Es sind nur Gerüchte, doch bevor der Vorhang erstmals fällt, wird im Volkshaus eifrig getuschelt. Die Generalprobe soll alles andere als gelungen sein. Als Konsequenz sind noch zwei Nummern aus dem Programm geflogen.

Als der Kleinbasler Vorfasnachtsanlass losgeht, sind dem Ensemble um Regisseurin Colette Studer aber keinerlei Unsicherheiten anzumerken. Das Charivari kommt sofort in die Gänge, wobei der erste gute Eindruck vor allem ein optischer ist: Das stimmige Bühnenbild zeigt eine Brücke, auf und unter der sich in den nächsten zweieinhalb Stunden so einiges abspielen wird.
Es sind die Basler Brücken, die in Flussrichtung des Rheins den roten Faden des Programms bilden. Erster Halt ist die Kraftwerkbrücke, die wie alle anderen Stationen auch auf «Englisch» angekündigt wird und für Lacher sorgt.

Hauptprobe Charivari Basel

Ein Video von der Hauptprobe.

Im ersten Teil sitzen zwar nicht alle Pointen – aus Emmanuel Macrons Nachnamen «Macaroni» zu machen, ist nicht gerade Comedy-Champions-League –, doch Höhepunkte gibt es nicht wenige. Auf musikalischer Ebene sind d Pfyffergrubbe Spitzbuebe mit einem virtuosen «Synkopia» und d Ueli 1876 und Fründe mit «Dr Prinz Carneval» zu nennen. Das Guggekönzärtli der Ohregribler mit «The Sound Of Silence», «Does Your Mother Know?» und «Dirty Old Town» bringt das Publikum zum Mitklatschen. Ausserdem reimt Mathias Brenneis in teilweise schwindelerregender Schnelligkeit über Freud, Leid und Tricks eines Blaggedde-Verkäufers. So erfährt man unter anderem, wieso es sinnvoll ist, Karli Odermatt nicht vor 14 Uhr eine Blaggedde zu verkaufen.

Besonders gelungen ist das Raamestiggli «D Duube», in dem sich Tatjana Pietropaolo über ihre unbefriedigende Rolle als Taube Luft macht. In ihrer Solonummer schreckt sie auch nicht davor zurück, sich bei Studer zu «bedanken» und Programmchef Erik Julliard dafür zu verfluchen, dass er ihrem Auftritt keine eigene Brücke spendiert hat. Die bissigen Kommentare machen selbst vor den eigenen Reihen nicht halt, was das Publikum goutiert. Über sich selber lachen können auch einige der Opfer des Programms. So sprachen unter anderem Hans-Peter Wessels, Guy Morin und Christoph Blocher diverse «Anfragen» auf die Charivari-Tickethotline. Das entsprechende Raamestiggli «Sie haben neun Nachrichten» gehört zum zweiten Teil des Abends, der das Niveau hält.

Ob Colette Studer als stolze Mittlere Brücke («Im minderen Basel freut man sich über Brückenangebote!»), Martin Stich als rappende Dreirosenbrücke («Ei Stadt, zwei Wälte!») oder Nico Jacomet, der die Hipster-Studenten auf der Johanniterbrücke aufs Korn nimmt – das Ensemble brilliert. Ohren und Augen verwöhnt d Drummelgrubbe vo de Basler Rolli mit ihren «Cool Light Sticks». Grossartig sind auch die Bängg von den Gwäägi. Sind die pointierten Verse zum prügelnden Christian Constantin oder der Fasnacht als Weltkulturerbe bereits eine Klasse für sich, übertreffen sich d Gwäägi mit ihrem Beitrag zu «#MeToo» selbst. Lauter und herzhafter wird nicht mehr gelacht.

Die Zeit vergeht schneller, als man vom Kraftwerk bis zur Dreirosenbrücke schwimmen kann. Mit «Z Basel uf dr Brugg» geht das Charivari 2018 unter grossem Applaus zu Ende.