Die Schlacht dauerte 82 Tage und sie war eine der schlimmsten des Kriegs im Pazifik: 20 000 Amerikaner, rund 100 000 japanische Soldaten sowie mehr als 100 000 japanische Zivilisten wurden auf Okinawa – der südlichsten der sogenannten japanischen Heimatinseln – getötet.

Es war klar: Japan würde den Krieg verlieren, den es begonnen hatte, aber zu einem enorm hohen Preis: Allein für die Eroberung der beiden Hauptinseln Kyushu und Honshu rechneten die Amerikaner mit 350 000 toten US-Soldaten. Japan hätte bis zu 20 Prozent seiner Bevölkerung verloren. Dieses Horrorszenario war für das japanische Militär aber kein Grund zum Aufgeben, zu sehr war man dem Samurai-Ehrenkodex des «Bushido» verpflichtet, der Selbstaufopferung forderte im Dienst des göttlichen Kaisers.

Friedensfühler durch die BIZ

Anders sah das die politische Führung. In Basel gelangten im Juli 1945 mit Kojiro Kitamura und Kan Yoshimura, zwei japanische Mitarbeiter der Bank für Internationale Zahlungsausgleich (BIZ), an den BIZ-Manager Per Jacobssen. Er sollte bei der Vermittlung eines Friedensvertrags mit den USA und ihren Alliierten behilflich ein.

Die BIZ war 1930 zur Abwicklung der deutschen Reparationszahlungen aus dem Ersten Weltkrieg gegründet worden. Ihr Sitz war bis zum Bau des BIZ-Turms das ehemalige «Grand Hôtel et Savoy Hôtel Univers» an der Centralbahnstrasse. Heute treffen sich in der BIZ regelmässig die Zentralbankchefs der Welt. Während des Zweiten Weltkriegs war die BIZ ein Ort, wo sich die Vertreter der verfeindeten Staaten austauschen konnten, so auch die beiden BIZ-Gründungsmitglieder Japan und die USA.

Wirkung der Basler Kontakte

Die Basler Kontakte resultierten bald in konkreten Positionen. Japan bestand auf seiner territorialen Integrität und der Beibehaltung des Gottkaisers. Die Alliierten verlangten die bedingungslose Kapitulation Japans. Das Land würde zwar weiter bestehen, aber besetzt und politisch reformiert werden. Jacobssen gab die japanischen Antworten an BIZ-Anwalt Allen Dulles weiter.

Denn dieser war nicht nur für die BIZ tätig. Von Bern aus leitete er den amerikanischen Auslandsgeheimdienst «Office of Strategic Services» (OSS). Nach dem Krieg war Allen Dulles einer der Gründer CIA. 1945 übermittelte er die japanischen Friedenspositionen von Basel nach Washington. Die Basler Kontakte waren denn auch die Basis für die Konferenz von Potsdam.

Dort diskutierten der britsche Premierminister Churchill, US-Präsident Truman und der sowjetische Diktator Stalin unter anderen auch das weitere Vorgehen gegen Japan. In der «Erklärung von Potsdam» vom 26 Juli forderten sie wiederum die bedingungslose Kapitulation Japans und das Ende des Militarismus. Das Schicksal des Kaiserhauses wurde nicht erwähnt. Japan ging nicht auf diese Erklärung ein. Während die «Friedenspartei» den Basler Kanal offen hielt und auch versuchte, mit Stalin in Kontakt zu treten, war das Militär entschlossen, bis zum bitteren Ende zu kämpfen.

Atombomben nicht verhindert

Die Haltung des Kaisers ist bis heute umstritten. Die Atombomben vom 6. und 8. August von Hiroshima und Nagasaki beendete die interne japanische Debatte um die Basler Friedensfühler und die Erklärung von Potsdam. Noch am Tage des Abwurfs der zweiten Atombombe über Nagasaki erklärte die Sowjetunion Japan den Krieg. Am 9. August marschierte die Rote Armee mit rund 1,7 Millionen Mann in der japanisch besetzten Mandschurei ein.

All dies führte dazu, dass Kaiser Hirohito befahl, die Bedingungen von Potsdam zu akzeptieren. Nach einem militärischen Putschversuch erklärte der Kaiser schliesslich am 15. August die bedingungslose Kapitulation. Am 2. September begann die amerikanische Besatzung, die bis 1952 anhielt. Unter einer neuen Verfassung wurde Japan pazifistisch und eine konstitutionelle Monarchie. Der Kaiser verlor seinen göttlichen Status, blieb aber im Amt. All dies war auch schon in Basel diskutiert worden – vor dem Abwurf der Bomben.