Mit der gestrigen Ouvertüre der Basler Weihnacht begann sie wieder, die lichtdurchflutete, wohlige Zeit in Basels Einkaufsstrassen. Unter den 33 Lichterbögen in der Freien Strasse, unter diesen leuchtenden Sternen kommt unweigerlich Weihnachtsstimmung in der Haupteinkaufsmeile dieser Stadt auf – und das animiert natürlich auch zum Geschenkekaufen. Die Bögen während der Adventszeit sind Tradition und nicht wegzudenken aus dem weihnächtlichen Bild Basels.

Was viele indes nicht wissen: Die Lichter im Perimeter Freie Strasse, Streitgasse, Rüdengasse und Eisengasse werden nicht etwa vom Kanton Basel-Stadt, sondern vollumfänglich von den Mitgliedern des Vereins Weihnachtsbeleuchtung Freie Strasse finanziert. Und das bereits seit mehr als 50 Jahren. Damals gründeten die Anrainergeschäfte den Verein, um ihre Strassen während der Weihnachtszeit zum Strahlen zu bringen.

80'000 Franken Budget

Doch nun droht der beliebten Weihnachtsbeleuchtung in und um die Freie Strasse das Geld auszugehen. Zählte der Verein zu Spitzenzeiten mehr als 100 Mitglieder und Gönner und auch im Jahr 2002 noch deren 94, die mit ihren Beiträgen die Beleuchtung finanzierten, waren es im vergangenen Jahr nur noch 64. Die Tendenz ist weiter sinkend. Hans Spinnler, Präsident des Vereins Weihnachtsbeleuchtung Freie Strasse, sagt: «Es ist eine ganz heikle Zeit. Diese traurige Entwicklung rührt daher, dass an der Freien Strasse zunehmend internationale und nationale Ketten eingemietet sind.

Von dieser Seite besteht kein Interesse, Mitglied des Vereins zu werden und sich an den Kosten der Weihnachtsbeleuchtung zu beteiligen.» Es gestalte sich für ihn und sein Team als sehr schwierig, mit Unternehmen wie Inditex (Zara, Zara Home, Massimo Dutti) oder auch Apple in Kontakt zu treten. «Da ist, anders als früher bei den lokalen Geschäften, keine emotionale Bindung zu Basel da», so Spinnler weiter.

Nur einmal hat Spinnler etwas von Apple gehört, genau genommen von einem Anwalt des Elektronikunternehmens. Dieser verlangte, die Befestigung des Lichterbogens vom Gebäude an der Freien Strasse 47, wo der Milliardenkonzern eingemietet ist, zu entfernen. Der Verein musste daraufhin diese Befestigung um ein Haus versetzen.

Das Budget der Weihnachtsbeleuchtung Freie Strasse beträgt jährlich 80'000 Franken. Den grössten Posten machen dabei laut Spinnler die Löhne der Elektriker, Installateure und Transporteure aus sowie die Miete für das Lager, wo die 33 Bögen und nahezu 9000 Leuchtmittel das ganze Jahr über aufbewahrt werden. Spinnler und sein Team arbeiten, wie er sagt, ehrenamtlich.

Teureres Lager

Was die Situation noch verschärft hat, ist die Tatsache, dass das Lager jüngst gezügelt werden musste. Die Beleuchtung war bis anhin im Lysbüchel-Areal eingestellt; weil es dort nun zur grossen Umgestaltung kommt, musste ein neues Lager gefunden werden. «Da waren wir erfolgreich. Aber die Mietkosten sind am neuen Ort um 40 Prozent höher», sagt Spinnler weiter.

Der Präsident des Vereins hofft nun darauf, dass sich die Mitgliederzahlen in den kommenden Jahren wieder positiver entwickeln. «Andernfalls könnte das bald das Ende für die Weihnachtsbeleuchtung in der Freien Strasse und drumherum bedeuten.»

Es sei den «grosszügigen Zustüpfen» einer Vereinigung, die nicht mit Namen genannt werden möchte, einer Bank und einer Versicherung zu verdanken, dass die nötigen 80'000 Franken gesichert werden konnten. «Es fehlten zeitweise bis zu 15 000 Franken», sagt Spinnler. Sparpotenzial sei keines vorhanden, etwa die Zahl der Bögen zu halbieren, komme für ihn nicht infrage: «Das gäbe ein Riesengeschrei von den Leuten in der Stadt. Entweder ganz oder gar nicht.»