«Tapeten sind das einfachste und günstigste Mittel, um einen Raum zu verändern» sagt Matthias Schönholzer, Tapetenhändler aus Basel und gemeinsam mit Dieter Ulbrich Aussteller an der diesjährigen Swissbau-Messe. In der Schweiz konnte sich diese simple Wanddekoration bisher nie wirklich durchsetzen. «Die Schweiz war nie eine Tapetennation. Früher waren 80 Prozent aller Schweizer Mieter und konnten es daher nicht wagen, die Wände zu verzieren» erzählt Suzanne Schwarz, PR-Managerin des Standes von Schönholzer Decor und Ulbrich.

Tapeten als Handschrift

In den Nullerjahren hat sich das Blatt jedoch gewendet. Seit gut einem Jahrzehnt sind Tapeten in der Schweiz auf dem Vormarsch. Der Hype ist kaum zu übersehen. Auf der Trend-Welle surfen auch Architekten und Hotels. Für sie ist die Wandverkleidung ein geeignetes Mittel, um Räumen ihre persönliche Handschrift zu verleihen. Zu diesem Zweck wird meist der moderne Digitaldruck benutzt.

Von Jugendstil-Tapeten, über Blumenmuster bis hin zu vor Swarowski-Steinen strotzenden Wandbelägen, die beiden Basler Importeure vertreiben alles, was das Deko-Herz begehrt. Die Tapetenhersteller profitieren heutzutage von riesigen technischen wie auch gestalterischen Möglichkeiten. Die Wandbekleidungen sind aus Papier, Textil, Metall, Vinyl, Kork oder Vlies erhältlich. Dabei kann die Oberfläche bedruckt, beflockt, mit Granulat, Gold und Silber oder Hologrammen veredelt werden. Für Freunde des spartanischen Wohnens wohl ein Graus.

Die Spezialität der beiden Basler Firmen sind die Vielfalt der Materialien und das grosse Farbenspektrum. Ulbrich zeichnet sich zusätzlich darin aus, historische Tapeten in denkmalgeschützten Objekten zu restaurieren und nachzubilden. Die Rekonstruktionen nach Vorlagen anzufertigen, ist eine Herausforderung. Die Händler vertreten die wichtigsten internationalen Hersteller von Tapeten und Wandbekleidungen aus Deutschland, Holland und Belgien. Die drei Länder sind seit langer Zeit Hochburgen der Tapetenproduktion. Ebenfalls eine grosse Tapeten-Tradition haben die skandinavischen Länder, insbesondere Schweden. Letzteres ist auch das einzige Land, welches noch die für die Produktion wichtigen Leimdruckmaschinen besitzt.

Wie in der Mode gibt es auch beim Wandbelag jährlich neue Trends und Verkaufsschlager. Stark auf dem Vormarsch ist der Digitaldruck, mit dem «grundsätzlich jedes Motiv an die Wand gebracht werden kann» so Schwarz. Neben diesen persönlichen Motiven sind wilde Farbkombinationen, Blumenmuster, Glanz-Tapeten und Metallfarben beliebt, aber auch Muster, die stark an die 50er- und 60er-Jahre erinnern.

Spezielle Tapeten für Spitäler

Der Wandbelag kann jedoch nicht nur schmücken, sondern auch schützen. Eine vor kurzem lancierte Tapeten-Variation wird neuerdings auch von Spitälern an die Wand geklebt. Das bakterienresistente, hygienische, Schmutz abweisende und leicht zu reinigende Material kann sogar ohne Bedenken in Operationssälen verwendet werden. Hier aber eher ohne Glitzersteinchen.