Frau Ritter, es ist jetzt das dritte Jahr seit dem Neubau. Stellt sich da schon Routine ein?

Sylvie Ritter: Bis zu einem gewissen Grad, ja. Wir haben jetzt die Erfahrung von zwei Messen, aber es ist noch immer sehr aufregend. Seit dem Neubau von 2013 hat die Baselworld eine ganz andere Dimension bekommen, die Bedeutung hat enorm zugenommen. Das wird klar, wenn man noch etwas weiter zurückblickt. Wir haben kürzlich Fotos von der Messe vor 10 Jahren angeschaut. Das war eine andere Welt.

Die Baselworld öffnet ihre Pforten

Die Baselworld öffnet ihre Pforten

Sie haben viel erreicht. Ein Grund, etwas zurückzulehnen?

Nein, das heisst nicht, dass wir ausruhen. Die Nummer 1 werden ist zwar eine grössere Herausforderung, aber die Nummer 1 zu bleiben, ist eine noch grössere. Auch wenn alles gut läuft, muss man sich immer wieder infrage stellen und sich neu erfinden.

Ein Beispiel?

Bisher war die Messe in Sektoren gegliedert: Uhren, Schmuck, Edelsteine. Neu richten wir uns vermehrt nach dem Bekanntheitsgrad der Marke, unabhängig vom Produkt. Wir richten uns nach den Einkäufern, denen dadurch ihre Arbeit erleichtert wird.

Für den Endkunden vielleicht ein Nachteil?

Sagen wir so: Im Prinzip ist die Baselworld eine Fachmesse. Aber sie ist offen für das Publikum, und natürlich sind auch Endkunden willkommen. Als Besucher können Sie hier nichts kaufen. Die neuen Produkte findet man ab September-Oktober im Fachhandel.

Konjunktur: Welche Rückmeldungen haben Sie von Ausstellern?

Im Moment sind alle gespannt. Die Rückmeldungen sind noch immer sehr positiv, die wichtigsten Einkäufer sind da. Die aktuelle unklare Wirtschaftslage erlaubt es aber niemandem, wirklich positive oder negative Prognosen zu machen. Die Ökonomen würden sagen: Die Visibilität ist nicht optimal.

Haben sich gegenüber dem Vorjahr Schwerpunkte verlagert?

Ja, leicht. Weltweit sind Uhren oder Schmuck unter 15'000 bis 20'000 Franken sehr gefragt, während die Nachfrage im obersten Preissegment im vergangenen Jahr etwas nachgegeben hat. Der Markt bei sehr teuren Einzelstücken ist etwas verhaltener.

Und wie ist es um das preisgünstige Segment bestellt?

Sehr gut. Eine Marke wie Tissot verzeichnet beispielsweise nicht nur in der Schweiz, sondern auch weltweit eine kräftige Nachfrage. Der Messe selbst wird man diese leichten Verschiebungen nicht anmerken, das ist nicht sichtbar. Wir decken den Markt in seiner ganzen Breite und Tiefe ab, und das wird in diesem Jahr auch wieder der Fall sein.

Hat das riesige Interesse der Medien, insbesondere der asiatischen, angehalten?

Wir erwarten über 4000 Journalisten, also mehr als im Vorjahr. Und deshalb wird auch die mediale Resonanz grösser sein als je zuvor. Das hängt damit zusammen, dass viele Marken exklusiv an der Baselworld ausstellen und hier ihre Neuheiten präsentieren.

Die Baselworld wurde seit der Aufgabe der Euro-Frankenbindung mit einem Schlag rund 10 Prozent teurer. Wie merken das die Aussteller?

Produzenten in der Schweiz spüren das natürlich, weil die Produktionskosten mehrheitlich in Franken anfallen, Erträge aber in meist schwächeren Währungen. Aber auf die Baselworld hatte die Frankenstärke direkt keine Auswirkung. Die Rechnungen sind schon bezahlt.

Und die Auswirkungen auf das Gastgewerbe?

Wenn die Gäste hier sind, dann müssen sie konsumieren. Wir wissen auch, dass die Aussteller, die Besucher und die Journalisten die Stadt nicht so gerne verlassen und etwa ins grenznahe Elsass oder Südbadische essen gehen. Ich habe nicht von Fällen gehört, dass ein Aussteller wegen der Frankenstärke sein Diner oder seinen Marken-Event ins Ausland verlagert hätte.

Welches sind eigentlich die Faktoren, die für den Messeerfolg eine Rolle spielen?

Als Messeorganisator muss man ganz genau verstehen, was die Aussteller brauchen, um ihre Geschäfte abwickeln zu können. Dazu brauchen sie Einkäufer, und diese wiederum wollen ein gutes Ambiente. Es ist wichtig, dass die Einkäufer eine gute Zeit verbringen, und zwar als Menschen. Sie sollen gerne wiederkommen. Dazu müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Das ist unsere Hauptaufgabe. Wir müssen auch erkennen, welches die Bedürfnisse der einzelnen Sektoren, also Uhren, Schmuck, Edelsteine und verwandte Branchen, haben.