Neujahrsempfang
Basler Charme-Offensive Richtung Baselbiet am Neujahrsempfang

An ihrem Neujahrsempfang sprach sich die Basler Regierung erstmals offiziell für eine Fusion der beiden Halbkantone aus. Guy Morin sprach sich vor 450 Gästen für eine enge Beziehung von Stadt und Land aus. Im Gegensatz zum letzten Jahr nahmen war dieses Mal auch die Baselbieter Regierung präsent.

Hans-Martin Jermann
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Wie beste Freunde: Der Basler Regierungspräsident Guy Morin (r.) begrüsst seine Baselbieter Amtskollegin Sabine Pegoraro herzlich.

Wie beste Freunde: Der Basler Regierungspräsident Guy Morin (r.) begrüsst seine Baselbieter Amtskollegin Sabine Pegoraro herzlich.

Kenneth Nars

Für die nicht immer einfache Beziehung zwischen den beiden Basel hat das Jahr 2013 vielversprechend begonnen: Beim Neujahrsempfang der Basler Regierung breitete Präsident Guy Morin gestern Abend im Volkshaus die Arme Richtung Baselbiet aus: mit einer versöhnlichen Rede, die Gemeinsamkeiten von Stadt und Land betonte und für ein partnerschaftliches Vorgehen in der Zukunft plädierte. Zuvor begrüssten die sieben Basler Regierungsräte ihre Baselbieter Amtskollegen Sabine Pegoraro und Isaac Reber.

Fast jeden Tag ein Apéro

Der Neujahrsempfang der Basler Regierung bildet den Auftakt zu einem Reigen von Grossanlässen mit jeweils mehreren Hundert Gästen: Heute folgt in der Schalterhalle der UBS am Bankenplatz der Neujahrsapéro der Handelskammer beider Basel mit viel Prominenz von Stadt und Land, morgen im Theater Basel jener des Gewerbeverbands, den traditionell eine Kostprobe von Richard Wherlocks Ballett-Ensemble schmückt. In früheren Jahren eine Polit-Show mit 1500 Gästen, wird der Empfang des Verbands nach dem Tod von Direktor Peter Malama besinnlicher ausfallen. Nächsten Mittwoch beschliesst die Baselbieter Wirtschaftskammer den Reigen der Neujahrsapéros in der Region. (haj)

Genau vor einem Jahr hatte am selben Ort alles anders ausgesehen: Der Einladung zum allerersten Neujahrsempfang der Basler Regierung war kein einziges Regierungsmitglied aus dem Landkanton gefolgt: Die Magistraten hatten es versäumt, sich abzusprechen und aus unterschiedlichen individuellen Gründen abgesagt. Die Panne zog in den Medien eine Grundsatzdebatte zum ohnehin belasteten Verhältnis zwischen Stadt und Land nach sich. Und später das Versprechen der Baselbieter Regierung, bei der zweiten Auflage 2013 mit einer Delegation teilzunehmen. Fürs Einlösen des Versprechens spendeten die 450 Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Kultur gestern Szenenapplaus.

Morin lobt das Baselbiet

Guy Morin verdankte die Teilnahme der Baselbieter Gäste seinerseits mit einer Charme-Offensive. So verwies er zwar auf die Tatsache, dass der Stadtkanton in den letzten Jahren die Staatsschulden halbieren und gleichzeitig die Steuern senken konnte. Darauf folgte indes keine Polemik zum Zustand der Finanzen im Nachbarkanton – im Gegenteil: «In Baselland ist die Finanzlage besser als allgemein wahrgenommen», stellte Morin fest. Die Pro-Kopf-Verschuldung sei nach wie vor geringer als in der Stadt.

Basler Regierung für Fusion

Zugleich machte Morin klar, wie die Beziehungen von Stadt und Land künftig aussehen sollen: Die Herausforderungen der Zukunft – starker Franken und Schuldenkrise, demografischer Wandel, Energiewende – könnten nur gemeinsam angegangen werden. Gebietsreformen dürften deshalb kein Tabu sein. «Die Kantonstrennung von 1833 entspricht nicht mehr der heutigen Lebenswirklichkeit unserer Wirtschaft und Bevölkerung», sagte Morin und verkündete en passant erstmals offiziell, dass die Basler Regierung für die Fusion der beiden Halbkantone sei. Die anstehende Fusions-Debatte dürfe diese nicht entzweien: «Wir müssen diese Diskussion offen, vorurteilslos und in gegenseitigem Respekt führen.»