Freie Strasse

Basler Adventsbeleuchtung geht das Geld aus – weder Kanton noch grosse Läden wollen helfen

Hans Spinnler kämpft mit seinem Verein um jeden Rappen – für nächstes Jahr fehlen 16'000 Franken.

Hans Spinnler kämpft mit seinem Verein um jeden Rappen – für nächstes Jahr fehlen 16'000 Franken.

In der Weihnachtszeit erfreuen sich viele an der lichterfrohen Innenstadt. Bereits seit 50 Jahren hängen in der Freien Strasse die bekannten Lichterbögen. Doch niemand will sie mehr finanzieren. Ist dies das Aus der Adventsbeleuchtung?

Sie hängen bereits, die 33 Bögen. Und in wenigen Tagen werden 8976 Leuchtmittel die Freie Strasse, den Marktplatz und die Eisengasse wieder in behagliches Licht tauchen und für Weihnachtsstimmung sorgen. Finanziert werden die Lichterbögen nicht etwa von der öffentlichen Hand, sondern zum grössten Teil von Geschäften der Strasse. Und das bereits seit 50 Jahren. Damals gründeten Anrainerläden den Verein Weihnachtsbeleuchtung Freie Strasse, um ihre Strassen zum Strahlen zu bringen.

An sich eine schöne Geschichte, wäre da nicht das Problem mit dem Geld: Bereits vor einem Jahr berichtete die bz, dass dem Verein die Mitglieder ausgehen. Internationale Ketten, die in der Freien Strasse angesiedelt sind, sprechen keinen Beitrag für die Beleuchtung. Firmen wie Apple, Inditex (Zara, Massimo Dutti), aber auch das Billigmode-Haus Tally Weijl am Marktplatz – und mit Sitz in Basel – sprechen keine Beiträge. «Ich schreibe diesen Firmen immer wieder Mails, ja sogar handgeschriebene Briefe. Es kommt nicht mal eine Antwort zurück,» berichtet Hans Spinnler, Präsident des Vereins. Auch eine Anfrage der bz an die entsprechenden Firmen, warum sie sich nicht an der Finanzierung der Lichterbögen beteiligen, blieben bis Redaktionsschluss unbeantwortet. Einzig ein Apple-Sprecher antwortete, er könne zu dieser Anfrage «inhaltlich nichts beitragen». Es fehle diesen Unternehmen ganz klar die Bindung zu Basel, sag Spinnler dazu.

Die Verzweiflung ist ihm anzuhören, und sie ist begründet: Die Mitgliederbeiträge reichen heute nicht mehr aus, um die Lichterbögen vollumfänglich zu finanzieren. Das Budget beträgt jährlich 80 000 Franken, vor einem Jahr fehlten 15 000. Notfallmässig sammelte damals die Dreikönigskollekte des Rotary Clubs zugunsten des Vereins, um die Finanzierung für die diesjährige Beleuchtung zu sichern.

Ein Loch von 16'000 Franken

Bereits für kommendes Jahr sieht es wieder düster aus, sagt Spinnler: «Es fehlen uns rund 16 000 Franken.» In diesem Jahr will der Verein deshalb mit einer speziellen Aktion auf sich aufmerksam machen. Ab sofort bis Weihnachten werden den Geschäften, die bis dato keinen Beitrag für die Beleuchtung gesprochen haben, ein Flyer zum Thema zugeschickt, wie das Regionaljournal von SF berichtete. Es könne nur mit privaten Spenden funktionieren, sagt Spinnler. Vonseiten Kanton sei nicht viel zu erwarten. Zwar habe man namhafte Beiträge an die Kosten zur Umrüstung auf LED-Birnen vom Lotteriefonds erhalten, und seit vorletztem Jahr spreche der teilweise öffentlich finanzierte Verein Basler Weihnacht jährlich 10 000 Franken gut, «doch das reicht nicht. Wir wünschten uns eine Defizitgarantie, dann könnten wir aufatmen».

Diesem Wunsch erteilt Sabine Horvath, Leiterin Standortmarketing Basel-Stadt, eine Absage. Sie sagt: «Die Unterstützung durch den Swisslos-Fonds schliesst eine zusätzliche Finanzierung durch den Kanton aus.» Es sei aber durchaus im Interesse des Standortmarketings, die Schönheit der Weihnachtsstadt Basel auf dem bestehenden Niveau zu halten – «die Freie Strasse hat hierbei einen hohen Stellenwert». Es seien Gespräche zwischen der IG Freie Strasse sowie dem Verein Basler Weihnacht zur mittelfristigen Finanzierung der Beleuchtung im Gange.

Es gibt sie aber noch, die schönen Geschichten rund um die Lichterbögen. Spinnler berichtet, vor einem Jahr habe ein Student 100 Franken gespendet, eine Dame sogar 1000 Franken, als sie von den Geldnöten des Vereins erfahren haben. Spinnler: «Es geht ja wirklich nicht um Millionenbeträge. Ich hoffe sehr, dass sich die eine oder andere Ladenkette zu einer Spende durchringt. Der Zweck ist ja ein sehr schöner.»

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