamen die Gäste zwar immer stärker ins Spiel und glichen durch Franck Etoundi noch vor der Pause aus. Doch dank einer geschlossenen Mannschaftsleistung und einigen Glanzparaden von Torwart Eldin Beganovic, welchem Meier «das Spiel seines Lebens» attestierte, hielt das Remis auch nach der regulären Spielzeit noch Bestand.

Beherzter Auftritt

Ein Grossteil der 1420 Zuschauer auf der verregneten Schützenmatte goutierte dies mit Standing Ovations. In der Verlängerung sorgte der eingewechselte Amine Chermiti dann für die Entscheidung zugunsten des Favoriten.

«Nur gerade drei Minuten vor der Einwechslung von Abwehrchef Wilson Cardoso», ärgerte sich Tabakovic über den Zeitpunkt dieses Treffers. «Er hätte ihn vielleicht verhindern können.» Nichtsdestotrotz zeigte sich der Black-Trainer stolz über die Leistung seiner Schützlinge: «Wir haben den Leader der Super League an die Grenze einer Niederlage gebracht.»

Und auch Meier zollte den Baslern Respekt: «Kompliment an die Black Stars, sie legten einen beherzten und spielstarken Auftritt an den Tag.» Dass seine Spieler gegen einen Unterklassigen derart Mühe bekundeten, erklärte er sich aber auch durch die «fehlende Effizienz im Abschluss» und «dien vielen Rotationen in der Aufstellung», welche er nach dem Europa-Cup-Spiel vom letzten Donnerstag gegen Apollon Limassol vorgenommen hat.

Ein in allen Belangen gelungenes Cup-Fest war es aber trotzdem nicht. Die Partie wurde als Hochrisikospiel eingestuft und mit einem entsprechenden Grossaufgebot an Polizisten versehen. Zu Recht, wie sich kurz nach der Pause zeigte, als etliche Zürcher «Fans» ihre Stehplätze verliessen, um sich vor dem Stadion mit Basler Chaoten zu prügeln.