CVP-Präsidentin Andrea Strahm wühlt derzeit die Basler Politlandschaft auf. In einem «BaZ»-Leserbrief wollte sie Schweizer dazu auffordern, das Basler Bürgerrecht zu erwerben. Um die Schweizer und Basler Tradition zu retten, sollen diese eingebürgerten Ausländern zuvorkommen, so die Botschaft: «Die einheimischen Schweizer, die das Basler Bürgerrecht nicht besitzen, haben das Nachsehen. Es ist also unerlässlich, dass auch sie sich in Basel einbürgern lassen, denn die Bürgergemeinde sollte die Schweizer und Basler Tradition pflegen. Ausländische Neubürger sind da zuweilen nicht die richtige Besetzung, weil teilweise erhebliche Mentalitätsunterschiede bestehen.»

In der «Tageswoche» gingen mehrere CVP-Mitglieder sofort auf Distanz. Darunter auch Stefan Wehrle, der den Bürgerrat präsidiert: «Ihre Aussage entspricht nicht meiner Einstellung – und nicht der Einstellung der Bürgergemeinde.»

«Das war ein ungeschickter Brief. Im Grunde wollte ich die Schweizer dazu aufrufen, sich einzubaslern», erklärt Strahm auf Anfrage. Angesprochen auf die Mentalitätsunterschiede sagt sie: «Es gibt ja alle möglichen Ausländer, man kann nicht alle in einen Topf werfen.» Den Vorwurf, Ausländer auch nach ihrer Einbürgerung als solche zu betrachten, entkräftet sie damit nicht. «Das entspricht absolut nicht meiner Meinung und auch nicht jener der jungen CVP», sagt Patrick Huber, Mitglied der Parteileitung und Präsident der jungen Christdemokraten. Mit diesen Aussagen stelle Strahm ausgerechnet jene an den Pranger, die sich mit der Schweiz identifizieren und sich integrieren wollten. «Ich erwarte eine Klarstellung und werde dieses Thema in die nächste Sitzung der Parteileitung einbringen.»

Marx und Lenin

Auf der Website von Strahm finden sich weitere Ansichten, die zumindest problematisch erscheinen. Dort steht: «Ungerecht ist vor allem die Natur. Manche sind von Geburt weg privilegiert, attraktiv, intelligent, andere benachteiligt, unattraktiv, langsam denkend. Wir brauchen die Talentierten, damit es uns allen gut geht. Fördern wir sie, schaffen wir die Anreize, damit sie die Wirtschaft zum Wohle aller zum Florieren bringen.»

Fördern der «Talentierten», während die von Geburt benachteiligten Dankbarkeit zeigen sollten? Strahm will das anders verstanden wissen: «Es geht mir um Chancengleichheit.» Rechtes Gedankengut, wie Klassendenken und Eugenik, weist sie von sich. Auch wenn sie sich in der Vergangenheit mehrfach mit ihrer Schreibe in die Nesseln gesetzt hat: Ganz einfach ist eine politische Verortung bei ihr nicht. Sie habe in ihrer Jugend vielmehr mit dem Kommunismus geflirtet, habe Marx und Lenin gelesen. «Weil ich an die Anreize zur Talentförderung glaube, bin ich nicht in der SP», sagt sie.

Wer ihren Blog auf «Onlinereports» durchkämmt, findet durchaus auch Meinungen, die in starkem Widerspruch zu aktuellen Aussagen stehen. Im August 2010 rief sie beispielsweise Ausländer auf, sich hier einbürgern zu lassen. In gefühlt jedem vierten Eintrag kritisiert sie die SVP, mal als «schwarzes Schaf», mal als «Elefant im Porzellanladen». Jene Partei, mit der sie inzwischen allerdings im Regierungswahlkampf eng zusammenarbeitet. Die Politplattform Vimentis positioniert die Juristin ziemlich genau in der Mitte, mit leicht liberalem Ausschlag.

Keine typische CVPlerin

Generell vertritt die bekennende Agnostikerin Positionen, die sich kaum mit dem Parteiprogramm vereinbaren lassen. Im Oktober 2013 sprach sie sich in besagtem Blog gegen ein Burkaverbot aus: «Zu unserer Kultur gehören vielleicht Burkas nicht, aber der Grundsatz, dass jeder seiner Individualität Ausdruck verleihen darf, wenn nicht klare überwiegende Interessen dagegen sprechen.»

CVP-Präsident Gerhard Pfister hingegen spricht sich klar dafür aus. Strahm befürwortet zudem die direkte Einbürgerung von Ausländern dritter Generation genau so wie die obligatorische Sexualkunde ab Kindergarten und das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare. Parteiintern hat dies auch schon für Diskussionen gesorgt.