Basler Bebbi
Basler Bebbi rechtfertigen ihren Punk-Auftritt an der Fasnacht

Mit ihrem von «Pussy Riot» inspirierten Punk-Auftirtt an der Fasnacht haben die Basler Bebbi viele verärgert. Vonseiten des Comités drohen Sanktionen. Cliquenpräsident Rapp rechtfertigt nun die Sujet-Wahl in einem offenen Brief.

Muriel Mercier
Drucken
Teilen

Die Basler Bebbi haben sich an der Fasnacht nicht nur Freunde gemacht. Schon von Weitem war die Clique am Cortège zu hören. Sie sorgte aber nicht mit virtuosen Piccoloklängen und Trommelwirbeln für Aufmerksamkeit, sondern fiel dieses Jahr als Punkrockband aus dem fasnächtlichen Rahmen. Der Zug wurde von einer fünfköpfigen Band angeführt, die hinter Gittern klassische Punkrock-Stücke von den Ramones, The Clash oder Sex Pistols zum Besten gaben. Der Gitarrist, der Schlagzeuger, der Bassist und die zwei Sänger trugen farbige Strumpfmasken. Für ihren provokativen Auftritt liessen sich die Bebbi von der Geschichte der russischen Punkrock-Band «Pussy Riot» inspirieren.

Sarkastische Bitte um Vergebung

Sehr zum Ärger anderer Cliquen. Punkmusik ist schliesslich nicht bekannt für sanfte Klänge. Folge: Mehrere Obmänner beschwerten sich beim Fasnachtscomité. Sie seien gestört worden, die Pferde der Chaisen seien zudem erschreckt worden, wurde argumentiert. Andres Rapp, Präsident der Basler Bebbi, weiss von drei offiziellen Reklamationen, die bis letzte Woche beim Comité eingegangen sind.

Die Bebbi lassen diese Vorwürfe nicht auf sich sitzen. Ende Februar erhielt das Fasnachtscomité einen offenen Brief von Andres Rapp, der der bz vorliegt. Betreff: «Vergebet uns, denn wir haben gesündigt, weil wir nicht stricken können». Ein Seitenhieb an die vielen Cliquen, die die Strickerei auf der Wettsteinbrücke zu ihrem Sujet machten.

Der Brief ist bissig geschrieben und ein Stück Sarkasmus ist nicht abzustreiten. Der Text beginnt mit einer Zusammenfassung des Sachverhalts: «Free Willy Riot sitzt auf der öffentlichen Anklagebank für ‹Rowdytum› und Verletzung der Fasnachtsgefühle.» Verständlicherweise sei Lärm «in einem anderen Heiligtum weit weg weitaus verträglicher als Lärm im eigenen Heiligtum.» Zudem sind die Basler Bebbi in grosser Sorge: «Wir hoffen, alle Chaisen ziehenden Rösser sind nun unseretwegen nicht schon in einer Lasagne gelandet.» Auch zu den Jungen machen sie sich Gedanken: «Wir beten zu Gott, dass alle Junge Garden nicht taub wie Tauben geworden sind.» Dass plötzlich getanzt und gelacht worden sei, habe sie zutiefst schockiert. «Ja, ihr habt recht, das hat alles nichts mit Fasnacht zu tun.»

Sujet dient nicht Effekthascherei

Dass diese Argumente eben die komplett falschen sind, erklärt Rapp weiter unten: Für sie sei der Cortège eine Plattform, ein Sujet so konsequent wie möglich auszuspielen. «Wenn wir Sujet sagen, dann meinen wir auch Sujet. Es ist unvermeidbar, dass kontroverse Themata und Aktionen anecken. Dieses Anecken geschieht jedoch auf bewusste Art und Weise und dient nicht der Effekthascherei, Provokation oder gar dem Sauglattismus. Es soll auf Missstände aufmerksam machen.»

Ob den Basler Bebbi als Unruhestifter vom Comité Sanktionen aufgedrückt werden, wird erst am 22. März entschieden. Bis dahin bewertet das Comité sämtliche Auftritte der Cliquen an den drey scheenschte Dääg. Danach werden die Subventionierungen besprochen. Die Basler Bebbi machen sich allerdings keine Sorgen über allfällige Sanktionen: «Wir machen nicht Fasnacht für das Geld», erklärt Rapp. Die Subventionen seien nur ein Unkostenbeitrag. «Wenn wir keine Subventionen mehr erhalten, werden wir uns und unsere Sujetwahl nicht ändern. Wir werden immer gleich Fasnacht machen.»