Der Basler Coskun Erdogan, Künstlername B-Boy Tuff Kid, ist in der Breakdance-Szene weltweit bekannt. Er tanzt für berühmte Sportartikel-Hersteller in Werbespots, gewinnt zahlreiche «Tanz-Battles» und fungiert als Jurymitglied an verschiedenen nationalen sowie internationalen Tanzveranstaltungen. Dann der Schock: Im Training kann er sich bei einer Figur nicht mehr rechtzeitig auffangen. Die drei wichtigsten Stabilisatoren in der Schulter sind gerissen – und das mit 33 Jahren. Eine Gratwanderung zwischen Aufgeben und Weitermachen beginnt.

Im Frühling 2014 ist B-Boy Tuff Kid in der Rennbahnklinik Muttenz an der rechten Schulter (grosse Rotatorenmanschetten-Ruptur) erfolgreich operiert worden. Eine Körperpartie, die essenziell für den vierfachen Schweizer Meister ist. Seine Bewegungen funktionieren ohne gesunde Schulter nicht. Für einen leidenschaftlichen Bewegungsmenschen, wie er sich selber beschreibt, ein Horrorszenario.

Die Phase der Rekonvaleszenz ist nicht nur körperlich für Coskun eine Herausforderung. Auch wenn er die Existenzängste leugnet. Die Ungewissheit, wie es mit ihm weitergehen soll, ist da. Trotz grossem Selbstbewusstsein muss er sich mit unbequemen Fragen auseinandersetzen: Wieso sollte ich nach diesen Verletzungen zurückkommen? Haben die Zweifler recht und soll ich etwas ganz anderes machen? Wieso nicht einfach aufgeben?

Unsere grösste Schwäche liegt im Aufgeben. Der sichere Weg zum Erfolg ist immer, es doch noch einmal zu versuchen. So äusserte sich einst Thomas Edison, der US-amerikanische Erfinder und Entdecker des glühelektrischen Effekts. Und was für Erfinder gilt, gilt seiner Meinung nach auch für Sportler. Erdogans Passion zum Tanzen ist stärker als all die negativen Gedanken. «Das Training beginnt einen Tag nach der Operation», meint der mittlerweile 35-jährige, aber Junggebliebene Coskun Erdogan.

Kurzvideo als Therapie

Auf dem Pfad zur Besserung sind Motivationsstützen hilfreich. Erdogan dokumentiert seine Erlebnisse in einem Youtube-Video. «Mit diesem Motivationsvideo möchte ich mit dieser schweren Zeit abschliessen», begründet Erdogan das Projekt. Im Kurzvideo «Road to recovery», das von Under Armour gesponsert und von PW Records produziert wurde, erzählt er seine knapp 15-monatige Leidensgeschichte und den Weg zurück.

B-Boy Tuff Kid - Road to Recovery

Road To Recovery

Mehrere Projekte stehen nun an. In der Breakdance-Szene sitzt er am 28. Februar an der Vorausscheidung beim Redbull BC One in der Jury. Auch im Theater ist er anzutreffen. In der Produktion «bits C 128Hz» der MIR COMPAGNIE steht er im Sommer ebenfalls auf der Bühne. Ihm ist bewusst, dass er sich jederzeit wieder verletzen könnte. Aus diesem Grund absolviert Erdogan unter anderem auch einen Diplomlehrgang zum medizinischen Trainingstherapeuten, den er im Oktober abschliessen wird.

Auf die Frage hin, ob er nochmals eine solche Verletzung verkraften könnte, lautet die Antwort bestimmt: «Ich bleibe ein ‹Mover› – ein Leben lang.»