Messe
Baselworld-Direktorin Sylvie Ritter: «Wir wollen nicht möglichst viele, sondern die richtigen Aussteller»

Die angespannte Lage der Uhren- und Schmuckbranche geht auch an der Baselworld, die in diesem Jahr anstatt 1500 nur 1300 Aussteller zählt, nicht spurlos vorbei. Messeleiterin Sylvie Ritter erklärt den Rückgang.

Stefan Schuppli
Drucken
Teilen
Messeleiterin Sylvie Ritter

Messeleiterin Sylvie Ritter

Kenneth Nars

Die Uhren- und Schmuckindustrie hat zum Teil eine eher schwierige Zeit hinter sich. Wie geht es der Branche, nach Ihren Erkenntnissen und Rückmeldungen?

Sylvie Ritter: Es ist effektiv so, dass die weltweite Uhren- und Schmuckbranche seit Sommer 2015 nicht mehr die Zuwachsraten hat, die sie in den sehr guten vergangenen vier Jahren vorweisen konnte.

Also: Es gab einen ziemlich starken Einbruch ...

Ja, aber im Moment stellen wir wieder eine leichte Erholung fest, insbesondere bei den grossen Marken. Da hat die sogenannte Bodenbildung stattgefunden. Aber ich bin der Meinung, dass es in den kommenden Jahren im Markt zu einer weiteren Konsolidierung (Zusammenschlüsse, Schliessungen, Abbau; die Red.) kommen wird.

Weshalb und in welchem Bereich?

Die grossen Marken werden Marktanteile gewinnen, die kleinen, die weltweit nicht so etabliert sind, werden wahrscheinlich weitere Marktanteile verlieren. Wobei der Preisdruck weniger ein Thema ist als das Bestehen auf dem Weltmarkt. Die grossen Marken sind viel besser positioniert. Der Trend in Richtung grosser Marken ist weltweit vorhanden, sei es bei Kleidern, Uhren, Schmuck, sogar bei Esswaren.

Inwiefern spürt das die Baselworld?

Die Baselworld bildet ja diesen weltweiten Uhren- und Schmuckmarkt ab, und innerhalb der letzten Jahre ist es bereits zu einer Konsolidierung gekommen. Die etablierten Marken gewinnen auf Kosten der kleinen Konkurrenten. Im Uhrenbereich stellen wir ausserdem einen Rückgang von Fashion Brands fest. Einige Firmen haben sich aus diesem Uhrengeschäft zurückgezogen.

Wie etwa Emporio Armani oder Burberry?

Wir nennen keine Namen. Auch kleinere haben sich zurückgezogen und stellen an der Baselworld nicht mehr aus. Im Schmuckbereich ist es etwas anders. Der Konsolidierungsprozess hat sich verstärkt, aber hier eher wegen der Fragmentierung, der Kleinteiligkeit des Marktes.

Wie hat sich die Zahl der Aussteller entwickelt?

Es gab eine Abnahme. 2015 und 2014 waren es 1500 Aussteller, jetzt sind es noch 1300. Aber es ist nicht nur eine negative Entwicklung, sie ist zum Teil auch gewollt. Wir wollen nicht möglichst viele, sondern wir wollen die richtigen Aussteller. Anfangs der 2000er-Jahren hatten wir 2500 Aussteller. Wir waren bestrebt, die Zahl zu reduzieren. Wir wollten die besten und wichtigsten in jedem Sektor.

Was war der Grund für die Reduktion gegenüber dem Vorjahr?

Wir benützen die Halle 4.U nicht mehr. Das hatte sich nicht bewährt. Da passte nicht in das Konzept der Baselworld. Dort hatten Kleinstfirmen im Schmuckbereich ausgestellt. Die hatten ein «Einstiegsangebot» bekommen. Alleine der Wegfall der Halle 4.U bewirkte, dass wir 100 Aussteller weniger haben.

Es gibt das Gerücht, dass die Baselworld vorsorglich leere Ladenflächen und Ausstellungsräume gemietet hat, damit sich keine Aussteller als Trittbrettfahrer installieren können. Stimmt das?

Nein. Was aber stimmt, ist, dass sich Firmen aus wirtschaftlichen Gründen anderswo beispielsweise in Hotelzimmer einmieteten.

... wie etwa Mondaine, die sich im Zweiradladen Cenci in unmittelbarer Messenähe eingerichtet hat.

Erfahrungsgemäss kommen diese Firmen nach zwei bis drei Jahren wieder zurück. Das Problem, welches die Aussteller ausserhalb der Messe haben, ist, dass die Einkäufer die Halle erst gegen Abend verlassen. Die Budgets für den Einkauf sind dann oftmals schon erschöpft. Fremdeinmietungen haben übrigens eine recht lange Tradition.

Was macht die Baselworld denn so speziell?

Die Qualität der Einkäufer, die hierher kommen, es sind die wichtigsten Uhren- und Schmuckeinkäufer der ganzen Welt. Nicht zu unterschätzen ist der mediale Impact, es kommen über 4000 Journalisten aus aller Welt. Es werden hier zahlreiche Neuheiten lanciert. Und es sind alle Sektoren der Branche in der ganzen Breite vorhanden.

Verändern sich die Schwergewichte? Stichwort Internet-verbundene Uhren, Stichwort Samsung?

Die neuen Technologien werden auch die Baselworld prägen. Die Messe hat sich in den 100 Jahren ihres Bestehens immer dem Markt angepasst. Das ist ein Teil der Erfolgsgeschichte der Aussteller. Sie sind flexibel auf die Weltmärkte zugegangen, und mit derselben Flexibilität werden wir auch die neuen Technologien integrieren, in enger Zusammenarbeit mit den Ausstellern und dem Markt, den wir abbilden. Die Baselworld war nie statisch und wird es auch nie sein. Es ist unser Ehrgeiz, Nummer eins zu bleiben und den anderen einen Schritt voraus zu sein.

Können Sie sich vorstellen, dass es irgendwann mal zu einer Abspaltung kommt der «connected features» also: «Internet of Things» und den Luxus-Schmuckstückuhren?

Nein. Es ist eher so, dass die Internetanwendungen alle Lebensbereiche durchdringen und integriert werden. Es wird viele Marken geben, die eine oder mehrere Linien mit «connected Watches» oder «inelligent jewellery» führen. Der Bereich wird sich sicher noch weiter entwickeln.

Was erachten Sie, abgesehen von einem Konjunktureinbruch, als die grösste Gefahr, die der Baselworld blühen könnte?

Die hohen Preise in der Schweiz. Das ist im internationalen Wettbewerb nicht sehr förderlich.

Ist die Baselworld mit den Hallenmietpreisen runter?

Nein. Aber wir haben Einsteigsangebote. Wichtig ist die Skalierung. Wir wollen für alle Grössen etwas zu bieten haben.

Was ist die grösste Chance für die Baselworld?

Sie war über Jahrzehnte die weltweit grösste Messe für Uhren und Schmuck. Das ist unter den heutigen Bedingungen eine grosse Chance. Wenn Uhren- und Schmuckmarken weltweit ihre Teilnahme an Messen hinterfragen, ist die Baselworld die letzte, die sie absagen. Die Messe in Freiburg (Deutschland) wurde abgesagt. Wenn es schlecht geht, sagt man von vier Messen pro Jahr vielleicht eine ab, aber nicht ausgerechnet die wichtigste. Ausserdem gilt die Schweiz als sicheres Land.

Aktuelle Nachrichten