Basler Betteldebatte
Übereilt und populistisch

Statt mit Abgeklärtheit zu agieren, drückt die Basler Politik aufs Tempo und übt sich in Empörungsbewirtschaftung.

Patrick Marcolli
Patrick Marcolli
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Ein Bettler auf der Mittleren Brücke.

Ein Bettler auf der Mittleren Brücke.

Foto: Roland Schmid (10. Januar 2021)

Wie werden Historiker die Basler Debatte zur Bettelei und einem neuen Bettelverbot dereinst bewerten? Eines scheint schon heute klar: Die Politik wird nicht gut abschneiden.

Statt sich dieses Themas mit Abgeklärtheit anzunehmen und zu einer Versachlichung des von Vorurteilen und Ängsten geprägten öffentlichen Diskurses beizutragen, agierten gerade rechte Politiker als Empörungsbewirtschafter. Es hätte gereicht, das Tempo des politischen Prozesses zu drosseln. Warum denn diese Eile?

Zu rechtfertigen wäre sie einzig mit dem Bemühen gewesen, die Lebensumstände der Bettelnden zu verbessern. Stattdessen geht es darum, wer sich rühmen kann, ein Problem aus dem kleinen Basler Orbit bugsiert zu haben, das sich nicht aus der Welt schaffen lässt. «Aus den Augen, aus dem Sinn» war nie ein probates Leitmotiv für gute Politik.