Taksim-Proteste
Basler Delegation zeigt Solidarität mit türkischen Demonstranten

Weltweit schlagen die Proteste in der Türkei hohe Wellen. Nun ist eine Basler Delegation nach Istanbul gereist. Die vier-köpfige Gruppe aus politischen und gewerkschaftlichen Vertretern wollte sich ein eigenes Bild der Situation machen.

Janine Müller
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Demonstrationen in der Türkei
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Die Gewerkschaften hatten zum Demo-Umzug gerufen, Tausende folgten ihnen.
Die Polizei geht mit Wasserwerfern gegen die Demonstranten vor.
Friedliche Demonstration in Istanbul: Am Montag, 17. Juni, protestieren wiederum Tausende gegen die Regierung von Erdogan.
Auch in Ankara, der Hauptstadt, wird demonstriert. Im Bild müde Demonstranten.
Müder Demonstrant schläft auf einer Bank im Kugulu Park in Ankara.

Demonstrationen in der Türkei

Keystone

«Ich war am Sonntagabend in einem dieser Zelte im Gezi-Park, als die Polizei kam. Sie schossen mit Tränengas und räumten die Zelte. Ein fremder Mann half mir, mich in Sicherheit zu bringen.» Gülay Buhur, Co-Präsidentin von DiDF Schweiz (türkisch: Demokratik Isçi Dernekleri Federasyonu) - eine Organisation von türkisch- und kurdischstämmigen Arbeitern in der Schweiz - schildert die Situation, die sie am letzten Wochenende in Istanbul erlebt hat.

Die Basler Delegation mit Gülay Buhur, Urs Müller (Präsident Basta), Ursula Metzger (Grossrätin SP) und Hansueli Scheidegger (Co-Leiter Unia Nordwestschweiz) wollte sich vor Ort ein Bild machen und reiste nach Istanbul. Zurückgekommen sind sie mit eindrücklichen Erlebnissen. Buhur erzählt: «Es sind so viele Kinder und Frauen in den vielen kleinen Strassen, die zum Taksim-Platz führen. Die Männer schauen jeweils, dass sie sich dort aufhalten, weil das Tränengas nicht bis in die kleinen Strassen reicht. Der Umgang zwischen Männern und Frauen ist sehr respektvoll.» Dafür würden die Polizisten extrem hart gegen die Frauen vorgehen, schildert Buhur. «Es passt der Regierung von Erdogan nicht, dass die Frauen auf die Strasse gehen.»

Protest für demokratische Rechte

Aus einem Protest gegen ein geplantes Einkaufszentrum mit Oper sei längst ein Protest für die demokratischen Grundrechte in der Türkei entstanden. Da seien durchaus Parallelen zum arabischen Frühling zu ziehen, sagt Buhur. Die in Basel wohnhafte Türkin hat in Istanbul selber an den Demonstrationen teilgenommen. «Die moralische Unterstützung ist wichtig. Auch darum sind wir aus Basel nach Istanbul gereist.»

Angst hatte sie nur zu Beginn. «Es ist ein beklemmendes Gefühl, wenn man sich der vielen Polizisten gegenüber sieht. Aber unter den Demonstranten war es sehr friedlich. Man hat sich gegenseitig vor Polizisten gewarnt. Demonstranten, die der Polizei mit Gewalt begegnen wollten, hat man daran gehindert.»

Die von Polizisten angewendete Gewalt verurteilt Buhur zutiefst. «Da werden Menschen brutalst niedergeschlagen. Mittlerweile trifft es auch Journalisten, die über die Proteste berichten.» Buhur spricht gar von Folter auf Polizeiposten. Demonstranten werden festgenommen und auf dem Posten niedergeschlagen. «Es gibt bereits jetzt viele, welche für immer behindert sein werden.» Buhur glaubt, dass die Gewalt noch zunehmen wird.

Offizielle Schweiz gefordert

Die Basler Delegation hat sich in der Türkei mit politischen und gewerkschaftlichen Vertretern getroffen. Dies, um die Situation zu besprechen und Solidarität zu zeigen. SP-Grossrätin Metzger ist sich bewusst, dass man aus Basel nicht viel tun kann. Aber: sie fordert von der offiziellen Schweiz, sprich vom Bundesrat, eine Stellungnahme zu den Protesten in der Türkei. Zudem werde die SP Schweiz eine Resolution verabschieden.

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