Rockförderung
Basler Bands sollen in den europäischen Metropolen rocken

Basler Pop-Bands sollen in Zukunft einen Aufenthalt in einer europäischen Musikmetropole gewinnen können. Dafür will der RFV in einer pulsierenden Grossstadt WG-Zimmer und Bandraum mieten, wo sich regionale Bands entfalten können.

Moritz Kaufmann
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Danke für die Musik: Gestern Abend spielte die grosse Basler Band Lovebugs in der Kuppel Cover-Lieder anderer Basler Musikgruppen.

Danke für die Musik: Gestern Abend spielte die grosse Basler Band Lovebugs in der Kuppel Cover-Lieder anderer Basler Musikgruppen.

Juri Junkov

Herr Schäfer, es heisst: Rock’n’Roll ist tot. Ist er das?

Tobit Schäfer: Schaut man die Situation in Basel an, wie sie sich seit der Gründung des – damaligen – Rockfördervereins vor 20 Jahren (heute heisst der Verein nur noch RFV, Anm. d Red.) entwickelt hat, muss man sagen: Die Szene ist so lebendig wie noch nie. So vielfältig wie noch nie. Und vor allem: So erfolgreich wie noch nie.

Sie sagen, die Basler Szene sei so erfolgreich wie noch nie. Was sind Ihre Anhaltspunkte dafür?

Basler Bands sollen nicht nur in der Region erfolgreich sein, sondern national und international spielen. Wenn man sieht, wie viele Bands heute international touren, im Ausland releasen und im Musikgeschäft vernetzt sind, dann kann man sagen: Basler Bands waren noch nie so erfolgreich.

Nehmen Sie diesen Erfolg auch für Ihren Verein in Anspruch?

Das ist sicher ein Indikator für das, was wir erreicht haben. Ein anderer ist die Geldsumme, mit der wir Bands, Business und Events in der Region fördern können. Heute werden wir mit 610 000 Franken subventioniert, die wir für regionale Popmusik einsetzen können. Das ist wenig, verglichen mit dem, was in Basel sonst für Kultur ausgegeben wird. Aber es ist viel, verglichen mit dem, was in anderen Kantonen für Popmusik ausgegeben wird. Wir wollen aber, dass uns die Bands irgendwann nicht mehr nötig haben. Dass sie auf eigenen Beinen stehen können.

Müssen Sie oft Nein sagen?

Definitiv. Es kriegen mehr Bands kein Geld als Geld kriegen. Das finde ich richtig. Denn wo alles möglich ist, ist auch alles egal. Wir verteilen das Geld nicht mit der Giesskanne.

Sondern?

Unabhängige Fachjurys beurteilen kompetent, wer den Förderkriterien entspricht und unterstützt werden soll. So kommt durchaus vor, dass wir eine Band mehrmals unterstützen –- und dass andere Bands kein Geld bekommen, die es vielleicht auch verdient hätten.

Ist das nicht problematisch?

Wir bieten auch viele Dienstleistungen an, die allen zugänglich sind. Persönliche Beratungen etwa, aber auch Lobbying für die Szene, was allen zugutekommt.

Deswegen hat der RFV in der Szene aber auch ein Funktionärs-Image.

Bei manchen haben wir diesen Ruf. Ich kann aber nicht beurteilen, ob das daher kommt, dass wir ihnen Absagen schreiben mussten. Oder daher, dass wir eine Scharnierfunktion einnehmen zwischen Szene und Verwaltung. Wir sind ein Verein mit über 350 Mitgliedern, die mitbestimmen können. Gleichzeitig haben wir einen Leistungsauftrag von den Kantonen. Wir werden also von zwei Seiten kritisch begleitet. Letztlich gibt uns aber der Erfolg recht: Beratungsstunden, Fördergelder, Hits auf der Website, Mitglieder – alle Zahlen zeigen seit Jahren konstant nach oben.

Kommt man als Basler Band überhaupt an Ihnen vorbei?

Sicher, es gab auch schon Bands, die gross wurden, als es den RFV Basel noch gar nicht gab. Aber viele Bands, die derzeit erfolgreich unterwegs sind – etwa Anna Aaron, Ira May, The Bianca Story oder We Invented Paris –, haben bereits von unserer Förderung profitiert. Das heisst aber nicht, dass sie es ohne unsere Förderung nicht geschafft hätten.

Gibt es etwas, das Sie erreichen wollten, aber nicht schafften?

Der grosse Tolggen im Reinheft sind fehlende Bandproberäume. In Basel gibt es nicht genügend, vor allem nicht für professionelle Bands. Eines der Gründungsziele des RFV Basel wurde damit noch nicht erreicht. Das heisst nicht, dass wir da zu wenig Arbeit investiert haben. Es sind einfach sehr dicke Bretter, die da gebohrt werden müssen. Wir haben aber ein Projekt: Unter der neuen Kuppel sollen etwa zehn Bandproberäume gebaut werden. Das liegt aber – wie so oft – nicht mehr in unseren Händen.

In den letzten 20 Jahren veränderte sich das Musikbusiness enorm. Wie veränderte das Ihre Arbeit?

Der RFV Basel bewegt sich in einem Umfeld, in dem er die Fördermassnahmen sehr schnell anpassen muss. Ein Beispiel: Beim Regio Sound-Credit mussten Bands, wenn sie Fördergeld bekommen wollten, einen physischen Tonträger veröffentlichen. Ab diesem Jahr reicht es, wenn die Songs digital veröffentlicht werden und im offiziellen Handel erhältlich sind. Solche Entwicklungen gab es sehr viele in den letzten Jahren.

Zum Beispiel?

Der RFV Basel unterstützt Events, an denen regionale Bands auftreten. Das kommt aus einer Zeit, wo viele Clubs nur noch DJs gebucht haben, weil das billiger war. Heute gibt es so viele Konzerte regionaler Bands, dass wir diese Unterstützung etwas zurückfahren wollen.

Gibt es nicht fast ein Überangebot? Viele Bands spielen vor zehn oder zwanzig Leuten.

Es ist ein Fakt: Wir haben zu viele Bands für zu wenig Bühnen und zu viele Bühnen für zu wenig Publikum. Der Markt ist hart umkämpft, was aber nicht tragisch ist. Bands müssen sich ihr Publikum erspielen können.

Wo steuert der RFV hin?

Ende Jahr beginnen bereits die Subventionsverhandlungen mit Basel-Stadt für die Jahre 2016 bis 2019. Dafür haben wir zwei grosse Anliegen: Einerseits wollen wir talentierte junge Bands noch früher entdecken und fördern können. Und andererseits wollen wir eine Dependance im Ausland, wie man das für Künstler aus anderen Sparten schon lange kennt.

Also ein Bandraum in Berlin?

In Berlin oder in einer anderen europäischen Grossstadt. Eine WG mit Bandraum, wo regionale Bands jeweils während eines halben Jahrs arbeiten, sich vom lebendigen Umfeld inspirieren lassen und Kontakte knüpfen können.

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