Er wurde 1976 in den Grossen Rat gewählt und blieb es abzüglich einer obligatorischen Pause von vier Jahren bis 1993. Er war Fraktionspräsident. Er schrieb drei Mal am Parteiprogramm mit. Er kandidiert am kommenden Sonntag erneut, auf der CVP-Liste im Wahlkreis Basel-Ost. Und doch ist er für die eigene Parteipräsidentin ein Unbekannter. «Ich kenne nicht alle 99 Kandidatinnen und Kandidaten persönlich», erklärt Andrea Strahm. Aber nicht darüber ärgert sie sich, sondern an der deftigen Kritik, die Martin Oberholzer an der Parteileitung übt. Insbesondere das Zusammengehen mit der SVP für die Regierungsratswahlen könne er nicht verstehen, sagte Oberholzer.

«An der Präsidentin vorbei»

Strahm, die sich gestern bei der bz gemeldet hat, wiederum versteht nicht, weshalb Oberholzer gerade jetzt querschiesst. «Bei allem Respekt vor ehemaligen Grossräten. Aber Herr Oberholzer hätte sich vorher schlaumachen sollen.» Zum Beispiel hätte er im März dieses Jahres an der Parteiversammlung teilnehmen können, findet Strahm. Dort entschied die CVP, mit Lukas Engelberger Teil des Vierertickets zu werden. Das Resultat sei mit 50 zu 2 Stimmen «glasklar» gewesen. Auch seither will sie kein Murren aus den eigenen Reihen gehört haben. «Die angeblichen Vorbehalte der Basis gehen an der Präsidentin völlig vorbei.» Nicht zuletzt deshalb sei sie über Oberholzers Aussagen überrascht.

Vorsorglich betont die Präsidentin aber, dass die CVP die sozialste aller für den Regierungsrat koalierenden bürgerlichen Parteien sei und bleibe. «Benachteiligten muss geholfen werden.» Andererseits verhehlt Strahm nicht, dass sie für die eben eingereichte Initiative der SVP Basel-Stadt «Keine Einbürgerung von Kriminellen und Sozialhilfeempfängern» durchaus Sympathien entwickeln könnte. «Diese Initiative wird Erfolg haben», ist sie überzeugt, «und sie könnte bei der CVP Unterstützung finden.»

Kein Lückenfüller

Bleibt die Frage, weshalb der ehemalige Pathologieprofessor Oberholzer überhaupt auf einer Wahlliste der CVP gelandet ist. Dass weiss Strahm nicht so genau. Ein Lückenfüller sei der 70-Jährige sicher nicht gewesen, weil die Partei überzählige Kandidatinnen und Kandidaten habe streichen müssen. Wahrscheinlich sei er von anderen älteren Parteimitgliedern empfohlen worden.