Auf dem Büchermarkt verirrt man sich leicht. Orientierungshilfe in dem grossen Angebot bietet seit dreissig Jahren die Buchhandlung Labyrinth am Nadelberg. Diese bietet ausgewählte Belletristik und ist spezialisiert auf geisteswissenschaftliche Werke.

Begünstigt durch die Nähe zur Uni pilgerten in den letzten Jahren regelmässig Studierende ins «Labyrinth», um dort unter anderem ihre Semesterliteratur einzukaufen. Sie brauchten bloss die Gänge des «Labyrinths» zu passieren – und konnten an der Kasse die Einkaufsliste zerknüllen. Alles war da. Und wenn die Mitstudenten schneller waren, dann wartete der bestellte Bücherstapel tags darauf am Nadelberg.

Aus der Sackgasse mit neuen Ideen

Per Ende Jahr müssen die Inhaber die Pforten des «Labyrinths» schliessen. Die Konkurrenz der grossen Ketten, der Online-Handel und der E-Books führten die Buchhandlung mit ihrer traditionellen Ausrichtung in eine Sackgasse. An deren Ende standen Schulden. Zudem musste sich einer der beiden Inhaber aus gesundheitlichen Gründen aus dem Geschäft zurückziehen.

Das «Labyrinth» geriet in eine Negativspirale: Offene Rechnungen bei den Lieferanten verhinderten eine schnelle Lieferbarkeit der gewünschten Titel. Dies hatte zur Folge, dass verschiedene Stammkunden ihre Aufträge anderweitig vergaben. So auch die Universitätsbibliothek. «Die Breite des Angebots konnten wir stets gewährleisten. Aber der schnelle Service hat in den vergangenen Monaten gelitten», sagt Matthias Staub. Er berät seit 22 Jahren die Kundschaft in der Buchhandlung – und hofft, auch in den nächsten Jahren Bücher am Nadelberg zu verkaufen. Denn eine neue, schuldenfreie Buchhandlung ist geplant. Kommt die Anschubfinanzierung von mindestens 35 000 Franken zusammen, übernimmt diese den Lagerbestand und die Ausrichtung des «Labyrinths».

Wie Matthias Staub betont, soll die neue Buchhandlung den geisteswissenschaftlichen Schwerpunkt beibehalten – und mit neuen Ideen das Geschäft wieder ankurbeln. Dafür holte er sich Verstärkung: Fünf Studierende ergänzen das Team. Lesley Loew ist eine davon. Die Englisch- und Slawistikstudentin sieht vor allem im verstärkten Austausch mit allen philosophisch-historischen Instituten eine Chance: «Wir müssen den Kontakt intensivieren und unser Angebot noch stärker an die Semesterliteratur knüpfen.» Zudem plant das neue Team einen Web-Shop und die Verkaufsmöglichkeiten von E-Books. Für die Kunden im Laden sind gemütliche Lesemöglichkeiten geplant und für Verlage Flächen und Anlässe, um sich zu präsentieren. «Das neue ‹Labyrinth› soll einen Forums-Charakter annehmen», sagt Loew.

Solidarität via Facebook

Unterstützung ist bereits in den ersten Tagen nach Bekanntgabe der Schwierigkeiten gekommen. So hat die Studentin Barbara Häcki auf Facebook dazu aufgerufen, die Weihnachtsgeschenke im «Labyrinth» zu kaufen. Der Aufruf wurde zum Selbstläufer. «Ich bin selber überrascht, wie viele Personen damit erreicht wurden», sagt Häcki. Für sie ist das «Labyrinth» ein Bestandteil ihres Studiums – und für Basel eine lokale Institution mit gesellschaftlicher Relevanz. «Ich schätze die persönliche Atmosphäre und die sachkundige Beratung.

Es ist eine Qualitätsbuchhandlung, deren gut sortierte Auswahl in Basel einzigartig ist.» Auch Alexander Honold, Professor für neuere deutsche Literaturwissenschaft, lobt die Buchhandlung: «Für Studierende und auch Professoren ist das ‹Labyrinth› seit vielen Jahren ein Grundversorger für unsere intellektuellen Lebensmittel. Dort war etwas ganz Seltenes zu finden – eine Bücherauswahl, bei der kein Band überflüssig und jeder eine Entdeckung wert ist.» Ob literarische Trouvaillen weiterhin am Nadelberg aufgestöbert werden können, zeigt sich Anfang nächstes Jahr.