Jeder kennt das Problem: Sobald man ein paar Sekunden ohne Ablenkung irgendwo rumsitzt, wird das Handy gezückt. Darauf folgt in der Regel nichts, was man als produktiv bezeichnen könnte: Apps checken, Facebook checken, Whatsapp checken. Leere Blicke in übervolle Bildschirme.

Wieso das Ganze nicht einmal umdrehen? Das fragte sich Lucien Montandon vor ein paar Monaten. Den Bildschirm einfach mal weiss lassen? Der Basler Primarlehrer und Musiker (Guy Mandon) war schon als Kind begeisterter Entwickler von Brettspielen und hatte sich vor Kurzem das Programmieren einfacher, zweidimensionaler Games beigebracht.

Die Idee sei nach kurzer Zeit ganz natürlich gekommen. Er wusste bald, wie man eine digitale Fläche programmiert – jetzt könnte er doch auch eine App machen. Der Plan war simpel: Eine App, die nichts als eine weisse Fläche bietet. Blick ins Nichts. Eine App mit politischer Message. Doch Montandon war noch nicht zufrieden. Er entwickelte seine Idee weiter: Wie kriegte er das Gemeinschaftsgefühl in die App, das beim täglichen Ins-Handy-Glotzen abhanden kommt?

Je simpler desto besser

Wieder überzeugte ihn die simpelste Antwort: Wie wäre es, wenn man die Fläche bunt statt weiss machen würde, und als User selbst die Möglichkeit hätte, eine Farbe auszuwählen? Und dann diese Farbe mit anderen teilen, beziehungsweise synchronisieren könnte? Montandon sah bereits Konzerte vor seinem inneren Auge: Die Stars brüllen einen Hashtag in die Menge, jeder gibt ihn in die App ein und - puff! - erscheint auf allen Handybildschirmen dieselbe Farbe oder Farbfolge. Instant Community-Gefühl per Smartphonebildschirm.

Die Idee war vorhanden, die Fähigkeiten nicht ganz. Also holte sich Montandon Hilfe: Die tschechische Firma Qusion programmierte, die Basler Grafikerin Katherine Newton machte das Design. Entstanden ist eine App, die punkto Einfachheit kaum zu übertreffen ist: Wer «Color Crowd» öffnet, sieht eine Suchmaske, in die er «seinen» Hashtag eingeben kann. Die Hashtags, «Crowds» genannt, sind Farben zugeteilt. Falls der Hashtag noch nicht benutzt wurde, kann man seinen eigenen generieren und einer Farbe zuteilen.

Synchronisierung mit Musik

Nach zwölf Stunden verfällt die Crowd-Farbe-Kombination. Dadurch kann niemand längerfristig eine Crowd für sich beanspruchen. Ausserdem gibt es die Möglichkeit, den Strobo-Effekt auszuwählen, der zwischen zwei Farben hin und her wechselt. Montandon schweben noch weitere Effekte vor, bis hin zur Synchronisierung mit Musik: Für jede Note eine andere Farbe. Bis jetzt hat er sein Projekt selbst finanziert. «Falls jemand interessiert daran ist, in ‹Color Crowd› zu investieren, sage ich aber nicht nein.»

Zumindest in der Musikwelt scheint seine Idee bereits anzukommen: Eine grosse Band aus Deutschland habe bereits Interesse daran, die – bislang übrigens kostenlose – App an ihrem nächsten Konzert auszuprobieren, sagt Montandon. Wer es sei, dürfe an dieser Stelle noch nicht verraten werden. Sollte es klappen, wird seine Vision womöglich Realität: eine grosse Menschenmenge vor der Bühne – und statt laufender Handykameras eine einzige, einende Farbwelt.

   

Color Crowd App ist gratis erhältlich für iPhone und Android im App Store.