Als Kopf einer hochkarätigen Forschungsgruppe nimmt der Basler Astrophysiker Helmut Jerjen ein ehrgeiziges Projekt in Angriff: «The Stromlo Milky Way Satellite Survey».

Der Himmel scheint sauber an seinem Arbeitsort in Mount Stromlo, nahe der australischen Hauptstadt Canberra. Doch nicht sauber genug. Deshalb wurde das nagelneue Teleskop namens SkyMapper in 600 Kilometer Entfernung in der Savanne gebaut. 11 Millionen australische Dollar hat es gekostet (10,5 Schweizer Franken). Es wird seine Arbeit in der zweiten Jahreshälfte 2012 aufnehmen.

Dieses neue Gerät sollte es Helmut Jerjen ermöglichen, die Theorien über die Entstehung von Zwerggalaxien und unserer Milchstrasse zu überprüfen. «Vielleicht bewegen wir uns auf ein neues universelles Gesetz der Gravitation zu, wer weiss! Alles ist möglich. Es ist der perfekte Zeitpunkt», sagt Jerjen.

«Die Technik und die Wissenschaft sind weit genug gereift, um einen riesigen Fortschritt bei der Erklärung unserer Welt zu erlauben», sagt er, trotz der grossen Worte bescheiden lächelnd. Was auf dem Spiel steht, wird er demnächst in der Zeitschrift der Australischen Astronomischen Gesellschaft ausbreiten.

«Der richtige Moment»

Dank eines Stipendiums des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) kam Helmut Jerjen vor 17 Jahren nach Mount Stromlo. Heute ist er an der australischen Nationaluniversität angestellt. Seine Spezialität ist das Auskundschaften von unsichtbaren Zwerggalaxien.

Diese Zwerggalaxien bilden sich aus Sternenhaufen, die visuell fast nicht zu erfassen sind, da ihre Dichte so gering ist. «Sie sind von dieser Materie umgeben, die Schwarze Materie heisst. Diese besondere Substanz entzieht sich unserer Beobachtung», begeistert sich der Forscher. «Woraus sie besteht, ist noch völlig unbekannt.»

Stärkstes Teleskop der Südhemisphäre
Die berühmtesten dieser Gebilde in der Milchstrasse sind die Kleine und die Grosse Magellansche Wolke. «Die Theorie sagt vorher, dass es in unserer Galaxie 1000 dieser Phänomene geben sollte. Dennoch konnten wir mit den verfügbaren Techniken bis heute nicht mehr als 24 nachweisen», erklärt Helmut Jerjen.

Seine Studie ist die logische Fortsetzung des «Sloan Digital Sky Survey», den eine andere Forschergruppe in der Nordhemisphäre durchgeführt hat. Dieser wurde auf kleinerer Skala durchgeführt und konnte 13 neue Zwerggalaxien entdecken, was die Zahl der bekannten Zwerggalaxien in der Milchstrasse auf 24 erhöhte.

Das neue australische Teleskop wird es ermöglichen, den Weltraum der Südhemisphäre in doppelt so grosser Tiefe zu durchkämmen wie die Sloan-Studie. «In seiner Kategorie ist unser Teleskop das stärkste auf der Südhemisphäre», betont der Astrophysiker.

Theorien auf dem Prüfstand

Der Wissenschaftler hat mehrere Hypothesen ins Betracht gezogen. Falls er ähnlich wenige Zwerggalaxien findet wie die Sloan-Studie, müsste die Theorie der Schwarzen Materie, die tausend dieser Strukturen vorhersagt, überprüft werden.

Doch theoretisch könnte er auch tausend Zwerggalaxien in der Südhemisphäre finden. Dies würde beweisen, dass die aktuelle Theorie über die Schwarze Materie korrekt ist. Dann müsste man jedoch erklären, warum es so viele Zwerggalaxien im Süden gibt und nur so wenige im Norden. Und dann müsste wahrscheinlich das universelle Gesetz der Gravitation umgeschrieben werden.